„Absolute Jobgarantie“

Porsche setzt auf eine Strategie, von der Daimler-Mitarbeiter nur träumen können

Mitarbeiter stehen während einer Showproduktion zur Eröffnung der Produktion des Porsche Taycan, dem ersten rein elektrischen Modell des Sportwagenherstellers, in der Endkontrolle.
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2019 startete die Produktion des Porsche Taycan, dem ersten rein elektrischen Modell des Sportwagenherstellers.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Die Autobauer Porsche und Daimler müssen beide sparen - handhaben Personalfragen aber unterschiedlich.

Stuttgart - Die Porsche AG plant bis zum Jahr 2025 Einsparungen von 10 Milliarden Euro. Grund für den strikten Sparplan des Sportwagenherstellers aus der Landeshauptstadt Stuttgart ist vor allem der Wandel hin zur E-Mobilität - denn er erfordert kostspielige Investitionen. Ähnlich geht es der Daimler AG.

Während Daimler seinen Mitarbeitern sechsstellige Summen zahlt, damit sie den Konzern verlassen, verfolgt Porsche eine ganz andere Strategie. Wie Finanzchef Lutz Meschke gegenüber den Stuttgarter Nachrichten betont, würden bei Porsche keine Stellen gestrichen - zumindest nicht in den nächsten zehn Jahren. „Die Stammbelegschaft hat durch die Standortsicherungsvereinbarung bis 2030 eine absolute Jobgarantie“, so Meschke. Auch habe man mit der neuen Produktionslinie des Taycan, dem meistverkauften Porsche-Modell in Europa, bereits „massiv neue Arbeitsplätze geschaffen“.

Porsche AG investiert in IT-Spezialisten - Daimler baut Stellen ab

Für den Porsche-Finanzchef steht fest: Man will in Zukunft noch stärker Mitarbeiter in Bereichen der Softwareentwicklung, Elektrifizierung und Digitalisierung einstellen. „IT ist ein entscheidender Faktor“, sagte er den Stuttgarter Nachrichten. „Wer hier nicht entschlossen investiert, spielt in der Mobilität der Zukunft keine Rolle.“ So suche man Spezialisten in Deutschland und an Standorten der Porsche AG weltweit. Ist Porsche Daimler hier einen Schritt voraus? Durch seine Massenkündigungen könnte Daimler genau in diesem Bereich wichtige Fachkräfte verlieren.

Erst kürzlich verkündete der Betriebsratschef der Daimler AG, Michael Brecht, in einem persönlichen Brief an die Mitarbeiter, dass langfristig bei Daimler 40 Prozent aller Jobs wegfallen. Bislang lautet der Plan, die künftig überzählige Belegschaft weitgehend über Frühverrentung und Abfindungen vom Lohnzettel zu bekommen. Porsche-Finanzchef Meschke hält von solchen Abfindungsprogrammen nichts. „Das hielte ich für den völlig falschen Weg“, sagte er den Stuttgarter Nachrichten. Bei Porsche werde es keine Abfindungsprogramme geben. „Gleichwohl halten wir für jemanden, der die Transformation aus gesundheitlichen oder Altersgründen nicht mitgehen möchte, eine sozial verträgliche Lösung bereit.“

Porsche AG will bis 2030 den Verbrenner fast komplett abschaffen

Bis zum Jahr 2030 schafft Porsche den Verbrenner fast vollständig ab. So sollen bis dahin alle Modelle elektrisch werden. Lediglich der 911 bleibt ein Verbrenner, soll aber in Zukunft mit E-Fuels fahren. Die synthetischen Kraftstoffe werden als realstische Alternative zu Benzin und Diesel gehandelt und könnten den Autoverkehr auf lange Sicht klimafreundlicher machen.

Auf den Weg hin zum Elektro-Auto will Porsche seine Mitarbeiter mitnehmen, wie Meschke im Interview mit der Stuttgarter Zeitung betonte: „Transformation kann man nicht von oben verordnen. Die Mannschaft muss dafür gewonnen werden.“

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