Verdacht auf Abgasmanipulation

Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft Porsche - Kraftfahrt-Bundesamt verweigert Zulassung des neuen 911er

  • Marleen van de Camp
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Die Porsche AG steht erneut im Zentrum von Ermittlungen wegen Verdachts auf Abgasmanipulation. Die Staatsanwaltschaft prüft Porsche, das Kraftfahrt-Bundesamt verweigert die Zulassung neuer Modelle.

  • Die Porsche AG steht seit dieser Woche erneut im Zentrum von Ermittlungen wegen Verdachts auf Abgasmanipulation.
  • Das Kraftfahrt-Bundesamt ermittelt in Begleitung der Staatsanwaltschaft bei dem Fahrzeughersteller am Hauptsitz in Stuttgart Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum Weissach.
  • Nun wurde vorerst die Zulassung diverser neuer Sportwagen-Modelle von Porsche verweigert - darunter der Klassiker 911.

Stuttgart – Gegen die Porsche AG ermittelt erneut das Kraftfahrt-Bundesamt. Gleichzeitig läuft ein Prüfverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Wieder lautet der Verdacht: Abgasmanipulation. Die Ermittlungen gegen den Fahrzeughersteller laufen unter anderem vor Ort am Porsche-Standort Stuttgart Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum Weissach, wie der Spiegel berichtet.

Bei den Sportwagen der Porsche AG soll unzulässige Manipulation stattgefunden haben. Dadurch sollen sowohl der Kraftstoffverbrauch, als auch der CO2-Ausstoß auf dem Prüfstand beim Kraftfahrt-Bundesamt niedriger erschienen sein, als sie es in der Realität sind. Die Porsche AG selbst soll den Verdacht gemeldet haben, nachdem im Juni ein Porsche-Mitarbeiter intern auf Auffälligkeiten bei Getriebeteilen hingewiesen hatte.

Porsche AG soll Verdacht auf Manipulation selbst gemeldet haben

Die Porsche AG steht erneut im Zentrum von Ermittlungen wegen Verdachts auf Abgasmanipulation.

Die Porsche AG selbst teilte mit, sie habe im Rahmen einer internen Prüfung „Themen“ entdeckt, die sie den Behörden in Deutschland und den USA daraufhin selbst gemeldet habe. Die Entscheidung bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart Zuffenhausen, sich selbst zu melden, wird wohl im Porsche-Vorstand um Oliver Blume getroffen worden sein. Konkret handelt es sich um einen Verdacht der Abgasmanipulation und Manipulation von Motorkomponenten bei Sportwagen mit Benzinmotor. 

Porsche: Unzulässige Abgasmanipulation bei Sportwagen mutmaßlich nach Zulassung durch Kraftfahrzeug-Bundesamt

Laut einer Stellungnahme der Porsche AG  betrifft der Verdacht „Hard- und Softwarebestandteile, die in Typisierungsmessungen verwendet wurden“. In diesen Typisierungsmessungen müssen Fahrzeughersteller ihre Prototypen unter anderem darauf prüfen lassen, ob ihr Kraftstoffverbrauch und ihre CO2-Emissionen den EU-Richtwerten entsprechen. Ist die Prüfung erfolgreich, können alle Autos, die dem Prototyp entsprechen, in den EU-Mitgliedsstaaten zugelassen werden.

Die Manipulation bei der Porsche AG soll darin bestanden haben, dass die verkauften Sportwagen nicht in allen Punkten den vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassenen Prototypen entsprachen - jedoch nur in Einzelfällen, wie der Fahrzeughersteller aus Stuttgart Zuffenhausen betont.

Verdacht auf Manipulation bei Sportwagen, die bereits vor Jahren zugelassen wurden

Vom Verdacht auf Manipulation betroffen seien keine Sportwagen aus der aktuellen Produktion der Porsche AG, heißt es. Die Fahrzeuge, um die es bei den Ermittlungen wegen Abgasmanipulation und Manipulation von Motorkomponenten gehe, sollen aus den Jahren 2008 bis 2013 stammen. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart Zuffenhausen kooperiere bei der Untersuchung eng mit den zuständigen Behörden und werde auch neuere Porsche-Modelle prüfen, um weitere Verfehlungen auszuschließen.

Keine neuen Modelle sollen von Manipulation betroffen sein - Kraftfahrt-Bundesamt verweigert trotzdem Zulassung

Nach Informationen des Spiegel sagten Vertreter des Kraftfahrt-Bundesamts, es würden keine neuen Modelle der Porsche AG zugelassen, bis die Betriebsprüfung mit beanstandungsfreiem Ergebnis abgeschlossen sei. Davon soll mindestens ein Dutzend Sportwagen-Modelle betroffen sein.

VW-Expertengruppe soll Verdacht auf Abgasmanipulation bei Porsche AG untersuchen

Die Unternehmensstruktur der Porsche AG ist gekennzeichnet durch ihre besondere Verbindung mit der Volkswagen AG. Die Porsche AG ist nämlich seit 2009 Teil des Volkswagen-Konzerns, während die Porsche-Holding Mehrheitsgesellschafterin von VW ist. Der Volkswagen-Konzern stand im Mittelpunkt des Abgasskandals, der im September 2015 begann und bis heute die Gerichte beschäftigt.

Nun hat VW eine Expertengruppe wieder zusammengerufen, die bereits im Diesel-Skandal zusammengearbeitet hatte. So will der Volkswagen-Konzern bei seiner Sportwagen-Tochter in Stuttgart Zuffenhausen den Druck zu erhöhen. Der Verdacht auf Abgasmanipulation gegen die Porsche AG soll so schnell wie möglich vom Tisch.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/picture alliance

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