Alternative eFuels

„E-Autos reichen nicht“: Porsche will in 10 Jahren neuen Antrieb serienmäßig einsetzen

  • Valentin Betz
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Porsche geht bei der Mobilität der Zukunft einen Sonderweg. Der Konzern setzt nicht nur auf E-Autos, sondern entwickelt einen alternativen Antrieb.

Nürtingen - Die Porsche AG will in Zukunft den CO2-Ausstoß seiner Fahrzeuge senken. Damit ist sich der Fahrzeughersteller mit den anderen Vertretern der Autobranche einig - auch wenn die Konzerne diese Entscheidung nicht ganz ohne politischen Druck gefällt haben. Denn inzwischen will sogar die EU den Verbrenner verbieten.

Fest steht, dass Fahrzeughersteller von 2021 bis 2030 den Ausstoß von CO2 um rund 50 Prozent im Vergleich zu 1990 senken sollen. Die Daimler AG setzt zumindest bei ihren Pkws dafür voll auf E-Mobilität. Auch Porsche entwickelt bereits elektrische Modelle. Mit dem Taycan hatte Porsche bereits riesigen Erfolg, ist beim E-Auto aber noch skeptisch.

Anstatt sich komplett auf die E-Mobilität zu fokussieren, fährt Porsche zweigleisig. Die Porsche AG arbeitet an einem neuartigen Antrieb, der weder elektrisch, noch mit Wasserstoff betrieben wird. Es handelt sich um synthetische Kraftstoffe, so genannte eFuels. Diese können klimaneutral produziert und verbrannt werden - und lassen sich sogar in klassische Verbrennungsmotoren tanken. Wie ambitioniert der Sportwagenhersteller es meint, zeigte Porsche-Chef Oliver Blume beim „Branchengipfel“ des Instituts für Automobilwirtschaft (Ifa) in Nürtingen.

Die Porsche AG will die Zukunft nicht nur E-Autos überlassen und forscht deshalb an eFuels

Mit der Skepsis gegenüber der E-Mobilität ist die Porsche AG bei weitem nicht alleine. Auch Bill Gates glaubt, dass die von Porsche entwickelten eFuels die E-Mobilität verdrängen könnten. Doch Porsche will damit die E-Autos überhaupt nicht verdrängen. Synthetische Kraftstoffe „stehen nicht in Konkurrenz zur Elektromobilität, sondern in Ergänzung. Wenn man allein daran denkt, dass wir Milliarden an Bestandsfahrzeugen auf der Welt haben, müssen wir von beiden Seiten kommen: sowohl nach vorn gerichtet, eindeutig Elektromobilität, aber auch nach hinten gerichtet, mit den synthetischen Kraftstoffen“, betonte Porsche-Chef Oliver Blume.

Porsche will in zehn Jahren eFuels tanken können: Die synthetischen Kraftstoffe sind klimaneutral, jeder Verbrenner kann sie nutzen.

Die Porsche AG aus Stuttgart befürchtet, dass die E-Mobilität alleine nicht reicht, um die CO2-Grenzwerte einzuhalten. Deutsche Fahrzeughersteller hinken bei den Grenzwerten noch gewaltig hinterher. Bei einer Analyse schnitt Daimler im Vergleich zu anderen Autobauern peinlich ab. Aber auch der VW-Konzern, zu welchem Porsche gehört, muss noch einen gehörigen Rückstand aufarbeiten.

Auf dem Jahreskongress der Automobilindustrie in Zwickau pflichteten auch andere Experten der Meinung von Porsche bei. „Stand heute ist, dass der Gesetzgeber nur auf Batteriefahrzeuge setzt - das ist aber zu einseitig“, sagte dort Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie. Neben Wasserstoff böten vor allem synthetische Kraftstoffe die Chance, zeitnah CO2-Emissionen zu reduzieren.

Porsche hat bei eFuels ambitionierte Ziele, muss aber noch ein entscheidendes Problem lösen

Porsche-Chef Oliver Blume hält einen serienmäßigen Einsatz von eFuels in etwa zehn Jahren für möglich. Diese Prognose ist erstaunlich zuversichtlich angesichts des Hauptproblems synthetischer Kraftstoffe. Denn aktuell kostet der Liter eFuel noch deutlich über zehn US-Dollar.

Innerhalb von zehn Jahren will Porsche den Raffinierieprozess großserientauglich machen und den Preis auf etwa 2 Dollar pro Liter senken. eFuels werden mit Hilfe von regenerativer Energie aus CO2 und Wasserstoff hergestellt. Sie unterscheiden sich in ihren Grundeigenschaften nicht von Kerosin, Diesel oder Benzin aus Erdöl. Sie sind im Idealfall aber ein klimaneutraler Treibstoff.

Es bleibt allerdings spannend, ob Verbraucher dann wirklich auf eFuels umrüsten werden. Denn aktuell kostet der Liter Diesel mit etwas mehr als einem Euro immer noch deutlich weniger, als die synthetischen Kraftstoffe. Allerdings ist in zehn Jahren ein mögliches EU-Verbot von Verbrennern auch gefährlich nahe - wodurch die Bevölkerung ohnehin nur noch die Wahl zwischen E-Auto oder eFuel haben könnte.

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