Nachholbedarf bei Software

„Dann wird es ganz schwer“: Vorstand der Porsche AG warnt vor Teslas Überlegenheit

  • Valentin Betz
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Die Porsche AG will Teslas Vorsprung im Bereich Software aufholen. Denn auch der Sportwagenhersteller aus Stuttgart hat darin die Zukunft der Branche erkannt.

Stuttgart - Die Porsche AG ist ebenso vom Strukturwandel der Branche und der Corona-Pandemie betroffen wie andere Fahrzeughersteller. Doch zuletzt hatte man bei dem Sportwagenhersteller aus Stuttgart weniger Anlass, sich zu beklagen. Denn die Entwicklung bei Porsche war einzigartig für die Autobranche - anders als die Konkurrenz machte der Konzern Gewinn.

Grund zum Stillstand ist das für die Porsche AG natürlich nicht. Der Sportwagenhersteller setzt in Zukunft auf mehrere Wege, unter anderem will Porsche dem E-Auto mit einem 10-Milliarden-Euro-Plan zum Durchbruch verhelfen. Mit dem Porsche Taycan als erstem vollelektrischen Modell hat das Unternehmen dafür bereits die Weichen gestellt.

Trotzdem verliert auch Porsche die Konkurrenz nicht aus dem Blick. In der Börsen-Zeitung warnte Finanzvorstand Lutz Meschke vor dem US-Hersteller Tesla. Denn der hat vor allem im Bereich Software einen gewaltigen Vorsprung, nicht nur auf Porsche.

Porsche AG: E-Auto Taycan ein Erfolg, doch bei der Software besteht Nachholbedarf

Der Porsche Taycan war für den Sportwagenhersteller eigentlich ein Erfolg. Inzwischen ist in Europa der elektrische Taycan noch vor dem 911 der meistverkaufte Porsche. Deshalb musste sich der Sportwagen auch den Vergleich mit Tesla gefallen lassen. Allerdings verspotteten Tesla-Fans die „rückständige Technologie“ des Porsche Taycan.

Der Grund: Tesla-Fahrer sind es längst gewohnt, Software-Updates über Funk, also „over-the-air“ zu bekommen. Das war eigentlich auch beim Porsche Taycan geplant, doch stattdessen wurden Besitzer für ein größeres Update in die Werkstatt gerufen.

Porsche AG: Der elektrische Taycan hatte zwar Erfolg, musste sich in Bezug auf Software aber einiges von Fans des Konkurrenten Tesla anhören.

Das hat die Verantwortlichen beim Konzern offenbar nachdenklich gemacht. Der Prototyp des Porsche Macan Elektro hat bereits äußerlich Ähnlichkeiten zu Tesla. Geht es nach Finanzvorstand Lutz Meschke, sollte der Sportwagenhersteller auch bei der Software dem US-Konkurrenten nacheifern - und zwar möglichst schnell.

Porsche AG will Vorsprung von US-Konkurrenz Tesla im Bereich Softwareentwicklung aufholen

Gegenüber der Börsen-Zeitung bestätigte der Porsche-Vorstand zwar, dass die gute Position auf dem chinesischen Markt dem Sportwagenhersteller hilft. Doch gerade die dortige, junge Kundenbasis wolle künftig mehr Digitalisierung und Konnektivität - Bereiche, in denen Lutz Meschke Konkurrent Tesla einen deutlichen Vorsprung attestiert.

„Aber wir setzen alles daran, diesen aufzuholen“, erklärte Lutz Meschke gegenüber der Börsen-Zeitung. „Wenn man in Sachen Softwarearchitektur nicht spätestens in zwei bis drei Jahren mit den Besten auf Augenhöhe ist, dann wird es ganz schwer.“ Die Aufholjagd soll Porsche unter anderem mit jährlichen Investitionen in Digitalisierungsprojekte über 800 Millionen Euro gelingen.

Kampf gegen Tesla: Porsche AG setzt in Zukunft noch intensiver auf die starke Marke

Ganz alleine will die Porsche AG die Softwareentwicklung allerdings nicht angehen. Bestimmte Fähigkeiten müsse man dabei auch von außen dazuholen - „zum Teil über die Akquise ganzer Teams, zum Teil über Partnerschaften mit großen Tech-Konzernen“, so Finanzvorstand Lutz Meschke. Damit ist Porsche schon der zweite deutsche Fahrzeughersteller, der explizit Tesla eine Kampfansage macht. Auch die Daimler AG erklärte Tesla bereits den Krieg, indem der Konzern künftig verstärkt hauseigene Software entwickelt. Porsche will sich dabei auch ein Beispiel an Apple nehmen - und vor allem seine starke Marke weiter ausbauen.

„Vielleicht sind die Handys anderer Marken in dem ein oder anderen Punkt technologisch überlegen. Aber das gesamte Ökosystem, das Design und die Marke haben trotzdem eine hohe Bindungskraft und verhindern, dass Kunden deswegen wechseln“, erklärt Lutz Mescke.

Anders als Tesla: Porsche AG hat bei der Aufholjagd den VW-Konzern hinter sich

Die Porsche AG kann sich bei den Bemühungen, den Vorsprung von Tesla bei der Software aufzuholen, auf den Mutterkonzern VW verlassen. Ursprünglich wollte Porsche einmal VW übernehmen, inzwischen gehört jedoch der Sportwagenhersteller zum Volkswagen-Konzern.

Dieser will in den kommenden fünf Jahren rund 73 Milliarden Euro in E-Mobilität, Hybridisierung und Digitalisierung stecken. Alleine die Investitionen in die Digitalisierung wurden auf 27 Milliarden Euro aufgestockt. Bis 2025 soll der Software-Eigenanteil im gesamten VW-Konzern - also auch bei Porsche - von zehn Prozent auf 60 Prozent wachsen, so die Börsen-Zeitung.

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