Manipulation der CO2-Emissionen

Porsche: Verfahren wegen Manipulation - 20.000 Autos droht Rückruf

Über dem Logo und der Zentrale des Sportwagenherstellers Porsche leuchtet am 15.03.2013 in Stuttgart-Zuffenhausen (Baden-Württemberg) blauer Himmel.
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Aufgrund einer von der Porsche AG selbst entdeckten CO2-Manipulation leitete das Bundeskraftfahrtamt ein Verfahren gegen den Sportwagenbauer ein.
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Aufgrund von Abgasmanipulationen leitete das Kraftfahrtbundesamt ein Verfahren gegen die Porsche AG ein. Der Hinweis kam von dem Sportwagenbauer selbst.

Stuttgart - Die Porsche AG setzt mit dem elektrischen Sportwagen Taycan auf die E-Mobilität. Das E-Auto ist inzwischen das meistverkaufte Porsche-Modell in Europa und knackte im vergangenen Jahr einen E-Auto-Meilenstein von 20.000 verkauften Fahrzeugen. Die Taycan-Familie bekam seit der ersten Vorstellung des E-Sportwagens Zuwachs. Mit einer Basis-Version brachte Porsche beispielsweise das bislang günstigste E-Auto auf den Markt und der Taycan Cross Turismo soll mit einer Mischung aus SUV und Sportwagen das E-Auto neu erfinden. Bislang besteht jedoch auch die Porsche-Flotte zum großen Teil noch immer aus Benziner- und Dieselmodellen.

Bereits im vergangenen Jahr geriet die Porsche AG aufgrund von angeblichen Abgasmanipulationen in den Fokus von Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüfte den Autobauer und das Kraftfahrtbundesamt verweigerte die Zulassung des 911. Nun ist der Sportwagenbauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart erneut im Zentrum eines Verfahrens. Das Kraftfahrtbundesamt hat ein offizielles Verfahren gegen Porsche eingeleitet, wie Business Insider berichtet. Aufgrund der Abgasmanipulationen könnte ein Rückruf von 20.000 Fahrzeugen drohen. Der Hinweis an das Amt kam dabei von dem Autobauer selbst.

Porsche AG: Soft- und Hardware von Prüffahrzeugen offenbar unzulässig präpariert

Die Abgas-Krise legt bereits seit Langem einen Schatten auf die deutsche Autoindustrie. Auch die Stuttgarter Daimler AG musste sich mehrfach für manipulierte Abgaswerte und Software rechtfertigen. Der schwäbische Autobauer soll etwa Abgasnormen in den USA umgangen haben und musste deshalb eine Ablösesumme in Milliardenhöhe zahlen. Die US-Regierung sandte eine deutliche Botschaft an „solche wie Daimler“. Die Porsche AG muss sich nun ebenfalls einem erneuten Verfahren stellen. Dabei geht es laut Business Insider jedoch nicht um Stickoxidwerte, sondern um eine Manipulation der CO2-Werte.

Laut dem Bundeskraftfahrtamt soll die Porsche AG für die Typengenehmigung einzelner Benziner-Modelle die Angaben zum Verbrauch manipuliert haben, berichtet das Portal weiter. Die VW-Tochter stieß selbst auf diese brisanten Abweichungen, als sie ein konzernweites Compliance-Programm durchführten. Der Sportwagenbauer und die Bundesbehörde führten daraufhin monatelange Verbrauchs-Messungen durch. In drei der beanstandeten Fälle habe der CO2-Ausstoß den Typengenehmigungswert um über vier Prozent überstiegen. Laut Porsche-Mitarbeitern seien Soft- und Hardware der Prüffahrzeuge unzulässig präpariert worden, um den CO2-Verbrauch auf dem Rollenstand zu minimieren und die Katalogwerte zu bestätigen, berichtet Business Insider.

Porsche AG: Verfahren befindet sich „in einem frühen Stadium der Anhörung“

Das Kraftfahrtbundesamt hat ein sogenanntes Anhörungsverfahren gegen die Porsche AG eingeleitet und prüfe, ob ein Rückruf der beanstandeten Modelle eingeleitet werden müsse. Betroffen seien ältere Modelle der Baureihen Macan und Boxter Spyder 981 von denen in Europa rund 20.000 Einheiten verkauft wurden. Porsche selbst hatte die Meldung bereits vor einem Jahr getätigt. „Das genannte Verfahren geht auf eine pro-aktive Meldung der Porsche AG zu Konformitätsfragen bei einzelnen Fahrzeugen zurück“, sagte ein Sprecher gegenüber Business Insider. „Die Meldung erfolgte freiwillig, vorsorglich und bereits vor einem Jahr.“ Die aktuelle Produktion der Stuttgarter sei davon jedoch nicht betroffen. „Darüber hinaus gibt es zu keinem dieser Fahrzeuge bisher eine Entscheidung. Das Verfahren befindet sich in einem frühen Stadium der Anhörung.“

Im Zuge der Anhörung kann sich die Porsche AG zu den Manipulationen äußern. Dabei gibt es in Bezug auf die Messwerte allerdings eine Diskrepanz zwischen dem Autobauer und der Bundesbehörde. Während das Kraftfahrtbundesamt eine Abweichung der Messwerte von über vier Prozent als auffällig einstuft, beruft sich Porsche laut Business Insider auf das amerikanische Recht. Demnach stehe dem Sportwagenhersteller eine Toleranz von zehn Prozent zu.

Sollte das Amt jedoch bei seiner Linie bleiben, muss die Porsche AG die betroffenen Fahrzeuge wohl zurückrufen. Zu klären sei, ob dann ein Software-Update ausreiche. Zudem sei derzeit noch offen, ob die Steuern für die höheren CO2-Emissionen nachgezahlt werden müssen. Die Porsche AG rechne nach eigenen Angaben jedoch nicht mit einer Strafzahlung, berichtet Business Insider. Die von der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Jahr 2019 verhängte Zahlung von 535 Millionen Euro decke alle vergangenen Emissionsthemen ab.

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