Klimaziele und Porsche-Erwartungen

Monströse Stadtpanzer: Porsche will weiter umstrittene Modelle bauen - „bei Kunden beliebt“

Ein SUV Cayenne der Porsche AG fährt auf einer Straße.
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Porsche hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt, will jedoch weiter an den schweren SUV festhalten.
  • Julian Baumann
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Die Porsche AG ist vor allem für ihre Sportwagen bekannt. In China und Nordamerika ist jedoch ein anderes Modell sehr beliebt - der Stuttgarter Hersteller will deshalb daran festhalten.

Stuttgart - Die Porsche AG ist weltweit vor allem für ihre beliebten Sportwagen bekannt und konnte sogar in der Corona-Krise ihren Absatz halten oder sogar steigern. Seit einiger Zeit setzt der Stuttgarter Hersteller auf die E-Mobilität und stellte im vergangenen Jahr den ersten vollelektrischen Sportwagen vor. Der Taycan ist inzwischen das meistverkaufte Porsche-Auto in Europa und knackte im Jahr 2020 einen E-Auto-Meilenstein von 20.000 verkauften Modellen. Inzwischen gibt es mehrere Modelle der Taycan-Familie, die bald neuen Zuwachs bekommen soll. Porsche will das E-Auto neu erfinden, mit einer Mischung aus Sportwagen und SUV.

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Zeit sprach Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, über die Ziele des Unternehmens. Demnach wollen die Stuttgarter bereits im Jahr 2030 komplett CO2-neutral produzieren. In dem Gespräch kam die Sprache auch auf die in China und Nordamerika sehr beliebten, aber vor allem in Deutschland umstrittenen SUV-Modelle zu sprechen. Trotz des oft gehörten Vorwurfs, die großen schweren SUV seien „Klimakiller“ und nicht mehr zeitgemäß, will Porsche an den Modellen festhalten.

Porsche AG: Autobauer verfolgt ehrgeizige Klimaziele, will jedoch an SUVs festhalten

Im Jahr 2002 erweiterte die Porsche AG die bis dahin nur aus Sportwagen bestehende Fahrzeugflotte erstmals um ein Sport-Utility-Vehicle (SUV). Der Porsche Cayenne ist vor allem in den Vereinigten Staaten sehr beliebt und verkauft sich auch in China besser als jedes andere Modell der Stuttgarter. „SUVs wie der Cayenne sind bei Kunden gerade in Nordamerika und in China enorm beliebt“, sagt Porsche-Chef Oliver Blume im Interview mit der Zeit. Das große Fahrzeug wiegt jedoch rund zwei Tonnen und steht damit nicht unbedingt für ein klimafreundliches Auto.

Auf die Frage des Nachrichtenmagazins, ob es in Bezug auf die Porsche-Klimaziele nicht sinnvoller wäre, kleinere Autos zu bauen, sagte Blume: „Unsere Aufgabe ist es, die vom Kunden so geliebten Porsche-typischen Fahrzeuge CO₂-neutral zu gestalten.“ Die Herausforderung sei gerade solche schweren oder sehr leistungsstarken Fahrzeuge zu bauen und trotzdem das Klima zu schonen. „Schon heute können Sie den Cayenne mit lokal emissionsfreiem Hybridantrieb kaufen“, so Blume. „Und als Nächstes ein komplett neues Porsche-Modell, den vollelektrisch angetriebenen Macan.“

Porsche AG-Chef Oliver Blume: „Kunden wollen und sollen ein gutes Gewissen haben“

Mit dem Fokus auf die E-Mobilität und dem Ausbau der vollelektrischen Taycan-Familie wendet sich die Porsche AG immer weiter von den herkömmlichen Modellen ab. Porsche will den Verbrenner sogar schneller abschaffen als erwartet. Daneben setzt der Sportwagen-Hersteller aus Zuffenhausen jedoch auch auf einen alternativen Antrieb, der weder Wasserstoff noch E-Auto ist. Die Abkehr vom Verbrenner und von Benzin- und Dieselmodellen ist auch dem Erreichen der Klimaziele zuträglich. Die großen SUV werden jedoch oftmals als Klimakiller bezeichnet. Im vergangenen Jahr sorgte beispielsweise die Daimler AG für Empörung mit dem absurdesten Monster-SUV des Jahres. Dafür bekam der große Stuttgarter Autokonzern sogar den Negativpreis „Goldener Geier“ verliehen.

Die Porsche AG kalkuliert die großen SUV und auch den weiterhin mit Verbrenner-betriebenen 911 in die Kalkulation für das Erreichen der Klimaziele bis 2030 ein. In den vergangenen 30 Jahren sei der Verkehrssektor der Einzige gewesen, dessen CO2-Ausstoß praktisch nicht sank. Die Zeit fragte, ob ausgerechnet Porsche das nun ändern wolle. „Das sehen wir sogar als unsere Verpflichtung an. Das saubere Auto ist für unsere anspruchsvollen Kunden ein ganz wichtiges Kaufargument“, antwortete Oliver Blume. „Sie wollen und sollen ein gutes Gewissen haben, wenn sie Porsche fahren.“

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