Benzin aus Grünstrom, Wasser und Luft

Porsche will aus Windenergie künstlichen Sprit herstellen, um den Verbrenner zu retten

Ein 911 Carrera GTS der Porsche AG fährt auf einer Straße.
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Mit CO2-neutralem Benzin können auch Verbrenner-Modelle wie der beliebte 911 der Porsche AG klimafreundlich befeuert werden.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Porsche AG will mit Windenergie sogar Verbrenner-Modelle wie den beliebten 911 CO2-neutral befeuern. In Chile entsteht deshalb eine weltweit einzigartige Fabrik.

Stuttgart/Punta Arenas - Die Porsche AG feiert mit ihrem ersten vollelektrischen Sportwagen große Erfolge. Im vergangenen Jahr verkaufte der Stuttgarter Hersteller über 20.000 Fahrzeuge der Baureihe Taycan und erreicht damit einen E-Auto-Meilenstein. Vor wenigen Tagen wurde jedoch bekannt, dass Porsche 43.000 Taycan-Modelle wegen eines gefährlichen Softwarefehlers zurückrufen muss. Obwohl das für den Sportwagenhersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen einen großen Rückschlag bedeutet, ist die Resonanz auf die Baureihe Taycan bislang hauptsächlich positiv.

Im Gegensatz zu anderen Autobauern, die derzeit alles auf die Produktion von E-Autos setzen, will sich die Porsche AG nicht vollständig auf die batteriebetriebenen Modelle verlassen. Porsche will das beliebteste Modell weiterhin nur als Verbrenner bauen. Das bedeutet aber nicht, dass der 911 auch weiterhin eine schlechte CO2-Bilanz vorweisen muss.

Das Unternehmen plant, aus Windenergie Grünstrom für CO2-neutrales Benzin zu gewinnen, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Damit könnte auch der 911 als Verbrenner neben dem elektrischen Taycan eine Zukunft in der klimafreundlichen Fahrzeugpalette der VW-Tochter haben.

Porsche AG: Doch kein Verbrenner-Aus? Sportwagenbauer will CO2-neutrales Benzin produzieren

Auch die Porsche AG setzt massiv auf Produktion von E-Autos. „Wir werden bis 2025 bereits über 50 Prozent unserer Fahrzeuge elektrisch verkaufen“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume im Podcast der Wirtschaftswoche. Doch der Sportwagenbauer aus Stuttgart erforscht auch andere Wege, um die CO2-Ziele zu erreichen.

Porsche plant eine neue Fabrik, um den Verbrenner zu retten. In der chilenischen Stadt Punta Arenas soll zusammen mit Siemens Energy Grünstrom produziert werden. Die Fertigungsanlage, die in den kommenden Monaten entstehen soll, ist weltweit bislang einzigartig.

Die Porsche AG hat mehrere Fahrzeuge der Baureihe Taycan auf dem Markt. Der Hauptanteil der Fahrzeugpalette besteht jedoch noch immer aus Verbrennern. Der Neunelfer gilt allgemein hin als das klassische Porsche-Modell, zu dem eben auch der röhrende Verbrenner-Motor gehört. Damit Porsche auch mit diesen Fahrzeugen die gesetzten CO2-Ziele erreichen kann, setzt der Hersteller auf eine neue Technologie. Demnach werde in der Fertigungsanlage in Chile ausschließlich Benzin aus Grünstrom, Wasser und Luft hergestellt, wie die Wirtschaftswoche berichtet.

Porsche AG: CO2-neutrales Benzin nicht nur für Sportwagen gedacht

Klimafreundliches Benzin aus grüner Energie klingt im ersten Moment beinahe utopisch. Tatsächlich soll das Benzin für die Verbrenner-Modelle der Porsche AG jedoch nur mithilfe von Windenergie erzeugt werden und besteht ansonsten hauptsächlich aus Wasser. Daraus werde zukünftig in der Fabrik in Chile Wasserstoff hergestellt und aus CO2 aus der Luft Kohlenstoff herausgefiltert, sagte CEO Oliver Blume im Podcast der Wirtschaftswoche. Im nächsten Schritte werde dann aus beiden Komponenten Methanol produziert, das schließlich zu Benzin weiterverarbeitet wird.

Aus dem so entstehenden Methanol soll neben dem Benzin für die neue 911er-Generation der Porsche AG auch Kerosin für Flugzeuge und Treibstoff für Schiffe hergestellt werden, sagte Blume. Kooperationspartner Siemens rechnet laut der Wirtschaftswoche sogar damit, dass die Spritpreise für das CO2-neutrale Benzin deutlich sinken werde.

Eine massentaugliche Alternative zur E-Mobilität solle das grüne Methanol jedoch zumindest in der Autobranche nicht werden. „Die Elektromobilität hat eine deutlich bessere Energieeffizienz“, sagte der Porsche-Chef. Die Luft- und Schifffahrt hätten dagegen auch in Zukunft keine andere Möglichkeit, als weiterhin auf synthetischen Treibstoff zu setzen.

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