Porsche und VW: Übernahmeversuch

Porsche und VW: Darum scheiterte die Übernahme 

Der Schatten eines VW-Logos fällt auf die Kühlerhaube eines Porsche.
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Der Schatten eines VW-Logos fällt auf die Kühlerhaube eines Porsche.
  • Marleen van de Camp
    vonMarleen van de Camp
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Die engen Beziehungen zwischen Porsche und VW bestehen bereits seit der Gründung der beiden Unternehmen. 2009 versuchte Porsche erfolglos die Übernahme.

  • Zwischen Porsche und VW besteht bereits seit der Gründung der beiden Fahrzeughersteller eine enge Beziehung.
  • Ab 2005 begann Porsche damit, in großem Umfang Aktien der Volkswagen AG zu kaufen – mit dem Ziel einer Übernahme.
  • Die Übernahme scheiterte jedoch aufgrund von Finanzierungsproblemen. Daher kam es letztendlich zu einer Übernahme der Porsche AG durch VW.

Porsche und VW zählen zu den wichtigsten Fahrzeugherstellern Deutschlands. Die beiden Marken weisen jedoch große Unterschiede auf. Während sich VW mit Klein- und Mittelklassewagen an eine breite Käuferschicht wendet, stehen die Sportwagen von Porsche für Luxus und Exklusivität. Dennoch bestand bereits vor der versuchten Übernahme eine sehr enge Beziehung zwischen den beiden Unternehmen – und das bereits seit vielen Jahrzehnten.

Volkswagen wurde 1937 gegründet – mit dem Ziel, den sogenannten KdF-Wagen zu bauen. Dabei sollte es sich um ein günstiges Fahrzeug für die breite Masse handeln. Der neu gegründete Konzern entwickelte dieses Fahrzeug jedoch nicht selbst, sondern suchte per Ausschreibung einen Entwickler. Den Zuschlag erhielt ein kleines Konstruktionsbüro aus StuttgartPorsche. Der KdF-Wagen, aus dem sich später der VW-Käfer entwickelte, war daher bereits das erste Gemeinschaftsprojekt von Porsche und VW. Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten kam es bei mehreren Modellen zu Kooperationen. Außerdem bestand eine intensive personelle Verflechtung. Der langjährige VW-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch (82, † 2019) war beispielsweise Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche (75, † 1951) und außerdem Miteigentümer der Porsche AG.

Porsche: Versuch der Übernahme von VW ab 2005

Ab 2005 unternahm der Automobilkonzern Porsche den Versuch einer Übernahme von VW. Der Grund hierfür war sicherlich nicht nur die enge Beziehung zwischen den Unternehmen. In dieser Zeit kamen immer wieder Gerüchte auf, dass VW Porsche übernehmen wolle. Dem wollte der Fahrzeughersteller aus Stuttgart zuvorkommen. Daher begann er unter der Leitung des damaligen Vorstandssprechers Wendelin Wiedeking damit, Aktien der Volkswagen AG aufzukaufen.

Dieser Plan war sicherlich sehr gewagt – schließlich handelte es sich bei Porsche sowohl in Bezug auf den Umsatz als auch hinsichtlich des Werts der Porsche-Aktie um das deutlich kleinere Unternehmen. Hinzu kam ein erheblicher Widerstand vonseiten des Landes Niedersachsen – Großaktionär der Volkswagen AG – und des VW-Betriebsrats. Dennoch schien es zunächst, als würde die Übernahme erfolgreich verlaufen. 2007 verkündete der Vorstand von Porsche, 30,9 Prozent der VW-Aktien zu besitzen. 2009 war der Anteil bereits auf 50,76 Prozent angestiegen. Damit war Porsche Mehrheitseigner von VW.

Gescheiterte Übernahme: Porsche und VW verkünden eine Fusion

Obwohl es zu diesem Zeitpunkt schien, als stünde Porsche kurz vor seinem Ziel, scheiterte die Übernahme letztendlich. Der Grund dafür bestand darin, dass es zu erheblichen Finanzierungsproblemen kam. Das Kapital der Porsche AG und der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch reichte nicht aus, um den Weltkonzern VW zu übernehmen. Dazu waren Bankkredite in Höhe von mehreren Milliarden Euro notwendig.

Diese erhielt das Unternehmen zunächst relativ problemlos. Als es 2008 jedoch zur weltweiten Finanzkrise kam, änderten sich die Voraussetzungen schlagartig. Das erschwerte die Möglichkeit für neue Kredite und außerdem waren die Zinsforderungen erheblich. Das führte dazu, dass Porsche die Übernahme abbrechen musste. Stattdessen kam es zu einer Fusion der beiden Unternehmen. Die Porsche AG – der eigentliche Autohersteller – wurde zwar komplett von der Volkswagen AG übernommen. Die Porsche Automobil Holding SE, die 2007 von der Porsche AG abgespaltet wurde und nach wie vor mehrheitlich in Besitz der Erben des Firmengründers ist, behielt jedoch einen Anteil von 50,7 Prozent an den VW-Aktien. Daher hat sie einen erheblichen Einfluss auf das Unternehmen.

von Harald Angles

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