E-Fuels statt E-Auto

Porsche AG forscht an neuem Kraftstoff, der laut Bill Gates das E-Auto verdrängen wird

  • Valentin Betz
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Für Bill Gates sind Elektroantriebe nicht die alleinige Lösung. Er empfiehlt alternative Kraftstoffe, an denen etwa die Porsche AG derzeit arbeitet.

  • Bill Gates spricht sich in seinem Blog für Biokraftstoffe und E-Fuels aus.
  • Die synthetischen E-Fuels werden auch von der Porsche AG als zukünftiger Kraftstoff erforscht.
  • Elektroantriebe hält Bill Gates wegen zu großer Batterien für den Warentransport für ungeeignet.

Stuttgart - Nicht zuletzt der enorme Erfolg des E-Auto-Herstellers Tesla hat die deutschen Fahrzeughersteller dazu bewogen, mehr auf Elektromobilität zu setzen. Auch in Baden-Württemberg herrschte zuletzt ein E-Auto-Boom, die Zahlen haben sich fast verdreifacht. Selbst die Daimler AG entwickelt in Zukunft Modelle mit E-Antrieb zuerst.

Doch nicht alle Experten sind ausnahmslos von der Elektromobilität überzeugt. Die Herstellung der Batterien ist bislang noch viel zu umweltschädlich. Ob ein Auto mit Elektroantrieb zudem klimaneutral fährt, hängt von der Stromquelle ab, mit der die Batterie aufgeladen wird. Ein weiteres Problem ist die Effizienz der Batterien. Aktuell ist die Reichweite überschaubar, je länger die Strecke wird, desto schwerer werden die Batterien - worunter die Effizienz leidet. Der Unternehmer und Milliardär Bill Gates hält die Elektromobilität deshalb nicht für die alleinige Lösung, besonders nicht für den weltweiten Warentransport mit LKWs, Schiffen und Flugzeugen. Auf langen Strecken befürwortet Bill Gates einen Antrieb, an dem auch die Porsche AG in Stuttgart verstärkt forscht.

Porsche AG: Bill Gates empfiehlt alternative Technologie - E-Fuels statt E-Mobilität

Bill Gates lehnt dabei Elektromobilität nicht gänzlich ab. „Elektroautos überzeugen auf der Kurzstrecke. Sie sind großartig für den Individualverkehr, aber auch für Stadtbusse oder die Müllabfuhr“, schreibt Bill Gates in seinem Blog. Für den weltweiten Warentransport mit großen Fahrzeugen wie LKWs, Schiffen oder Flugzeugen gerät die Elektromobilität laut Bill Gates aber an Grenzen, die der Technologiefortschritt nicht überwinden wird. „Selbst mit einem großen Durchbruch bei der Batterietechnologie, werden E-Fahrzeuge wahrscheinlich nie eine praktische Lösung sein - jedenfalls für Lastwagen, Frachtschiffe und Passagierflugzeuge“, so Bill Gates.

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Bill Gates fordert deshalb, dass vor allem an alternativen Kraftstoffen weiter geforscht wird. Besonders vielversprechend sind für den Unternehmer Biokraftstoffe, die aus Pflanzen oder landwirtschaftlichen Abfällen hergestellt werden. Als weitere Alternative nennt Bill Gates so genannte E-Fuels. Auch die Porsche AG mit ihren Tochterunternehmen ist an der Entwicklung dieses Kraftstoffs beteiligt. „Wenn man die Bestandsflotte perspektivisch nachhaltig betreiben will, dann sind E-Fuels ein elementarer Bestandteil“, sagte Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner unlängst.

Zukunft E-Fuels: Porsche und Bill Gates sind von neuem Antrieb überzeugt

E-Fuels sind Flüssig- oder Gaskraftstoffe, die synthetisch hergestellt werden können. Mittels Elektrolyse wird dafür Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten, der Wasserstoff wird dann mit Kohlenstoffdioxid verbunden. Die Technik, an der auch Porsche für seine Fahrzeuge forscht, hat zwei entscheidende Vorteile: Einerseits kann der Kraftstoff nur mithilfe von Elektrizität gewonnen werden.

Andererseits können E-Fuels in herkömmlichen Verbrennungsmotoren verwendet werden, es ist keine neue Technologie notwendig. „Das Kohlenstoffdioxid, das für die Herstellung benötigt wird, kommt direkt aus der Atmosphäre. Bei der Verbrennung von E-Fuels entstehen also keine zusätzlichen Emissionen“, erklärt Bill Gates auf seinem Blog.

Allerdings hat die Technik, auf die sich die Porsche AG nun fokussiert, auch Schwächen: Denn um klimaneutral zu sein, muss wie bei der Elektromobilität der Strom aus erneuerbaren Energien kommen. Darüber hinaus ist die Technik etwas umständlich: Anstatt wie bei der Elektromobilität das Fahrzeug direkt mit Strom anzutreiben, wird bei den E-Fuels der Strom verbraucht, um einen Kraftstoff zu gewinnen. „E-Fuels können drei- bis siebenmal so teuer sein wie fossile Brennstoffe“, so Bill Gates. Entsprechend muss die Entwicklung hier deutliche Fortschritte machen, um den Kraftstoff rentabel zu machen.

Für die Porsche AG sind E-Fuels trotz der Schwächen der Kraftstoff der Zukunft. „Wenn es uns gelingt, als Menschheit die weltweit betrachtet im Überschuss vorhandene regenerative Energie zu nutzen, können wir die Nachhaltigkeit höher priorisieren als die Effizienz“, so Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner.

Rubriklistenbild: © Unsplash/picture alliance/Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa/Fotomontage

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