PPE statt SSP

Porsche setzt beim E-Auto auf einen Sonderweg

Porsche
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Ein elektrischer Porsche Taycan Turbo S im Porsche Zentrum Stuttgart.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Die Porsche AG widersetzt sich offenbar der Linie ihres Mutterkonzerns VW und kündigte an, für die Produktion der eigenen Sportwagen nicht die Produktionsplattform von VW zu nutzen.

Stuttgart - Die Porsche AG stellt derzeit alle Weichen für die E-Mobilität und schafft den Verbrenner früher ab als gedacht. Bereits im Jahr 2030 sollen rund 80 Prozent aller Modelle elektrisch werden. Im kommenden Jahr will der Stuttgarter Autobauer erstmals den elektrischen Macan zeigen. Dieser soll jedoch nicht auf der Scalable Systems Plattform (SSP) von Porsches Mutterkonzern VW gebaut werden. Stattdessen geht Porsche hier einen eigenen Weg und setzt auf die Premium Platform Electric (PPE), die Porsche gemeinsam mit Audi entwickelt.

Plattformen bieten Autoherstellern die Möglichkeit, unterschiedliche Modelle auf Basis eines standardisierten Verfahrens zu bauen. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Modelle in Aspekten wie Heckform, Kühlergrill, Innenausstattung oder Rücklichtern. Jedoch können andere Bauteile wie Motor oder Getriebe identisch sein - um Kosten in der Produktion zu sparen. Damit gleichen Plattformen Baukastensystemen.

So können die Werke ohne große Umstellung verschiedene Modelle je nach aktuellem Bedarf bauen. Angesichts der Umstellung auf die E-Mobilität unterscheiden sich die technischen Grundlagen von Fahrzeugen immer weniger.

VW will SSP-Plattform „für so gut wie alle Autos im Konzern“ nutzen - Porsche hält sie für ungeeignet

VW kündigte kürzlich den Launch seiner neuen Plattform SSP an, die eine standardisierte Bauweise von Elektroautos ermögliche. Hardware, Software, Batterie und Mobilitätsdienste der E-Autos von VW sollen in Zukunft auf der einheitlichen Plattform basieren, die für verschiedene Marken und Modelle genutzt werden soll. Die SSP werde laut VW unter anderem Elektronik, Software und Rechensystem umfassen - und ab 2025 „für so gut wie alle Autos“ im Konzern als technische Grundlage genutzt werden. Das würde eigentlich auch für Porsche-Autos gelten. Porsche spielt da aber offenbar nicht mit. Für seine Sportwagen hält der Stuttgarter Autobauer die SSP für ungeeignet.

Anders als von der Konzernmutter gedacht, sollen alle Elektroautos von Porsche schon bald über die sogenannte PPE-Plattform realisiert werden. Laut des Portals automobil-produktion.de zeichnet sich die PPE-Plattform durch „mehr Beschleunigung, höhere Reichweiten und kürzere Ladezeiten“ aus. Die PPE-Plattform soll die Zukunft von Porsche sein, wie CEO Oliver Blume gegenüber Automotive News Europe bestätigte. Eigentlich sollten ursprünglich alle elektrischen Baureihen von Porsche auf Basis der zukünftigen SSP-Plattform von VW entwickelt werden.

Porsche AG: PPE für die Premium-Marken, SSP für die Massenmarkt-Segmente von VW

Porsche-Vorstandsmitglied Albrecht Reimold, verantwortlich für Produktion und Logistik, sagte im März, dass die PPE für den Premium-Markt genutzt werde und die SSP für die von den Volkswagen-Marken bedienten Massenmarkt-Segmente. „Es wäre zu kostspielig, eine einzige Plattform zu entwickeln, die alle Marktsegmente inklusive derer mit sehr hohen technischen Anforderungen abdeckt“, so Reimold. Allerdings werde Porsche Software- und Technologie-Elemente von SSP verwenden.

Im kommenden Jahr feiert der erste elektrische Kompakt-SUV Macan seine Premiere. Danach sollen laut Porsche weitere Batterie-Wagen folgen. Audi und Porsche wollen bis 2030 sieben Millionen Autos auf Basis der PPE-Plattform verkaufen, wie Audi-Chef Markus Duesmann bei einer Pressekonferenz im März ankündigte. Das erste Modell von Audi, das die PPE-Plattform nutzt, wird dann der Q6 e-tron SUV sein. Beim Porsche Taycan, dem meistverkauften Porsche in Europa, nutzt Porsche aktuell die J1-Plattform. Für alle weiteren Elektroautos ist laut Porsche-Vorstand Albrecht Reimold PPE vorgesehen. Auch die Konzernschwester Bentley wird für ihre angekündigte Transformation zum reinen Elektrobauer die PPE nutzen.

Porsche AG geht einen anderen Weg, als von VW-Chef Herbert Diess angekündigt

Dass Porsche statt SSP nun PPE nutzen will, widerspricht der bisherigen Linie des VW-Konzerns. Erst im März sprach VW-Chef Herbert Diess auf dem VW Power Day davon, dass die SSP ab 2025 die einzige Plattform des Konzerns sein und sowohl den Modularen E-Antriebskasten MEB als auch PPE ablösen solle.

Mit MEB verfügt VW bereits über eine reine Elektro-Plattform, die laut eines Berichts der Nachrichtenagentur Bloomberg von einer Studie der Schweizer Großbank UBS als „bisher glaubwürdigstes Elektroauto-Projekt eines etablierten Autounternehmens“ bezeichnet wurde. Nachdem VW-Chef Herbert Diess ankündigt hatte, den VW-Konzern zum Software-getriebenen Mobilitäts- und Technologiekonzern zu formen, lobte auch Bill Gates die „mutige Entscheidung“ von VW.

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