Kommentar

Porsche, was soll das? Eure neue Strategie ist einfach nur peinlich

Heck eines Porsche Cayenne neben dem Logo des Autobauers
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Ein Porsche in Schwarz und mit ausgefeilter Technik? Nichts für Frauen, glaubt der Autobauer
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Die Stuttgarter Porsche AG hat ein Frauenproblem: Die haben nämlich offenbar kaum Interesse an den kostspieligen Sportwagen. Der Autohersteller handelt - und lackiert die Autos pink. Eine Gendermarketing-Hölle.

Stuttgart - Frauen und Autos? So richtig passt das ja nicht zusammen, das wissen wir doch alle. Frauen interessieren sich nicht für Autos, sondern für Schuhe und Kleider. Vielleicht noch für staubsaugende Roboter. Aber dann ist das Maximum an Technikbegeisterung erreicht.

Und genau hier hat das Marketing der Porsche AG das große Problem ausgemacht: Kaum eine Frau will einen Porsche kaufen. Nur 13 Prozent der Porsche-Käufer sind Frauen. Ein unhaltbarer Zustand. Woran das liegt? Die Autos sind „zu maskulin und puristisch“, haben die Experten beim Autobauer herausgefunden.

Nach einem offenbar völlig aus dem Ruder gelaufenen Brainstorming hat Porsche ein Marketing aus dem Hut gezaubert, für das sich die Chefetage des Autobauers schämen sollte. Porsches Vertriebschef will Frauen „in ihrer Lebenswelt“ abholen - hat sich jedoch im Jahrhundert geirrt.

Porsche entwickelt Kampagne für Frauen: rosa statt schwarz

Die erste Idee von vielen, um Porsche für Frauen attraktiv zu machen: die Männerkisten müssen zum Mädchenauto umlackiert werden. „Frozen Berry“ ist der neue heiße Trend in der Farbpalette von Porsche. Zumindest für den Taycan. Frostiges Rosa-grau statt abschreckendes Schwarz, einfach toll. Wer kam bloß auf diese geniale Idee? Immerhin hat sich doch erst kürzlich gezeigt, wie erfolgreich Männer sind, wenn sie Frauen mit pinker Farbe ködern wollen wie tz.de* berichtete. Gendermarketing aus der Hölle.

Porsche AG: Um mehr Frauen als Kundinnen anzusprechen, setzt der Sportwagenhersteller auf individuelle Ausstattung, zum Beispiel bei der Farbe.

Auch die folgende Idee verdient Beifall: Der technische Schnickschnack muss raus aus den Autos. Frauen wollen leichte Bedienbarkeit, weiß man bei Porsche. Deshalb soll Sprachsteuerung ins Auto - und intuitive Displays. Im Gegensatz zu Männern haben Frauen den Marketingexperten zufolge kein großes Interesse an technischen Details. Und auch nicht an Leder im Auto. Das muss ebenfalls raus, denn Frauen wollen Nachhaltigkeit. Die Modebranche wird zudem für Werbekampagnen herangezerrt. Das soll die weiblichen Kunden begeistern. Wäre es nicht fabelhaft, wenn Auto und Handtasche vom gleichen Designer kommen?

Frauen, kauft endlich einen pinken Porsche!

Bei so einer stumpfsinnigen Klischee-Kampagne bleibt eigentlich nur noch eins: Mitleid. Frauen, tut den Porsche-Chefs einen Gefallen: Kommt endlich hinterm Herd hervor und geht ins Autohaus. Kauft euch einen pinken Porsche. Und wenn ihr es selbst nicht könnt - die Schlitten sind schließlich nicht billig -, dann fragt eure Männer. Dank „Gender Pay Gap“ können die sich ein 100.000-Euro-Auto schließlich eher leisten als ihr.

Ihr findet technische Details eigentlich ziemlich gut und steht überhaupt nicht auf bunt? Tja, Pech gehabt. High-Tech und Performance sind nichts für euch, das ist für Männer. Schließlich zieht man einem Mädchen auch keinen blauen Strampler an, oder Herr Blume? Und für die Männer, die „Frozen Berry“ ziemlich cool finden: Behaltet das bloß für euch. Kauft schwarz. Wenn jeder einfach kaufen würde, was ihm gefällt, wäre die ganze pinke Kampagne für Frauen am Ende noch überflüssig. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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