Frauen als Zielgruppe

Rosa Lack und weniger Technik: Porsche will Autos für Frauen attraktiver machen

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Die Porsche AG steht trotz des Coronavirus eigentlich gut da. In einem Bereich ist der Sportwagenhersteller aber unzufrieden: Porsche hat kaum weibliche Kunden.

Stuttgart - Aktuell läuft es für die Porsche AG aus Stuttgart trotz der weltweiten Corona-Pandemie gut. Laut Handelsblatt stieg der Fahrzeugabsatz im Vergleich in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als ein Drittel. Obendrein legte Porsche in allen Vertriebsregionen zweistellig zu.

Für den Erfolg geht Porsche gerne neue Wege. Zum Beispiel nutzt Porsche für den Taycan Klebstoff von Tesa. Das erste E-Auto des Sportwagenherstellers steht nun auch im Zentrum einer neuen Überlegung. Denn in Deutschland sind Porsches Angaben zufolge nur dreizehn Prozent der Kundschaft Frauen. Das soll sich dank neuer Ausstattung schleunigst ändern.

Porsche AG will mehr weibliche Kunden: „Frozen Berry“ statt „maskulin und puristisch“

Wie das Handelsblatt berichtet, bietet Porsche in Zukunft 700 individuelle Optionen für die Sportwagen an, um künftig auch mehr Frauen anzusprechen. So gibt es den Porsche Taycan dann auch in der Farbe „Frozen Berry“, eine Mischung „zwischen Hellgrau, Altrosa und Pink“, so das Handelsblatt.

Porsche AG: Um mehr Frauen als Kundinnen anzusprechen, setzt der Sportwagenhersteller auf individuelle Ausstattung, zum Beispiel bei der Farbe.

Damit die Neuerungen auch bei potenziellen Kundinnen ankommen, steuert Porsches Vertriebsvorstand Detlev von Platen sogar in der Kommunikation um. „Das wird für eine maskuline und puristische Marke wie Porsche ein echter Spagat“, erklärt Gabi Lück, Geschäftsführerin der Münchener Werbe- und Marketingagentur Think New Group dem Handelsblatt.

Frauen gehe es um mehr als das Auto. Sie interessiere auch das Umfeld, Nachhaltigkeit und Klimaschutz seien ihnen wichtig. „Frauen sind Anspruchs-Maximierer auch im Detail, wenn auch nicht unbedingt im Inneren des Motors. Sie haben ein sensibles Radar für blinde Flecken. Die Variationsmöglichkeiten bei Porsche gehen da in die richtige Richtung. Aber ob ‚Frozen Berry‘ die richtige Farbe ist, wage ich zu bezweifeln“, so Gabi Lück weiter.

Mehr weibliche Kundschaft: Porsche will auf „Lebenswelt von Frauen“ eingehen

Laut Porsche seien auch Design, Komfort und Individualisierungsmöglichkeiten wichtige Themen für Frauen. „Wir wollen stärker auf die Lebenswelt und die Wünsche von Frauen eingehen. In der Kommunikation legen wir Wert auf die hohe Qualität der Produkte“, erklärt Porsche-Vertriebsvorstand Detlev von Platen dem Handelsblatt. Die Neuerungen sollen sich aber nur auf die Ausstattung der Porsche-Modelle wie dem Taycan beziehen, einen Porsche nur für Frauen soll es nicht geben. „Das widerspricht unserer Philosophie, die generell Träume erfüllen möchte“, so Detlev von Platen.

Bei dem Plan, künftig mehr Frauen als Kunden anzusprechen, stützt sich Porsche laut Detlev von Platen auf Analysen von Marktforschern und Trendscouts. „Wir wissen aus der Marktforschung, dass die Bedienbarkeit des Fahrzeugs für Frauen ein wichtiger Aspekt ist“, so von Platen gegenüber der Wirtschaftszeitung. „Für Männer ist dieser Punkt weniger entscheidend.“ Auch darauf will Porsche entsprechend eingehen.

Bunte Farben statt Technik: Frauen achten laut Porsche weniger auf technische Details

Anders als Männer seien Frauen beim Kauf eines Autos weniger an den Einzelheiten der Technik interessiert. „Performance setzen erfolgreiche Frauen zwar voraus, sind dabei aber oft weniger in die technischen Details verliebt als Männer“, so Porsche-Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Das bestätigt auch Markenexpertin Gabi Lück gegenüber dem Handelsblatt: Für Frauen sei wichtiger, dass der Wagen sicher sei, weil er schnell beschleunigen kann. Etwa beim Einfädeln auf der Autobahnauffahrt und beim Spurwechsel, ohne dabei ins Schleudern zu kommen.

Diese Erkenntnisse aus der Marktforschung will Porsche in Zukunft auch beim Werben um mehr Kundinnen nutzen. Es gehe darum, mit wem Porsche auf welchen Kanälen zusammenarbeitet. „Hier waren wir bislang eher maskulin geprägt“, gibt Detlev von Platen zu.

Rubriklistenbild: © Porsche AG

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