Alternative zu fossilen Brennstoffen

Porsche stößt mit Alternative zum E-Auto auf Kritik: „interessengetrieben“

Der neue Porsche 911 von hinten
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Porsche forscht an synthetischen Kraftstoffen - den E-Fuels
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Die Porsche AG arbeitet an einem alternativen Antrieb, der weder mit E-Auto noch mit Wasserstoff zu tun hat. Kritiker unterstellen dem Sportwagen-Bauer ein „Ablenkungsmanöver“.

Stuttgart - Elektromobilität boomt - das hat auch die Porsche AG erkannt. Mit dem Taycan bietet der Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart sein erstes vollelektrisch angetriebenes Modell an. Die Gründe für das steigende Interesse an E-Autos liegen auf der Hand - ein wichtiger Faktor ist beispielsweise die von der Bundesregierung eingeführte Prämie für den Kauf von elektrisch betriebenen Fahrzeugen beziehungsweise Plug-in-Hybriden.

Im Südwesten zeigte dieser finanzielle Anreiz bereits großen Erfolg. Allein von Juni auf Juli verdreifachte sich in Baden-Württemberg die Anzahl der Anträge auf die Kaufprämie. Die Porsche AG forscht dennoch an einem weiteren an revolutionären Antrieb, der weder mit dem E-Auto noch mit Wasserstoff zu tun hat - laut Bill Gates soll dieser die E-Mobilität sogar verdrängen. Die Rede ist von synthetischen Kraftstoffen, sogenannte E-Fuels, die für die Umwelt verträglicher sein sollen als beispielsweise solche, die aus fossilen Quellen gewonnen werden.

Porsche AG: Kampf gegen Verbrenner-Aus - E-Fuels als Alternative für fossile Brennstoffe?

Insbesondere die Porsche AG könnte an einem solchen alternativen Kraftstoff großes Interesse haben. Denn: Mehr als 70 Prozent der je von dem Stuttgarter Fahrzeughersteller gebauten Autos sind nach dessen eigenen Angaben bis heute im Straßenverkehr unterwegs. Bei diesen handelt es sich jedoch zum größten Teil um Verbrenner-Modelle. Um weiterhin mit ihnen fahren zu können, brauchen ihre Besitzer also auch zukünftig Zugang zu fossilen Brennstoffen.

Vermutlich werden jedoch gerade diese im Laufe der kommenden Jahre aufgrund der Energiewende nach und nach verschwinden - in Norwegen etwa sollen Benziner und Diesel ab 2025 komplett verboten sein. In Deutschland ist ein vergleichbar radikaler Übergang zu nachhaltigeren Fahrzeugen zwar nicht vorgesehen, doch Besitzer von Verbrenner-Modellen werden eine Veränderung dennoch spüren, sobald die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen sinkt. Mit den E-Fuels möchte die Porsche AG daher eine Alternative schaffen.

„Überall auf der Welt sehen wir viele neue Vorschriften“, erklärte Detlev von Platen, Vorstandsmitglied der Porsche AG, vergangene Woche bei den Techcrunch Sessions. „Wir sehen, dass die Transformation sehr schnell kommen wird. Und bis zu einem gewissen Zeitpunkt wird die Entwicklung und Herstellung von Verbrennungsmotoren und Autos rund um diese Technologie noch teurer als ein Batteriefahrzeug“.

Synthetischer Kraftstoff als Alternative für Verbrenner - Porsche Ag stößt mit Pilotprogramm auf Kritik

In ihren Grundeigenschaften unterscheiden sich E-Fuels nicht großartigen von Benzin oder Kerosin und könnten daher als Alternative fungieren. Werden sie mithilfe von erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft hergestellt, sind sie zudem weit umweltfreundlicher als Brennstoffe aus fossilen Quellen - aber: Die Herstellung ist aktuell noch äußerst energie- beziehungsweise kostenintensiv. Genau daran setzt die Porsche AG in einem Pilotprogramm an und arbeitet an einer zukunftsfähigen Optimierung.

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hält Oliver Blum einen serienmäßigen Einsatz von E-Fuels bereits in zehn Jahren für möglich. Synthetische Kraftstoffe stünden nicht in Konkurrenz zur Elektromobilität, sondern in Ergänzung, sagte der Chef der Porsche AG auf dem Branchengipfel des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen bei Stuttgart. „Wenn man allein daran denkt, dass wir Milliarden an Bestandsfahrzeugen auf der Welt haben, müssen wir von beiden Seiten kommen: sowohl nach vorn gerichtet, eindeutig Elektromobilität, aber auch nach hinten gerichtet, mit den synthetischen Kraftstoffen“.

Pläne zur Entwicklung von E-Fuels, wie die der Porsche AG, stoßen jedoch nicht überall auf Begeisterung oder gar Zustimmung. „Synthetische Kraftstoffe, Gas und nicht nachhaltige Biokraftstoffe sind nur ein interessengetriebenes Ablenkungsmanöver bestimmter Industrien“, kritisiert etwa Stef Cornelis Transport & Environment in einer Mitteilung des Umweltverbands. „Investitionssicherheit ist das, was der deutsche Automobilsektor jetzt braucht“.

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