Investition in Millionenhöhe

Zukunft der Autobranche: Porsche investiert in Raketentechnologie

Ein Porsche-Logo und eine startende Rakete (Collage).
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Porsche will künftig auch in Raketen-Technologie investieren.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Mit seinen Technologien wird die Raumfahrt zunehmend auch für die Automobilbranche interessant. Porsche steigt jetzt beim Raketenbauer Isar Aerospace ein.

Stuttgart - Die Autos der Zukunft sind elektrisch betrieben, selbstfahrend und innovativ. Um mit den neusten Entwicklungen Schritt zu halten, setzen Automobilhersteller wie die Porsche AG seit einigen Jahren auf neuste Technologien. Das erfolgreichste Beispiel des Unternehmens mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart: Der vollelektrische Taycan ist ein viel verkauftes Modell des schwäbischen Autobauers. Das E-Modell stellte sogar seinen größten Konkurrenten Tesla in den Schatten.

Die Porsche AG verzeichnete als einer der wenigen einen Milliardengewinn in der Coronakrise - mehr, als jeder andere europäische Fahrzeughersteller. Doch Porsche wird wohl künftig nicht nur für seine Sportwagen weltweit bekannt sein. Das Unternehmen investiert nun auch in die Raumfahrt.

Auf den ersten Blick haben Raketen und Autos wenig gemeinsam. Und doch sind vor allem die Technologien auch für die Zukunft der Automobilbranche interessant und wichtig: Die VW-Muttergesellschaft Porsche Automobil Holding SE ließ sich daher die Chance nicht nehmen, beim Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München einzusteigen. Denn die Satelliten-Technologie, auf die das Unternehmen setzt, ist auch für die Autoindustrie von strategischem Interesse. Besonders für den Zukunftsmarkt mit selbstfahrenden Autos. Daimler etwa will autonome Autos mithilfe von Satelliten steuern.

Porsche investiert in Raketentechnologie: Sportwagenhersteller investiert Millionenbetrag

Isar Aerospace entwickelt und produziert Trägerraketen für den Transport von Satelliten. Künftig will das Start-up sein Geschäft mit kommerziellen Flügen in den Erdorbit weiter ausbauen. Auch einen Aufbau eines Breitband-Satellitennetzes erwägt das Unternehmen. Der Mehrheitsaktionär der Volkswagen AG, die Porsche SE, unterstützt das Raketen-Start-up nun als Investor. Wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) berichtet, kamen bei der ersten Finanzierungsrunde Ende 2020 75 Millionen US-Dollar, also 63,5 Millionen Euro, zusammen.

Die Porsche Automobil Holding SE beteiligte sich mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Somit stehen Isar Aerospace insgesamt mehr als 150 Millionen Euro zur Verfügung. „Damit wird Isar Aerospace zum bestfinanzierten und am schnellsten wachsenden Space-Start-up in der EU“, teilte das Unternehmen mit. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, will Isar Aerospace will das Geld in seine Start-, Test- und Fertigungsinfrastruktur für den Bau seiner 27 Meter langen zweistufigen Trägerrakete Spectrum investieren, die mit Kohlenwasserstoffen und Flüssigsauerstoff angetrieben werden soll. 

Das 2018 gegründete Raumfahrtunternehmen hat diesen so genannten Microlauncher, eine Kleinrakete für Nutzlasten von 1000 Kilogramm entwickelt. Die eigens vom Unternehmen entwickelte Rakete „Spectrum“ soll einen hohen Automatisierungsgrad haben und so kostengünstig Satelliten ins All befördern. Bisher hat das Start-up aus München aber noch keine Satelliten ins Weltall gebracht. Ein Raketenstart ist für 2022 geplant.

Liegt die Zukunft von Porsche und Co. im All?

Isar Aerospace wird ein möglicher Konkurrent von Firmen wie SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. Auch die Raumfahrtfirma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos setzt aktuell verstärkt auf kostengünstige Raketentechnologie, um Geräte und Touristen ins All zu bringen. Zuletzt startete Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einer Rakete ins All. Ein Markt, an dem auch Porsche Interesse hat. „Als Investor mit Fokus auf Mobilitäts- und Industrietechnologien sind wir davon überzeugt, dass der kostengünstige und flexible Zugang zum Weltall für Innovationen in vielen Industriebereichen sorgen wird“, sagte Porsche-Manager Lutz Meschke der dpa am Mittwoch.

Wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, zeigte sich Volkswagen-Chef Herbert Diess schon im Dezember letzten Jahres interessiert an Isar Aerospace. Er besuchte die neu eröffnete Fabrik. „Wir haben mit Herrn Diess über Technologien und mögliche Anwendungsmöglichkeiten gesprochen“, sagt Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler der Stuttgarter Zeitung Damals stand ein Einstieg von Volkswagen bei Isar Aerospace noch gar nicht zur Debatte. „Wir hatten damals gar nicht daran gedacht, die gerade abgeschlossene Finanzierungsrunde zu erweitern“, sagt Metzler weiter. Herbert Diess selbst äußerte sich neulich noch zu den neuen Technologien. Einen Wasserstoffantrieb hält der VW-Chef für Zeitverschwendung.

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