Startup aus Stuttgart

Zwei Ex-Porsche-Ingenieure gründen Startup, um eines der größten Probleme von Autobauern zu lösen

Einblick in die Produktion des Porsche Taycan in Stuttgart-Zuffenhausen.
+
Die Porsche AG setzt bei der Produktion des Taycan bereits auf die Plattform des Stuttgarter Startups.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Zwei ehemalige Ingenieure des Sportwagenherstellers Porsche gründeten ein Start-up. Ihre Plattform könnte die Lösung für ein großes Problem der Autobranche sein.

Stuttgart - Die Porsche AG ist nicht nur ein weltweit bekannter Sportwagenhersteller, sondern auch ein wichtiger Teil der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Im vergangenen Jahr wurde Porsche von einem Jobvermittlungsportal sogar zum Arbeitgeber des Jahres gekürt. Auch durch die Gehälter beim Stuttgarter Autobauer würden sicher viele gerne bei der VW-Tochter aus Zuffenhausen arbeiten.

Zwei ehemalige Ingenieure haben ihren Job bei Porsche Consulting dagegen freiwillig aufgegeben, berichtet das Handelsblatt. Sie gründeten in der Landeshauptstadt Stuttgart ein aufstrebendes Start-up. Damit wollen die beiden Freunde einem Problem entgegenwirken, dass die weltweite Autoindustrie aktuell regelrecht lahmlegt.

Porsche AG: Ex-Ingenieure gründen Startup - Idee ist aktuell so wichtig wie nie zuvor

Als Ingenieure bei der Porsche AG hatten Lukas Biedermann und Martin Weber gutbezahlte Jobs, auf die wohl so mancher neidisch wäre. Dennoch entschlossen sich die beiden, auf eigenen Füßen zu stehen und etwas Neues zu starten. Das Start-up, das die beiden aus einer Büroetage in der Stuttgarter Innenstadt leiten, entwickelt „Sparetech“, eine Softwareplattform zur Digitalisierung des industriellen Ersatzteilmanagements, berichtet das Handelsblatt. Das klingt zunächst wenig spannend und nicht lukrativer als ein gut bezahlter Job bei Porsche. Auch Lukas Biedermann bestätigte, dass dieses Thema bei der Veröffentlichung seiner Doktorarbeit im Jahr 2018 quasi niemanden interessierte.

Seitdem hat sich in der Autoindustrie jedoch einiges verändert. Die Autobauer haben seit Beginn des Jahres unter einem erheblichen Lieferengpass von Halbleiterkomponenten zu kämpfen. Das betraf in den vergangenen Monaten auch den ehemaligen Arbeitgeber von Biedermann und Weber. Porsche musste wegen fehlender Bauteile etwa Dummy-Teile in die Autos einbauen. Die Idee der beiden Startup-Gründer ist demnach aktuell so wichtig, wie nie zuvor. Der Name der Plattform leitet sich übrigens vom englischen für Ersatzteil, „spare part“, und „tech“ für Technologie ab, schreibt das Handelsblatt.

Porsche AG, Bosch und Co.: Startup hat bereits namhafte Kunden

Die Softwareplattform Sparetech der beiden ehemaligen Ingenieure der Porsche AG soll als Verfügbarkeitsplattform die Lager der Hersteller entschlacken und Kosten sparen. Statt Unmengen an Ersatzteilen auf Lager zu haben, sollen diese erst dann bestellt werden, wenn sie auch tatsächlich benötigt werden. „Wir haben die digitale ‚Datenautobahn‘ für kosteneffizientes Ersatzteilmanagement und resiliente Lieferketten nach Covid-19 entwickelt“, erklärt Martin Weber dem Handelsblatt.

„Wir ermöglichen die Smart Factory, in der Ersatzteile zum Zeitpunkt des tatsächlichen Bedarfs eingekauft werden.“ Die aktuell stark beeinträchtigten Lieferketten sollen dadurch gestärkt werden, indem alle Abläufe, von der Identifikation bis zur Bestellung von Ersatzteilen für die Maschinen und Anlagen, automatisiert werden.

Das System der beiden Ingenieure scheint bei den namhaften Kunden bereits gut zu funktionieren. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch aus Stuttgart hat mit Sparetech an einem Standort einen Effizienzgewinn von rund 50 Prozent erreicht, teilte das Start-up laut dem Handelsblatt mit. Auch Hersteller wie Volkswagen und Airbus und Anbieter von Automatisierungstechnik wie Siemens, Rexroth und Festo gehören bereits zu den Kunden.

Und auch bei der Porsche AG läuft das gesamte Ersatzteilemanagement der Produktion des E-Sportwagens Taycan über Sparetech ab. „Unsere Vision ist es, Deutschland und Europa auf den globalen Logistikmärkten wettbewerbsfähiger zu machen, indem wir die weltweit führende Verfügbarkeitsplattform für industrielle Ersatzteile erschaffen“, erklärt Weber.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare