Engpass bei Halbleiter-Lieferung

Porsche muss Cayenne-Produktion stoppen und unfertige Autos ausliefern

Das Kraftfahrtbundesamt hat einen Rückruf von 60 000 Porsche-Fahrzeugen angeordnet. Dazu gehört auch die Modellreihe Porsche Cayenne.
+
Das Kraftfahrtbundesamt hat einen Rückruf von 60 000 Porsche-Fahrzeugen angeordnet. Dazu gehört auch die Modellreihe Porsche Cayenne.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die Porsche AG hat sich trotz der weltweiten Halbleiter-Krise lange gut gehalten - nun betrifft der Engpass jedoch auch den Sportwagenhersteller aus Stuttgart.

Stuttgart - In der deutschen Autoindustrie sorgt die Halbleiter-Krise noch immer für Produktionsprobleme. Die Chip-Komponenten werden nahezu in alle Fahrzeugbaureihen verbaut. Die Daimler AG musste kürzlich sogar die Produktion seiner meistverkauften Fahrzeugreihe stoppen und schickte die Mitarbeiter für mehrere Tage in Kurzarbeit. Auch der Münchner Autokonzern BMW ist von der Krise betroffen. Die Porsche AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart hielt sich bislang jedoch deutlich besser als andere Autohersteller. Die VW-Tochter ist vor allem für die beliebten Modelle wie den vollelektrischen Taycan, den SUV Cayenne oder den 911 bekannt.

Die Porsche AG baut am Hauptstandort im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen hauptsächlich die luxuriösen Sportwagen, für das die VW-Tochter weltweit bekannt ist. Dabei setzen die Schwaben stark auf Qualität „Made in Germany“. Bislang sind bei den Produktionen des E-Sportwagens Taycan und dem beliebten Porsche 911 keine Probleme aufgrund von Lieferengpässen bekannt. Der Wolfsburger Mutterkonzern Volkswagen unterbrach vor einigen Tagen jedoch aufgrund der Chip-Krise die Produktion seiner SUV-Modelle in der Slowakei, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Dort wird auch der vor allem im Ausland sehr beliebte SUV Cayenne der Porsche AG gefertigt.

Porsche AG: Fehlende Elektro-Bauteile - Sportwagenhersteller muss umplanen

Mit dem Cayenne erweiterte die Porsche AG im Jahr 2002 erstmals die bisher nur aus Sportwagen bestehende Fahrzeugpalette um ein Sport Utility Vehicle. Der Hauptmarkt des SUV sind die USA, der Cayenne ist jedoch auch auf dem chinesischen Automarkt sehr beliebt. Im Gegensatz zu den meisten Sportwagen des Autobauers wird der SUV allerdings nicht in Stuttgart, sondern in der Slowakei im Werk von Mutterkonzern VW gebaut. Nachdem Porsche im April bereits die Produktion im Werk in Leipzig drosseln musste, hat die Chip-Krise nun auch die Herstellung des schweren SUV Cayenne erreicht. Verschiedene Teile der Fertigung von Porsche-Fahrzeugen seien aktuell ebenfalls vom Chipmangel betroffen, berichtet Business Insider.

Die Porsche AG musste aufgrund des weltweiten Lieferengpasses von wichtigen Halbleiterkomponenten, der durch die zwischenzeitliche Blockade des Suezkanals durch das Transportschiff „Ever Given“ noch verstärkt wurde, umplanen. Aktuell werden mehrere Porsche-Fahrzeuge vorübergehend mit mechanischen statt elektrisch motorisierten Lenksäulenverstellungen ausgeliefert, erfuhr Business Insider von einer Quelle aus dem Handel. Die sogenannte Lenksäulenverstellung oder auch Lenkradsperre soll durch eine elektrische Sperre vor einer Fremdnutzung des Fahrzeugs schützen. Für dieses Bauteil fehlen aktuell jedoch ebenfalls wichtige elektrische Komponenten. Porsche kündigte an, die elektrische Lenkradsperre kostenfrei nachrüsten zu wollen, sobald die Komponenten wieder lieferbar sind.

Porsche AG: Ende der Chip-Krise nicht absehbar - „Einschränkungen so gering wie möglich halten“

Die mehrtägige Blockade des Suezkanals durch den Containerriesen „Ever Given“ beeinflusst die weltweite Automobilbranche auch noch über einem Monat, nachdem das Schiff befreit wurde. Auch bei der Porsche AG kommt es noch immer zu Produktionsengpässen und Verzögerungen. „Porsche beobachtet die Lage aufmerksam und bewertet sie täglich neu“, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Autobauers gegenüber Business Insider. „Seit Bekanntwerden des Engpasses arbeiten wir in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen-Konzern kontinuierlich und mit Hochdruck daran, Einschränkungen so gering wie möglich zu halten und Auswirkungen sowie eventuelle Verzögerungen zu minimieren.“

Die Porsche AG ist von dem aktuellen Lieferengpass zwar deutlich weniger betroffen als beispielsweise der Mutterkonzern VW, die Daimler AG oder BMW. Ganz unbeschadet kommen die Stuttgarter jedoch auch nicht durch die Krise. Laut Insidern müssten aktuell einige Fahrzeuge zwischengeparkt werden, berichtet Business Insider. Demnach werden die Sportwagen nur mit „Dummies“, also Platzhaltern ausgestattet, da sich die Lieferung von Steuergeräten verzögert. Auch im Hause Porsche lässt sich ein Ende der Halbleiter-Krise noch nicht voraussagen. „Aktuell gehen wir davon aus, dass die Versorgung mit Chips in den kommenden Wochen angespannt bleiben wird“, so die Sprecherin. „Wir erwarten im zweiten Halbjahr für die Halbleiterversorgung eine Verbesserung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare