Ladenetz und Batteriefertigung

Porsche plant exklusives Netz von Ladestationen nur für die eigenen E-Autos

Ein grüner Taycan Cross Turismo der Porsche AG fährt auf einer Straße.
+
VW will ein europaweites Ladenetz für E-Autos errichten - die Porsche AG plant exklusive Ladesäulen für ihre Modelle.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Der VW-Konzern will das Ladenetz für E-Autos in Europa massiv ausbauen und hängt damit auch die Daimler AG und Co. ab - Die VW-Tochter Porsche soll dabei exklusive Ladestationen erhalten.

Stuttgart/Wolfsburg/München - In der deutschen Autoindustrie ist ein deutlicher Wandel bemerkbar. Die großen Autobauer verabschieden sich immer mehr von dem Verbrenner und stellen die Produktion auf E-Autos um. Die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart will bis zum Jahr 2025 über zehn neue Modelle der elektrischen Baureihe EQ auf den Markt bringen. Bislang verlief der Start für den Konzern jedoch schleppend. Der elektrische Daimler-SUV EQC blieb weit hinter den Erwartungen zurück und der kleinere EQA rief ebenfalls nur gemischte Reaktionen hervor.

Im Jahr 2017 ging die Daimler AG mit der Volkswagen AG und der BMW AG eine Kooperation ein. Ziel des gemeinsamen Joint Venture Ionity ist der Aufbau des leistungsstärksten Schnellladenetzes für Elektrofahrzeuge in Europa. Während Baden-Württemberg bereits über eine gute E-Infrastruktur verfügt, sieht das in anderen deutschen Bundesländern und auch in anderen europäischen Ländern noch anders aus. VW will nun jedoch auf ein eigenes Netz aus E-Ladestationen setzen und kündigte an, die Menge an Stationen in Europa um das fünffache ausweiten zu wollen, wie das Manager Magazin berichtet. Damit könnte sich VW weiter als größter Konkurrent des Auto-Pioniers Tesla profilieren und Daimler und BMW abhängen.

Daimler AG und Co.: VW setzt auf eigenes Ladenetz - Porsche soll exklusive Stationen bekommen

Durch den Fokus auf die E-Mobilität wird eine weitverzweigte Infrastruktur für Ladesäulen immer wichtiger. Durch die noch immer relativ geringe Reichweite der E-Autos pro Akkuladung sind deutlich mehr Stationen notwendig als beispielsweise Tankstellen für Benzin und Diesel. Bei dem kürzlich veranstalteten „Power Day“ des VW-Konzerns, wurde neben der Ankündigung von neuen Fabriken für die Batterieproduktion auch über den massiven Ausbau des Ladenetzes in Europa gesprochen. Dafür sollen neue Kooperationen mit Energiefirmen geschlossen werden. Laut dem Manager Magazin plant VW, bis 2025 18.000 Schnellladestationen für E-Autos in Europa anbieten zu können. Das Joint Venture mit der Daimler AG und BMW spielt dabei jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle.

Bei der virtuellen Veranstaltung des VW-Konzerns war auch Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, zugeschaltet. Die VW-Tochter aus Stuttgart plane ein eigenes Ladenetz, speziell für die Porsche-Kunden, sagte Blume. Der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen feiert mit seinem elektrischen Taycan bereits große Erfolge und knackte im vergangenen Jahr sogar einen E-Auto-Meilenstein. Während der Mutterkonzern bei der Planung des Ladenetzes dem Vorbild Teslas nacheifert und die Ladestationen für alle Fahrzeugtypen zugänglich machen möchte, ist das „ergänzende“ Netz von Porsche nur für die eigenen Modelle ausgelegt. Blume sagte jedoch, er verstehe das Porsche-Netz als Ergänzung zu Ionity mit der Daimler AG und BMW.

Daimler AG und BMW: VW hängt Konkurrenten auch mit Batterieproduktion ab

Während der große US-Konkurrent Tesla bereits eigene Batterien für seine E-Autos baut, setzt die Daimler AG nach wie vor hauptsächlich auf Zulieferer. Daimler will zwar in Gaggenau eine neue Fabrik für das Recyceln von Altbatterien errichten, der Hauptteil der Zellen kommt jedoch noch immer aus dem Ausland. VW kündigte beim „Power Day“ an, mit Partnern ein europaweites Netz eigener Batteriezellfabriken aufbauen zu wollen, berichtet das Manager Magazin. Die Batterie ist der wichtigste und teuerste Teil eines E-Autos- VW verlässt sich demnach lieber auf die eigene Expertise. Daimler und BMW wollen dagegen weiter auf Zulieferer aus China, Südkorea oder Schweden setzen.

Insgesamt scheint der VW-Konzern aktuell die Nase vorn zu haben - zumindest bei den deutschen Autobauern. Durch ein eigenes Netz an Batteriefabriken muss sich der Autobauer aus Wolfsburg nicht mehr auf andere Verlassen und braucht damit auch Engpässe bei der Batterielieferung oder Probleme mit den Zulieferern nicht zu befürchten. Von dem groß angelegten Ladenetz in Europa profitieren demnach aber auch die Fahrer eines Modells der Daimler AG. Und auch das Joint Venture Ionity ist noch nicht vom Tisch. Der Name sei bei der Präsentation von VW mehrfach gefallen, berichtet das Teslamag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare