Spitzenreiter in Europa

Porsche macht in der Coronakrise Milliardengewinn und hängt andere Automarken ab

  • Valentin Betz
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Auch die Auto-Industrie leidet an der Corona-Pandemie. Porsche konnte trotzdem Gewinn machen - mehr, als alle anderen europäischen Fahrzeughersteller.

  • Trotz der Corona-Pandemie konnte die Porsche AG* im ersten Halbjahr 2020 einen Milliardengewinn verzeichnen.
  • Damit erging es Porsche besser als allen anderen Fahrzeugherstellern in Europa.
  • Weltweit konnte nur Toyota im ersten Halbjahr höhere Gewinne erzielen, als die Porsche AG aus Stuttgart.

Stuttgart - Die Corona-Pandemie macht deutschen Unternehmen schwer zu schaffen. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg* war besonders die Autoindustrie vom zeitweiligen Lockdown betroffen. Neben Daimler und Porsche haben auch viele Zulieferer der Fahrzeughersteller ihren Sitz in Baden-Württemberg. In den Werken wurde wochenlang die Produktion gestoppt und auch der Absatz von Fahrzeugen brach ein.

Wegen der Coronakrise machten alle europäischen Fahrzeughersteller im ersten Halbjahr 2020 deutliche Verluste. Alle, außer die Porsche AG. Der Sportwagenhersteller aus Stuttgart* hat zwar laut Handelsblatt sein selbst gestecktes Ziel von 15 Prozent Umsatzrendite verfehlt, fuhr aber trotzdem einen Milliardengewinn ein.

Porsche AG macht trotz Coronakrise Milliardengewinn - Dank wohlhabender Kunden

Porsche konnte von Januar bis Juni einen Gewinn von 1,23 Milliarden Euro verbuchen. Neben der Porsche AG konnten nur der französische Autokonzern PSA und Ferrari überhaupt Gewinne verzeichnen. Damit konnte Porsche sogar die Bilanz von VW noch ein wenig nach oben korrigieren. Porsche ist ein Tochterunternehmen der Volkswagen AG.* Dabei hatte Porsche ursprünglich versucht, VW zu übernehmen*, scheiterte aber.

Dass neben Porsche auch der Sportwagenhersteller Ferrari vergleichsweise gut mit der Corona-Krise zurechtkam, hat einen Grund. Laut dem Automobilanalyst Frank Schwope seien gut situierte Porsche-Kunden weniger krisenanfällig als andere Autokäufer, so das Handelsblatt. Premiummarken wie Mercedes-Benz, Audi und BMW seien immer stärker ins Massengeschäft abgerutscht und hätten deshalb wegen der Corona-Pandemie rote Zahlen geschrieben.

Gerade die Daimler AG befand sich bereits vor der Corona-Krise im Umbruch. Zahlreiche Entlassungen waren geplant. Zumindest betriebsbedingte Kündigungen sind zunächst vom Tisch. Stattdessen kürzt Daimler die Arbeitszeit für 70.000 Mitarbeiter um zwei Stunden und streicht Prämien (BW24* berichtete).

Porsche AG an der Spitze Europas: Milliardengewinn trotz Coronavirus in Baden-Württemberg

Die Konkurrenz hat das Nachsehen: Porsche konnte trotz der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr einen Milliardengewinn verzeichnen.

Porsche selbst begründet die guten Zahlen im ersten Halbjahr allerdings nicht nur mit der gut situierten Käuferschicht. „Wir managen die Coronakrise systematisch und verantwortungsvoll, verstehen sie gleichsam als Chance“, erklärte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume* gegenüber dem Handelsblatt.

Zu diesem verantwortungsvollen Management gehört auch, dass die Porsche AG trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg neue Modelle rechtzeitig auf den Markt gebracht hat - so zum Beispiel den Taycan, das erste reine Elektroauto von Porsche. Dass das Tesla Model 3 den teureren Porsche Taycan auf der Rennstrecke alt aussehen lässt*, hat dem Absatz offenbar nicht geschadet. Außerdem schaute Porsche sehr genau auf seine Finanzen. „Jeder Euro an möglichen Ausgaben wurde hinterfragt: Brauchen wir das wirklich?“, sagte Oliver Blume zum Handelsblatt. Obwohl Porsche also trotz des Coronavirus gut dasteht, stellte der Autobauer drastische Forderungen* an die Politik.

Porsche steht mit seinem Gewinn auch weltweit gut da - nur ein Fahrzeughersteller ist besser

Mit dem Milliardengewinn, den die Porsche AG im ersten Halbjahr 2020 erreichen konnte, steht der Sportwagenhersteller nicht nur in Europa sehr gut da. Im weltweiten Vergleich schneidet Porsche zum Beispiel besser ab als die US-amerikanischen Fahrzeughersteller General Motors oder Ford. Den größten globalen Gewinn machte allerdings Toyota - aber auch nur, weil von Januar bis März die Monate vor dem Corona-Lockdown gut liefen.

Denn laut Handelsblatt verdiente Toyota in den Monaten April bis Juni gerade einmal etwa 110 Millionen Euro im operativen Geschäft - enorme 98 Prozent weniger als im Vorjahr. In dieser Phase war sogar Porsche besser mit einem operativen Plus von 662 Millionen Euro. Trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg blickt Porsche-Vorstand Oliver Blume optimistisch in die Zukunft. Sein Unternehmen müsse einfach nur darauf achten, sich immer wieder zu hinterfragen und sich permanent zu erneuern. „In den nächsten fünf Jahren investieren wir 15 Milliarden Euro allein in neue Technologien“, so Oliver Blume zum Handelsblatt. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Thomas Frey/dpa

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