Porsche, Ohrringe und Haarkränze

Warum „Porsche“ nun in der Bundesregierung sitzt

Nahaufnahme des Porsche-Logos auf einem Porsche Cayenne.
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In der deutschen Gebärdensprache wird Finanzminister Christian Lindner mit der Gebärde „Porsche“ bezeichnet. Wie auch der Stuttgarter Autobauer.
  • Julian Baumann
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In der deutschen Gebärdensprache wurden Gebärden für die neue Bundesregierung festgelegt. Deshalb sitzt nun unter anderem „Porsche“ im Bundestag.

Stuttgart/Berlin - Wer das Wort „Porsche“ hört, denkt vermutlich zunächst an den weltbekannten Sportwagenbauer Porsche AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Das heutige Unternehmen geht bis ins Jahr 1930 und ein kleines Konstruktionsbüro zurück, das damals von Namensgeber Ferdinand Porsche in Stuttgart eröffnet wurde. Nachfahren des Stammvaters der Familie Porsche kontrollieren heute zusammen mit der Familie Piëch mehrheitlich den Volkswagen-Konzern, zu dem die Stuttgarter Porsche AG seit dem Jahr 2009 gehört.

Nun trägt ein Politiker den Namen „Porsche“, der mit der Familie von Ferdinand Porsche nichts zu tun hat. In der deutschen Gebärdensprache, einer eigenständigen Sprache mit eigener Grammatik, mussten Gebärden für die neue Bundesregierung festgelegt werden. Die Gebärdensprachen sind beschreibende Sprachen, weswegen die Aussprache beziehungsweise Gebärde von Namen wie Olaf Scholz (SPD), Friedrich Merz (CDU) oder Christian Lindner (FDP) nicht möglich sind. Für den erklärten Sportwagenfan Christian Lindner, Bundesfinanzminister und FDP-Vorsitzender, hat sich die Gebärde für „Porsche“ etabliert, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet.

Porsche AG: Namen des Autobauers wird in Gebärdensprache zum Namen von Finanzminister Lindner

Die Porsche AG ist weltweit für ihre Sportwagen und SUVs wie den Cayenne bekannt und sitzt jetzt sogar im Bundestag? Dass Christian Lindner mit der Gebärde „Porsche“ bezeichnet wird, ist laut der FAZ seiner Vorliebe für schnelle Autos zu verdanken. Allerdings ist die Wahl der Gebärde für den Finanzminister eher ungewöhnlich. Normalerweise werden Gebärden für Personen nämlich nach Äußerlichkeiten wie Körpergröße, Haarlänge oder ähnlichem ausgewählt.

Bei der Gebärde „Porsche“ werden beide Hände auf Hüfthöhe am Körper vorbeigezogen, was wohl die Form eines Sportwagens der Porsche AG nachahmen soll. Die Hände sind dabei geöffnet. Es gibt allerdings mehrere Varianten, dieses Wort in der deutschen Gebärdensprache zu sagen. Beispielsweise können die Hände beziehungsweise Arme auch höher am Körper vorbeigeführt werden, sodass der Gebärdende am Ende der Gebärde mit ausgestreckten Ellbogen dasteht.

Politiker-Namen in der deutschen Gebärdensprache: Diskussion über Gebärde für Olaf Scholz

Während Christian Lindner durch seine Vorliebe für schnelle Autos mit der Gebärde „Porsche“ bezeichnet wird, wirken sich bei seinen Amtskollegen eher Äußerlichkeiten auf die Bezeichnung aus. Für Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) werde beispielsweise eine springende Bewegung am Ohr verwendet, die auf ihre frühere Karriere im Trampolinspringen und ihre markanten Ohrringe hinweise, erklärte Gebärdensprachdolmetscherin und -dozentin Katja Fischer der FAZ. Bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) werde dagegen noch immer die Gebärde für eine Fliege nachgezeichnet, obwohl er ein solches Accessoire bereits seit langem nicht mehr trage.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde lange mit einer Gebärde bezeichnet, die ihre herunterhängenden Mundwinkel symbolisierten. „Das war vielen irgendwann zu missmutig, deswegen wurde dann die Gebärde für ,Merken‘ genutzt“, sagte Fischer. Für ihren Nachfolger Olaf Scholz (SPD) wurde häufig mit dem Finger über dem Kopf gekreist, um das schüttere Haar des Politikers zu symbolisieren. „Das ist aber nicht passend, um das als Dolmetscherin in Nachrichtensendungen zu nutzen“, so Fischer. Deshalb würden aktuell andere Varianten diskutiert.

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