E-Fuels aus Windenergie

Porsche-Manager überzeugt: An dieser E-Auto-Alternative „führt kein Weg vorbei“

Ein roter Taycan GTS Sport Turismo der Porsche AG fährt durch eine Stadt.
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Die Porsche AG setzt mit dem Taycan auf die E-Mobilität. Laut einem Manager führt an einer Alternative aber kein Weg vorbei.
  • Julian Baumann
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Die Porsche AG setzt auf die E-Mobilität. Laut einem Manager des Sportwagenbauers ist eine Alternative zu den E-Autos aber unumgänglich.

Stuttgart - Im vergangenen Jahr stellte die Porsche AG mit dem Modell Taycan ihren ersten vollelektrischen Sportwagen vor. Der Stromer verkaufte sich bislang sehr gut, Porsche erreichte einen E-Auto-Meilenstein von 20.000 verkauften Fahrzeugen. Inzwischen gibt es den Porsche-Taycan in mehreren Varianten, beispielsweise als Cross Turismo. Schon bald sollen auch weitere Modelle der Porsche AG elektrifiziert werden, der E-Macan ist bereits angekündigt.

Im Gegensatz zu anderen Autobauern wie der Daimler AG, die ab 2030 nur noch E-Autos produzieren will, setzt die Porsche AG seit Langem auch auf Alternativen. Porsche entwickelt einen alternativen Antrieb, der weder E-Auto noch Wasserstoff ist. Für die sogenannten E-Fuels errichtete Porsche eine Fabrik in Chile, dort soll aus Windenergie Strom gewonnen werden. An dieser Alternative zum Elektroantrieb führt laut Frank Walliser, dem Leiter der legendären Porsche-Reihe 911, auch kein Weg vorbei, wie er auf der Los Angeles Auto Show gegenüber ntv sagte.

Porsche AG will bis 2030 „Emissionsfreiheit“ erreichen - jedoch nicht nur mit E-Autos

Obwohl die Porsche AG mit dem elektrischen Taycan große Erfolge feiert, soll die Pilotanlage in Chile durch E-Fuels einen alternativen Antrieb bieten. „E-Fuels haben wir in Chile mit einem Pilotprojekt gestartet“, sagte Frank Walliser auf der Los Angeles Auto Show gegenüber ntv. „Wir bauen mit Partnern zusammen eine prototypische Anlage, im Wesentlichen, um zu zeigen, dass es geht.“ Das Projekt befinde sich aktuell noch in der Anfangsphase, solle den eingeschlagenen Weg der Porsche AG mit einerseits „der Elektrifizierung in großen Schritten“ und andererseits der „Erhaltung unserer hochemotionalen Verbrennungsmotoren“ unterstützen, so Walliser.

Dass die Porsche AG mit den E-Fuels die beliebten Verbrenner-Modelle retten möchte, ist laut Frank Walliser nicht der Hauptgrund. „Uns geht es ganz ernsthaft um die Reduzierung der CO₂-Emissionen“, sagte der Manager. „Wir wollen bis 2030 Emissionsfreiheit erreichen.“ Demnach will Porsche dieses Ziel im selben Jahr erreichen, wie die ebenfalls in der Landeshauptstadt Stuttgart ansässige Daimler AG. Im Gegensatz zum Großkonzern will die VW-Tochter allerdings nicht nur auf die E-Mobilität setzen. Auch der neue Bosch-Chef Stefan Hartung mahnte, dass die Alternative zum E-Auto zu wenig beachtet werde.

Porsche AG: E-Fuels sollen für die Bestandsflotte zum Einsatz kommen

Die Frage stellt sich jedoch, ob bei dem Fokus der deutschen und europäischen Automobilbranche und auch der Politik auf die Elektromobilität die Alternative der E-Fuels überhaupt eine Chance hat. „Wenn wir ernsthaft und in großen Schritten CO₂ reduzieren wollen, was für Porsche gilt, dann führt da gar kein Weg vorbei“, machte Frank Walliser im Gespräch mit ntv deutlich. „Wir haben Bedarf für Flugzeuge, für Schiffe und werden es auch für Einsatzfahrzeuge und Sonderanwendungen haben.“ Zudem würden sich die beiden Antriebsarten ergänzen. „Batterieelektrische Fahrzeuge adressieren sicherlich sehr stark das Thema Neuwagenflotte, aber es gibt eben auch eine Bestandsflotte.“

Demnach sollen die E-Fuels, die ich Chile aus Windenergie gewonnen werden, für die Bestandsflotte der Porsche AG und anderen Unternehmen zum Einsatz kommen. Bis die heutige Bestandsflotte mit Verbrenner-Motoren vollständig durch batterieelektrische Fahrzeuge ersetzt wurde, dauert es laut Frank Walliser noch 20 oder 30 Jahre dauern. „Und in dieser Zeit muss man sich auf jeden Fall mit synthetischen Kraftstoffen helfen.“

Porsche-Manager erklärt, warum sich das Unternehmen für eine Pilotanlage in Chile entschied

In der weltweiten Automobilbranche ist in den vergangenen Jahren ein regelrechter Aufbruch zu spüren. Die großen Autobauer verlagerten beispielsweise ganze Arbeitsschritte nach China oder bauen Modelle sogar ausschließlich im Reich der Sonne oder in anderen Ländern. Die Porsche AG hat sich als in Stuttgart gegründetes und ansässiges Unternehmen jedoch das Prädikat „Made in Germany“ auf die Fahnen geschrieben. Neben dem Hauptwerk im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen ist beispielsweise das Werk in Leipzig ein wichtiger Produktionsstandort. Dass sich der Sportwagenbauer beim Standort für die Pilotanlage für E-Fuels bewusst für einen Ort außerhalb Deutschlands entschieden hat, hat laut Frank Walliser bestimmte Gründe.

Als die Porsche AG bekannt gab, die Pilotanlage in Chile errichten zu wollen, tat sich sowohl Deutschland als auch die EU mit diesem Thema schwer. „Wenn man so eine chemische Anlage laufen hat, muss sie 24 Stunden kontinuierlich laufen“, sagte Frank Walliser gegenüber ntv. Dafür brauche man aber eine erneuerbare Energiequelle wie Wind, der an dem ausgesuchten Standort in Chile 24 Stunden am Tag zum Teil heftig über das Land fege. Nun müsse man sich die Weltkarte anschauen und der Frage nachgehen, wo es viel Wind und Sonne gebe, die man auch speichern könne. „Und das ist nicht in Deutschland“, so Walliser.

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