Debatte über Straßennamen

Wegen Nazi-Vergangenheit: Nach Porsche benannte Straße wird womöglich umbenannt

Volkswagen fahren am 05.10.2015 an der Porschestraße, dem Erlebnismuseum phaeno und dem Volkswagen-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) vorbei.
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Straßen, die nach dem Gründer der Porsche AG benannt sind, gibt es unter anderem in Stuttgart und Wolfsburg (Symbolbild).
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Aufgrund seiner Rolle im dritten Reich, prüft die Stadt Salzburg aktuell, ob die Ferdinand-Porsche-Straße umbenannt werden muss. Der Ingenieur war Gründer und Namensgeber der heutigen Porsche AG.

Stuttgart/Salzburg - Die heutige Porsche AG ist weltweit vor allem für ihre Sportwagen bekannt. Die Geschichte des Autobauers begann am 1. Dezember 1930 mit einem kleinen Ingenieurbüro in der Landeshauptstadt Stuttgart. Inzwischen arbeiten über 35.000 Angestellte bei Porsche und das Unternehmen betreibt in Stuttgart beispielsweise auch ein beliebtes Museum. Das Porsche Museum gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Stuttgart. Nach der Gründung des Ingenieursbüros arbeitete Namensgeber Ferdinand Porsche jedoch auch für die Maschinerie der Nationalsozialisten im Dritten Reich.

Aufgrund der Nazi-Vergangenheit des Gründers der heutigen Porsche AG prüft die Stadt Salzburg in Österreich derzeit, ob eine nach dem Automobilingenieur benannte Straße umbenannt werden muss, wie kleinezeitung.at berichtet. In Stuttgart trägt auch ein Platz, sowie eine Straße den Namen des Porsche-Gründers. Eine Umbenennung war im vergangenen Jahr allerdings abgelehnt worden.

Porsche AG: Rolle des Unternehmensgründers im Dritten Reich

Vor der Gründung des eigenen Ingenieurbüros in Stuttgart arbeitete Ferdinand Porsche, der sowohl österreichische, tschechische als auch deutsche Wurzeln hatte, für einen anderen großen Autohersteller. Im Jahr 1906 ging Porsche als Entwicklungs- und Produktionsingenieur zunächst zu Austro-Daimler und arbeitete ab 1923 in Stuttgart als Leiter des Konstruktionsbüros sowie als Vorstandsmitglied bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft - dem Vorgänger der heutigen Daimler AG. Im Jahr 1937 wurde Ferdinand Porsche dann Mitglied der NSDAP und war unter anderem an der Entwicklung des Panzerkampfwagens Tiger IV beteiligt.

Ferdinand Porsche war nicht nur der Gründer der heutigen Porsche AG, sondern auch des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg. Der Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta schrieb in einem Buch über die Anfänge der Unternehmen, dass es Porsche und Volkswagen ohne die enge Verbindung zwischen Ferdinand Porsche und Adolf Hitler heute nicht geben würde, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) berichtete. Im Jahr 1944 wurde Ferdinand Porsche der Totenkopfring des Reichsführers SS verliehen. Ein überzeugter Nationalsozialist sei der Porsche-Gründer allerdings nicht gewesen, schreibt Pyta in seinem Buch. Es gebe „keine zeitgenössischen Dokumente, die antisemitische Einstellungen zeigen“.

Gründer der Porsche AG: Salzburg prüft Änderung des Straßennamens

In der deutschen Automobil- und Motorenindustrie waren einige bekannte Unternehmen zumindest indirekt mit dem Regime des Dritten Reiches verbunden. Adolf Hitler setzte beispielsweise große Hoffnungen in den Rennwagen von Daimler-Benz und auch die MTU in Friedrichshafen (Bodenseekreis) baute in der damaligen Zeit Motoren für die Schiffe der Wehrmacht. Auch der ursprüngliche Name „Ferdinand“ des später als „Elefant“ bezeichneten schweren Jagdpanzers der Wehrmacht ging auf Ferdinand Porsche zurück. In der Stadt Salzburg wurde am 8. Juni der Abschlussbericht der Historikerkommission über NS-belastete Straßennamen vorgestellt, wie kleinezeitung.at berichtet. Darauf findet sich auch der Name des Gründers der heutigen Porsche AG.

Der Abschlussbericht werde nun an die Mitglieder des Salzburger Gemeinderates verschickt, schreibt die Zeitung weiter. Die Politik werde nun Prüfen, ob die nach dem Gründer der Porsche AG benannte Straße sowie zwölf weitere unbenannt werden müssen. „Es geht nicht darum, aufzuwiegen und zu verurteilen, sondern darum, die Verstrickung in das NS-Regime zu zeigen. Was haben diese Personen in der NS-Zeit gemacht?“, sagte Oskar Dohle, Historiker und Leiter des Salzburger Landesarchivs.

Porsche AG: Stuttgart lehnte Änderung des Straßennamens ab - „erinnert an das Unternehmen“

Im vergangenen Jahr empfahl eine Historiker-Kommission in Düsseldorf, vorbelastete Straßen umzubenennen. Die Stadt Stuttgart, die Heimat der Porsche AG, entschied sich jedoch gegen eine Änderung der Porsche Straße und des Porscheplatzes, wie die Stuttgarter Nachrichten berichteten. „Porschestraße und Porscheplatz erinnern nicht an Personen, sondern an das Unternehmen“, sagte ein Pressesprecher der Stadt. Die Porsche AG sei mitverantwortlich, dass „Stuttgart weltweit als bedeutender Unternehmensstandort gilt“.

In Mannheim wurde im vergangenen Jahr eine ähnliche Debatte geführt. Dort sollten vier Straßen umbenannt werden, die Namen von Personen tragen, die während der Kolonialzeit in den deutschen Kolonien für Gräueltaten verantwortlich gemacht werden. In Bezug auf diese Debatte gab es in der baden-württembergischen Großstadt unterschiedliche Ansichten.

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