Thermomanagement

Porsche senkt mit revolutionärer Idee den Verbrauch von E-Autos

  • Valentin Betz
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Die Porsche AG arbeitet an einer entscheidenden Technik für E-Autos. Sie hat mit einem zentralen Faktor für Batteriezellen zu tun: der Temperatur.

Stuttgart - Es ist kein Geheimnis, dass die Porsche AG in Zukunft nicht ausschließlich auf Elektromobilität setzt. Porsche ist trotz des Erfolgs mit dem Taycan bei den E-Autos skeptisch. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Tesla hält der Sportwagenhersteller aus Stuttgart deshalb auch nach Alternativen zum E-Auto Ausschau.

Die Porsche AG erforscht einen alternativen Antrieb zu E-Auto und Wasserstoff. Die so genannten E-Fuels sind synthetisch hergestellte Kraftstoffe, die in konventionelle Verbrennungsmotoren getankt werden können. Dabei sind sie trotzdem klimaneutral. Das heißt allerdings nicht, dass die Porsche AG die Arbeit an der E-Mobilität völlig vernachlässigt. Bei den Batteriezellen entwickelt der Sportwagenhersteller eine Technik, die sogar Konkurrent Tesla neidisch machen könnte.

Porsche AG senkt Verbrauch von E-Autos: Temperatur der Batterien ist der Schlüssel

Zwar verspotteten Tesla-Fans den Porsche Taycan wegen seiner „Rückständigen Technologie“. Anlass war ein Software-Update, das nicht wie angekündigt über Funk installiert werden konnte. Stattdessen rief Porsche Taycan-Fahrer in die Werkstatt. Für Tesla-Fahrer, deren Updates seit geraumer Zeit schon „over the air“ installiert werden, war das natürlich ein gefundenes Fressen.

Der Taycan ist das erste reine Elektrofahrzeug von Porsche.

Doch mit einer neuen Erfindung könnte Porsche selbst eingefleischte Tesla-Fans beeindrucken. Der Sportwagenhersteller arbeitet an einer Software, die sich mit dem so genannten Thermomanagement beschäftigt. Denn ähnlich wie der Mensch hat auch eine Batteriezelle für E-Autos eine optimale Temperatur, die vor allem beim Aufladen wichtig wird.

Wie ingenieur.de berichtet, sinkt die Ladeleistung, wenn die Batterie zu kalt oder zu heiß ist. Die Lösung von Porsche: Eine Software, die den Verlauf einer anstehenden Fahrt voraussagt und so die optimale Temperatur gewährleistet, ohne dass die Batterie unnötig aufgeheizt oder abgekühlt werden muss.

Batterien von Porsche sollen über Software gesteuert werden, um den Verbrauch von E-Autos optimal zu regulieren

Im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren haben E-Autos thermisch trägere Batterien. „Bei Ihnen lässt sich die Temperatur nur sehr langsam regulieren“, erklärt Björn Pehnert, Fachprojektleiter Thermomanagement bei Porsche Engineering, gegenüber ingenieur.de. Das ehrgeizige Ziel der Porsche AG lautet deshalb, die Zukunft vorherzusehen. „Es wird unerlässlich, weiter in die Zukunft zu schauen“, so Pehnert zu ingenieur.de.

Wenn die Software erkennt, dass der Porsche zu einer Ladesäule unterwegs ist, aktiviert das Programm je nach Temperatur der Batterie das Kühl- oder das Heizsystem. Die Leistung der Porsche AG besteht vor allem darin, die dafür notwendige Rechenleistung in einem Computer unterzubringen, der weniger Platz zur Verfügung hat als ein Smartphone. Laut ingenieur.de konnte das nur gelingen, weil die Software mit Tabellen arbeitet, in welchen diskrete Werte abgespeichert sind, sodass nicht alles neu berechnet werden muss.

Porsche steuert Batterie-Temperatur über Software: E-Autos „lernen“ dafür die häufigsten Routen

Porsche hat allerdings nicht nur bei der verfügbaren Rechenleistung für das Thermomanagement Erstaunliches geleistet. Denn damit die Software die Temperatur der Batterien optimal regulieren kann, dürften Porsche-Fahrer eigentlich nur mit dem Navi fahren - denn nur so weiß die Software, ob das E-Auto auch zu einer Ladestation soll.

Wäre das die Bedingung, würde wohl kaum ein Porsche-Fahrer die Software wirklich nutzen. Denn niemand gibt bekannte Strecken ins Navi ein. Wie ingenieur.de berichtet, „lernt“ die Software stattdessen via GPS aus den absolvierten Fahrten. Das Programm zum Thermomanagement merkt sich dadurch die häufigsten Strecken - beispielsweise zu einer Ladesäule in der Nähe. Der so genannte „Optimizer“ erkennt dann die Route und kombiniert diese mit den Daten der Batterie. Alle paar Sekunden passt der Optimizer seine Prognose an die Realität an.

Porsche will mit dieser Software zehn bis 30 Prozent Energie bei E-Autos einsparen. Das Thermomanagement wurde von der Porsche AG bereits am Taycan erprobt - sowohl in der Stadt als auch auf Landstraßen oder der Autobahn. Diese erste Konzeptstudie zeigte laut ingenieur.de hohes Potenzial für die Serienentwicklung.

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