Mitarbeiter-Motivation und Kostensenkung

Für 22.000 Mitarbeiter: Porsche führt 12 Tage Home-Office im Monat ein - auch nach der Krise

Der Schriftzug und das Logo des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche, aufgenommen am 11.03.2014 vor der Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen (Baden-Württemberg)
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Die Porsche AG bietet den Mitarbeitern auch nach der Pandemie die Möglichkeit zum Homeoffice - das soll auch Kosten senken.
  • Julian Baumann
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Die Porsche AG will der Belegschaft auch nach der Corona-Pandemie die Möglichkeit zum Homeoffice bieten - das soll die Mitarbeiter motivieren, aber auch Kosten senken.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. In vielen Unternehmen sind die Mitarbeiter zum Teil oder sogar vollständig auf Homeoffice umgestiegen. Einige Firmen kündigten deshalb bereits ihre Büroräume, um Betriebskosten zu sparen. Aufgrund der fortschreitenden Impfungen in Baden-Württemberg ist allmählich zwar ein Ende der Pandemie vorherzusehen. Aber auch bei der Porsche AG arbeiten derzeit noch viele Mitarbeiter von zu Hause aus. In der Produktion des Sportwagenherstellers, der mit dem vollelektrischen Taycan aktuell große Erfolge feiert, ist eine Präsenz an den Bändern allerdings obligatorisch.

Die Porsche AG will Teilen der Belegschaft allerdings auch nach dem Ende der Corona-Pandemie die Möglichkeit zum Homeoffice bieten, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Das soll nicht nur die Mitarbeiter des Autobauers aus der Landeshauptstadt Stuttgart motivieren, sondern auch Kosten senken. Porsche will bis zum Jahr 2025 nur noch für 60 Prozent der Angestellten einen Büroplatz unterhalten und auch der legendäre Jahresbonus beim Sportwagenhersteller wird gedeckelt.

Porsche AG: Homeoffice-Angebot für Mitarbeiter - eine Pflicht wird es nicht geben

Das Arbeiten von zu Hause aus hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Die direkte Interaktion mit den Kollegen vor Ort fällt beispielsweise aus und auch gemeinsame Mittagspausen oder Kaffeepausen wurden deutlich zurückgefahren. Gerade für junge Mitarbeiter sei die Arbeit von zu Hause jedoch praktisch, um Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen, sagte Andreas Haffner, Personalvorstand der Porsche AG, gegenüber der FAZ. Deshalb hätten der Betriebsrat und die Geschäftsleitung des Autobauers eine Vereinbarung getroffen. Demnach können die Mitarbeiter auch nach der Pandemie bis zu zwölf Tage pro Monat mobil arbeiten.

Mit der Homeoffice-Regelung will die Porsche AG nach eigenen Angaben die Mitarbeiter motivieren. „Uns ist wichtig, dass wir hoch motivierte Mitarbeiter haben“, sagte Andreas Haffner. Gerade Videokonferenzen würden auch Vorteile bringen, wie beispielsweise einen privateren Einblick in das Leben der Angestellten. „Da lacht man auch mal zusammen.“ Homeoffice soll die Präsenz bei der Porsche AG allerdings nicht ersetzen, macht die VW-Tochter laut der FAZ deutlich. Die Schwaben setzen auf einen ständigen Wechsel und wollen weder eine Homeoffice- noch eine Präsenzpflicht für die Mitarbeiter. „Wir wollen nicht, dass man sich monatelang gar nicht sieht“, macht Porsche-Betriebsratschef Werner Weresch deutlich.

Porsche AG: „Jeder Mitarbeiter kann arbeiten, wann, wo und wie er will“

Das Homeoffice-Angebot der Porsche AG zielt auf einen Wechsel zwischen Präsenz in den Werken des Autobauers und der Arbeit aus den eigenen vier Wänden vor. Dass die zwölf Tage Homeoffice pro Monat am Stück in Anspruch genommen werden, müsse aber die Ausnahme bleiben, so Werner Weresch laut der FAZ. In besonderen Fällen wie etwa zur Pflege eines erkrankten Kindes oder eines Pflegebedürftigen soll das mobile Arbeiten dagegen auch uneingeschränkt möglich sein. Allgemein sieht Porsche jedoch vor, dass die Mitarbeiter maximal drei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. Zusätzlich zu diesem Angebot sollen die Angestellten auch besser für die Arbeit von zu Hause aus ausgestattet werden.

In vielen Betrieben und Unternehmen mussten sich die Mitarbeiter im Homeoffice selbst organisieren und oftmals improvisieren. Zum Beispiel verwenden viele Angestellte ihren privaten PC oder Laptop und haben deshalb möglicherweise manche Funktionen nicht, die sie am Schreibtisch im Unternehmen hätten. Die Porsche AG will die Mitarbeiter nun mit einem Technikpaket ausstatten, wie die FAZ berichtet.

Das Paket beinhaltet unter anderem einen großen Bildschirm, für einen ergonomischen Stuhl auf Firmenkosten müsste jedoch weiterhin ein ärztliches Attest vorliegen. „Jeder Mitarbeiter kann arbeiten, wann, wo und wie er will“, sagte Andreas Haffner und zieht jedoch eine Grenze. „Immer im Rahmen der betrieblichen und gesetzlichen Vereinbarungen und solange das Arbeitsergebnis stimmt.“

Porsche AG will Kosten senken - keine festen Arbeitsplätze mehr für Mitarbeiter

Durch die Vereinbarung will die Porsche AG nicht nur die Mitarbeiter motivieren, sondern auch Betriebskosten senken. Jedem Mitarbeiter stehe zwar frei, jeden Tag in das Werk zu kommen, einen Anspruch auf den eigenen Schreibtisch soll es zukünftig allerdings nicht mehr geben. Stattdessen will der Stuttgarter Sportwagenhersteller laut der FAZ mit einem digitalen Sitzplan arbeiten, der anzeigt, wo aktuell ein für die jeweilige Aufgabe passender Sitzplatz frei ist. In den kommenden Jahren bis 2025 will die Porsche AG sogar nur noch für 60 Prozent der Büro-Mitarbeiter einen eigenen Schreibtisch zur Verfügung stellen. Schon jetzt sei nur noch jeder dritte Mitarbeiter vor Ort, sagte Haffner.

Die Reduzierung der festen Schreibtische bei der Porsche AG soll zeitnah starten. „Im ersten Schritt werden wir die Bürofläche um 20 Prozent reduzieren“, sagte Andreas Haffner laut der FAZ. Zudem werde sich durch die Transformation auch bei den Arbeitsstellen einiges ändern. „In den nächsten fünf Jahren werden etwa 25 Prozent der Mitarbeiter einen neuen Job haben, weitere 25 Prozent müssen sich deutlich verändern“, so Haffner weiter. „Entweder fallen ihre Aufgaben komplett weg, oder sie werden durch die digitale Transformation total anders.“ Derzeit setzt auch die Porsche AG stark auf die Produktion von E-Autos und feiert damit große Erfolge. Der elektrische Taycan ist inzwischen das meistverkaufte Porsche-Fahrzeug in Europa.

Homeoffice-Regelung bei der Porsche AG: Legendärer Jahresbonus wird nicht mehr erhört

Die Porsche AG ist mit der Homeoffice-Regelung Vorreiter im Bereich des mobilen Arbeitens im VW-Konzern und vielleicht auch in der gesamten Autobranche, vermutet Werner Weresch laut der FAZ. Die Regelung gilt zunächst für die 22.000 Mitarbeiter der Porsche AG an den verschiedenen Standorten. Über eine Regelung für die Tochter-Gesellschaften wie dem Porsche-Werk in Leipzig müsse erst noch verhandelt werden. Im Leipziger-Werk kam es kürzlich zu Protesten, um die Tarifverhandlungen anzukurbeln. Tausende Porsche-Mitarbeiter legten das ganze Werk lahm. Dabei ging es unter anderem um eine Angleichung der Gehälter für Ost und West.

Insgesamt können sich die Gehälter bei der Porsche AG jedoch sehen lassen. Ein Großteil der Angestellten wird zwar über die Tarifvereinbarungen der Gewerkschaft IG Metall bezahlt, die hohen Zusatzzahlungen machen die Stuttgarter jedoch zu einem beliebten Arbeitgeber. Das Online-Jobportal Glassdoor wählte den Sportwagenbauer sogar im vergangenen Jahr zum beliebtesten Arbeitgeber. Im Jahr 2019 zahlte Porsche den Mitarbeitern einen Bonus von 9.700 Euro. Aufgrund der Corona-Pandemie fiel die Zahlung 2020 zwar etwas niedriger aus, Porsche polarisierte jedoch mit 7.850 Euro Mitarbeiter-Bonus. Einen Aufschrei, dass die Bonuszahlung beim Sportwagenbauer bald einen fünfstelligen Betrag erreichen könnte, verneinte Haffner. „Einen Bonus über 10.000 Euro wird es nicht geben“, so der Porsche-Vorstand gegenüber der FAZ.

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