Engere Kooperation

Porsche kauft mehr Anteile einer Firma, die elektrische „Hypersportwagen“ baut

Ein Protototyp eines Hypersportwagens von Rimac bei der Testfahrt.
+
Der kroatische Hersteller Rimac baut Hypersportwagen in Kleinserien und fungiert auch als Zulieferer für Porsche.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die Porsche AG setzt auf die E-Mobilität und will den E-Sportwagen-Hersteller Rimac enger an sich binden - dafür investieren die Stuttgarter weitere 70 Millionen Euro.

Stuttgart - Die Porsche AG hat einen guten Start in die Welt der E-Autos vorgelegt. Der vollelektrische Sportwagen Taycan ist inzwischen bereits das meistverkaufte Modell der Stuttgarter in ganz Europa und knackte im vergangenen Jahr einen E-Auto-Meilenstein von über 20.000 verkauften Fahrzeugen. Porsche gehört als Tochter-Unternehmen zur Volkswagen AG. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates fährt einen Porsche Taycan und lobte kürzlich die „mutige Entscheidung“ von VW. Der Konzern aus Wolfsburg startet aktuell eine Aufholjagd im Feld der E-Autos und hat inzwischen bereits mehr elektrische Fahrzeuge verkauft als der vermeintliche Marktführer Tesla. Auch bei der Porsche AG soll die E-Mobilität noch weiter vorangetrieben werden, die Stuttgarter wollen den Verbrenner früher abschaffen als angenommen.

Als Tochter des VW-Konzerns hat die Porsche AG einen hohen Handlungsspielraum bei der Wahl der Kooperationspartner. Dem Unternehmen aus Stuttgart-Zuffenhausen gehören bereits 15 Prozent des E-Auto-Start-ups Rimac aus Kroatien. Nach langer Wartezeit will der Hersteller bald einen elektrischen „Hypersportwagen“ mit 1.900 PS auf den Markt bringen. Porsche will den kroatischen Newcomer nun enger an sich binden und seinen Anteil am Unternehmen von 15 Prozent auf fast 50 Prozent erhöhen, wie das Manager Magazin berichtet. Als Teil des Deals könnte auch der französische Rennwagen-Hersteller Bugatti, der wie Porsche zu VW gehört, die Fronten wechseln.

Porsche AG: Sportwagenhersteller beteiligt sich an Finanzierungsrunde für E-Auto-Startup

Laut einem Bericht von „Automotive News Europe“ beteiligt sich die Porsche AG an einer groß angelegten Finanzierungsrunde, durch die Rimac rund 130 bis 150 Millionen Euro aufnehmen will. Mate Rimac, Firmengründer des kroatischen E-Auto-Herstellers, sagte, das Investment solle bereits in zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein. Einen genauen Geldgeber nannte der Firmenchef jedoch nicht, berichtet das Manager Magazin. „Derzeit befinden wir uns in der nächsten Finanzierungsrunde mit einem großen strategischen Investment, das in zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein soll und nochmals 130 bis 150 Millionen Euro bringt“, so Rimac, der auch als „Elon Musk des Balkans“ bezeichnet wird.

Laut „Automotive News Europe“ könnte die Beteiligung der Porsche AG an dem kroatischen Hersteller Rimac durch das Engagement auf knapp 50 Prozent steigen. Porsche selbst bestätigte die Investition am Montag, dem 8. März, nannte jedoch eine andere Zahl. Demnach werde die Beteiligung von 15,5 auf 24 Prozent erhöht, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. „Mit Mate Rimac und seinem Team haben wir einen wichtigen Partner an unserer Seite, der uns insbesondere bei der Entwicklung von Komponenten unterstützt“, sagte Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke. „Rimac ist auf dem besten Weg, ein Tier-1-Lieferant für Porsche und andere Hersteller im Hochtechnologie-Segment zu werden.“ Als Tier-1 werden Zulieferer bezeichnet, die direkt an die Hersteller liefern.

Porsche AG: Engere Zusammenarbeit mit Rimac - Bugatti als Teil des Deals?

Die Porsche AG ist bereits im Jahr 2018 als Investor bei dem noch jungen kroatischen Hersteller Rimac eingestiegen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Sveta Nedelja bei Zagreb entwickelt nicht nur elektrische Hypersportwagen in Kleinserien, sondern fungiert auch als Zulieferer für andere Autobauer. Neben Porsche beliefert Rimac demnach auch die Hersteller Aston Martin, Koenigsegg, Renault und Hyundai, wie das Manager Magazin berichtet. Hyundai selbst hat ebenfalls Anteile an dem aufstrebenden kroatischen Unternehmen. Die Stuttgarter Porsche AG hatte 2019 bereits ihren Anteil aufgestockt und über eine engere Zusammenarbeit war seit Längerem spekuliert worden.

Laut dem Bericht von „Automotive News Europe“ könnte auch der französische Rennwagenhersteller Bugatti Teil der engeren Kooperation zwischen der Porsche AG und Rimac sein. Eine Entscheidung bezüglich der Zukunft von VW-Tochter Bugatti werde im ersten Halbjahr 2021 erwartet, sagte Porsche-Chef Oliver Blume. Rimac könne dabei eine Rolle spielen. Demnach könnte der Hersteller aus dem Elsass zu der kroatischen Sportwagen-Schmiede wechseln. Porsche betonte jedoch, man wolle mit der Aufstockung der Anteile auf 24 Prozent nicht die Zügel der Kroaten übernehmen. „Da wir viele Autohersteller weltweit als Kunden haben, ist es sowohl für Rimac als auch für Porsche wichtig, dass wir ein völlig unabhängiges Unternehmen bleiben“, sagte auch Mate Rimac laut der dpa.

Porsche AG und Rimac: Kroatisches Unternehmen plant Expansion und mögliche Spaltung

Durch die engere Kooperation zwischen der Porsche AG und Rimac stehen dem kroatischen E-Auto-Hersteller weitere Türen offen. Während Porsche das E-Auto neu erfinden will und eine Mischung aus SUV und Sportwagen ankündigte, will Rimac weiter im Feld der E-Mobilität expandieren. Zudem gebe es offenbar Überlegungen, das Unternehmen aufzuspalten, um zukünftig getrennt als Sportwagenbauer und Zulieferer zu fungieren, wie das Manager Magazin berichtet.

„Wir denken darüber nach, die Firmen auch formal zu teilen“, sagte Mate Rimac im Interview mit der Automobilwoche. „Auf der einen Seite die Hypercars, wo wir zeigen wollen, was technisch bei einem Elektroantrieb möglich ist. Dies werden immer Kleinserien unter hundert Exemplaren pro Jahr sein. Wir reden hier über 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und eine gute Rendite.“

Mit dieser Absicht will Rimac jedoch das Zulieferergeschäft, von dem auch die Porsche AG profitiert, nicht aufgeben. Im Gegenteil, die Kroaten erhoffen sich durch die Sportwagen-Produktion zukünftig weitere Zuliefererkooperationen. „Das Auto ist auch ein Aushängeschild“, sagte Mate Rimac. „Wenn so ein Modell in Genf steht und die Chefs von Audi, Mercedes oder Porsche sehen das, dann schafft das Aufmerksamkeit und Aufträge für das Geschäft mit Komponenten.“ Demnach ist sogar eine Kooperation für Rimac als Zulieferer für die Daimler AG beziehungsweise die Mercedes-Benz AG zukünftig nicht ausgeschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare