Üppige Prämie

Porsche polarisiert mit 7.850 Euro Mitarbeiter-Bonus: „Zum Kotzen“ oder „Neidgesellschaft“?

Ein Mitarbeiter der Porsche AG montiert im Hauptwerk in Stuttgart Zuffenhausen ein Airbagmodul.
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Die Porsche AG zahlt Mitarbeitern für 2020 einen hohen Bonus - trotz Coronakrise.
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Die Porsche AG zahlt ihren Mitarbeitern für das Jahr 2020 eine üppige Prämie. Und dass, obwohl die Produktion im Lockdown wochenlang stillstand und der Sportwagenbauer Kurzarbeit beantragt hatte.

Stuttgart - Die Porsche AG ist bekannt dafür, ihre Mitarbeiter mit üppigen Prämien zu belohnen. Für das Jahr 2019 bekam jeder der 16.000 Angestellten einen Bonus in Höhe von 9.700 Euro ausbezahlt - und auch sonst sind die Gehälter bei Porsche überdurchschnittlich hoch.

Die Coronakrise traf auch den Sportwagenhersteller aus Stuttgart. So kam es im ersten Lockdown sechs Wochen lang zum Produktionsstopp. Ein Drittel der Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Porsche erhielt dafür staatliche Hilfen - wie viele andere Unternehmen in Deutschland auch. Jüngst kündigte die Porsche AG einen harten Sparplan an - 10 Milliarden Euro will der schwäbische Autobauer einsparen. Denn trotz Pandemie muss Porsche Milliarden in die E-Mobilität investieren.

Die Auszahlung der Prämie von Porsche für das Jahr 2020 wurde deshalb mit Spannung erwartet. Würde es überhaupt einen Bonus geben? Und wenn ja: Fällt die Erfolgsbeteiligung deutlich niedriger aus, als man es von dem Sportwagenhersteller aus Stuttgart erwarten würde?

Zwar kam Porsche bisher erstaunlich gut durch die Coronakrise, während andere Autohersteller bluten mussten. Und auch 2021 beginnt vielversprechend: So steuert der Fahrzeughersteller aus Stuttgart einen Rekordabsatz an und könnte erstmals 300.000 Autos verkaufen. Erwartete Umsatzrendite: 15 Prozent. Zudem versprach Porsche allen Mitarbeitern Jobsicherheit. In den nächsten zehn Jahren würden keine Stellen gestrichen werden, sagte Finanzchef Lutz Meschke gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

Trotzdem ist das Ende der Coronakrise nicht in Sicht. Der Lockdown steht vor einer weiteren Verlängerung und die Infektionszahlen schnellen wieder in die Höhe. Das wirkt sich auch auf die Konjunktur aus. Keine guten Vorzeichen für den sonst so üppigen Bonus, der eine Karriere bei Porsche so attraktiv macht. Oder?

Die Porsche AG enttäuschte ihre Mitarbeiter nicht. Am Freitag gab der Sportwagenbauer in der Bilanz-Pressekonferenz einen Bonus von bis zu 7850 Euro für das Jahr 2020 bekannt. Immer noch eine stolze Summe und weit über den Prämien der Konkurrenz (VW: 2700 Euro, Daimler: 500 Euro).

Mit ihrer hohen Rendite steht die Porsche AG trotz Coronakrise sehr gut da - vor allem im Vergleich mit anderen Autobauern. So gut, dass Mutterkonzern VW abwägt, Porsche an die Börse zu bringen. Auf das Jahr 2020 zurückblickend sprach der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume sprach von einem „tollen Erfolg für die gesamte Mannschaft“. Trotz Corona-Pandemie sei 2020 insgesamt ein gutes Jahr gewesen, sagte der Porsche Chef bei der Bilanzpressekonferenz. „Wir haben in diesem schwierigen Umfeld Zusammenhalt, Kampfgeist und Herzblut bewiesen“, sagte Blume.

Die Mitarbeiter können sich über die überraschend üppige Prämie der Porsche AG freuen. In der Öffentlichkeit sind die Meinungen dagegen geteilt. Schon vergangenes Jahr kritisierte die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) die Höhe der Bonuszahlung von Porsche an seine Mitarbeiter. „Angesichts der Tatsache, dass Porsche aktuell aber Kurzarbeitergeld beantragt hat und damit staatliche Unterstützung in Anspruch nimmt, sind derartig üppige Prämienzahlungen sicherlich nicht das richtige Signal und führen verständlicherweise auch in der Öffentlichkeit zu Irritationen“, sagte sie.

Und auch die Porsche-Prämie für 2020 löst hitzige Diskussionen aus. Viele Kommentare in den sozialen Netzwerken fallen positiv aus. „Freut mich für jeden MA von Porsche. Lieber Geld bei Mitarbeitern, die die Kohle auch wieder in den Markt bringen als bei Großaktionären, wo die Kohle nur als Zahl auf dem Konto steht“, schreibt ein Nutzer bei Facebook. „Ich gratuliere den Porschekollegen zu diesem tollen Ergebnis! Davon können Daimler-Mitarbeiter leider nur träumen, trotz vollem Mitarbeitereinsatz scheint dies dem Vorstand nicht zu reichen“, kommentiert ein anderer.

Doch der üppige Bonus von Porsche löst auch Wut aus. „Vielleicht aber nur vielleicht könnte man die Kohle wieder zurückzahlen, die man mit Kurzarbeit und Subventionen aus dem System gezogen hat“, kommentiert ein Facebook-User.
„Denn dafür mussten alle Steuerzahler herhalten. Aber man zahlt ja auch Millionen an Großaktionäre.“ Eine Kommentiere urteilt gar: „Nur zum Kotzen was in diesem Großkonzernen läuft! Kassieren enorme Hilfen vom Staat, während die, die es dringend nötig haben, nichts bekommen außer den Dauerlockdown!“

Ein anderer Nutzer schlägt vor: „Na dann kann Porsche ja seine erhaltenen Zahlungen für die ca. 10.000 Mitarbeiter, die in Kurzarbeit waren, auch zurückzahlen. Wäre doch ne gute Idee. Da freut sich dann die Kosmetikerin in ihrem seit Monaten geschlossenen Studio drüber.“ Er fügt hinzu: „Ich bin nicht neidisch auf die Auszahlung der Boni. Wer gute Arbeit geleistet hat soll den Bonus erhalten. Kein Thema. Nur war dieses Ergebnis nur möglich, weil Gelder vom Staat geflossen sind. Und zwar deutlich mehr als der Friseur um die Ecke als Soforthilfe nach Monaten endlich mal gesehen hat. Und DAS ist nicht fair!“

Wiederum andere Facebook-Nutzer werfen Kritikern des Porsche-Bonus Missgunst vor: „Typische Neidgesellschaft. Sei es doch den Mitarbeitern vergönnt, ein Stückchen vom Gewinnkuchen abzubeißen“, schreibt einer. Eine andere Userin findet: „Neid ist leider sehr ausgeprägt in Deutschland. Und für alle, die immer mit dem Kurzarbeitergeld anfangen. KAG ist keine Sozialleistung, sondern eine Versicherungsleistung, welche die ganze Zeit eingezahlt wird, um bei Bedarf abgerufen zu werden. Mein Sohn, Auszubildender seit 3 Jahren bei Porsche, hatte bisher nur einen Tag Fehlzeit wegen Krankheit und er steht jeden Morgen hoch motiviert wie ein Uhrwerk auf. Also muss auch das Betriebsklima in dieser tollen Firma stimmen. Also bitte keinen Neid, alles hochverdient.“

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