„Reichweiten-Schlacht“

Nach Spott und Häme: Porsche verteidigt Taycan gegen Tesla-Vergleich

  • Valentin Betz
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Porsches Elektro-Modell Taycan erntet viel Spott - zu Unrecht, findet der Konzern. Besonders die Diskussion um mehr Reichweite stößt dem Sportwagenhersteller auf.

Stuttgart - Mit dem Taycan hat auch die Porsche AG einen wichtigen Schritt in Richtung Elektromobilität gewagt. Der Sportwagen ist das erste rein elektrische Modell des Konzerns aus Stuttgart. Neue E-Autos müssen sich dabei stets dem Vergleich mit Marktführer Tesla stellen. Zuletzt überschütteten Tesla-Fahrer den Porsche Taycan mit Häme. Anlass war ein Software-Update für den Taycan, das Porsche in der Werkstatt durchführen ließ, obwohl der Fahrzeughersteller dazu eigentlich Funk nutzen wollte. Die sogenannte „Over the Air"-Technologie ist bei Tesla längst etabliert.

Bei neuen E-Autos ist allerdings ein anderer Faktor entscheidend: Die Reichweite der Batterie. Auch hier hat Porsche mit dem Taycan das Nachsehen hinter Tesla. Doch die Porsche AG, die in ihrem Tochterunternehmen an der digitalen Zukunft forscht, wehrt sich gegen den Vergleich und kritisiert die einseitige Fokussierung auf die Reichweite von E-Autos.

Porsche AG kontert Vergleich mit Tesla: Reichweiten-Schlacht bei Elektroautos ergibt keinen Sinn

Der Entwicklungsvorstand der Porsche AG, Michael Steiner, ist kein Fan von immer größeren Reichweiten bei E-Autos. „Reichweite hat natürlich Relevanz“, sagte Michael Steiner der Deutschen Presse-Agentur. „Aber die Frage ist: Wie wichtig ist Reichweite im Vergleich zu anderen Eigenschaften des Fahrzeugs?“

Der Taycan ist das erste reine Elektrofahrzeug von Porsche.

Die Antwort der Porsche AG ist offenbar, dass die Reichweite sich hinter anderen Eigenschaften einreihen muss. „Wir wollten mit dem Taycan nie Reichweitenweltmeister werden, aber fahrdynamisch die Referenz sein“, so Michael Steiner. Nur auf die Reichweite zu schauen, greife laut Michael Steiner zu kurz. „Eine vernünftige Reichweite sehen wir bei einer Größenordnung von 400 Kilometern, die wir mit dem Taycan auch erreichen.“

Porsche argumentiert im Reichweiten-Vergleich mit Tesla auch mit Nachhaltigkeit und Effizienz bei E-Autos

Das Problem bei der Reichweite von Elektroautos wie dem Porsche Taycan sei laut Michael Steiner die Batterie. Mehr Reichweite würde eine größere Batterie bedeuten, was wiederum in einem höheren Energiebedarf resultiere, um das E-Auto herzustellen und die schwere Batterie überhaupt zu bewegen. „In meinen Augen macht es auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten keinen Sinn, eine Schlacht um die größtmögliche Reichweite zu führen“, sagte Michael Steiner zur dpa. „Wenn lange Strecken gefahren werden – was in der Regel nicht täglich der Fall ist – sind sehr schnelles Laden und eine angemessene Dichte an Schnellladepunkten deutlich wichtiger.“

Genau dieses Problem der E-Autos löst eine Anlage, die Mitte September in Stuttgart eröffnet wurde. Der Schnellladepark im Zentrum von Stuttgart soll es Elektroautos wie dem Porsche Taycan ermöglichen, in wenigen Minuten die Batterie wieder ganz aufzuladen. Bis 2021 will die EnBW in ganz Deutschland ein Netz aus etwa 1.000 „Urbanen Schnellladeparks“ errichten.

Auch wenn die Reichweite bei Porsche nicht im Fokus steht, glaubt Forschungs- und Entwicklungsvorstand Michael Steiner an einen weiteren Fortschritt in diesem Bereich. Trotzdem setzt die Porsche AG nicht wie andere deutsche Fahrzeughersteller nur noch auf Elektromobilität. Mit synthetischen E-Fuels entwickelt Porsche einen ganz neuen Antrieb.

Rubriklistenbild: © Porsche

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