Laden in 15 bis 20 Minuten

Audi und Porsche wollen eigenes Supercharger-Netz für E-Autos bauen

Mehrere Porsche Taycan stehen während der Präsentation der Zwischenbilanz zum „Strategiedialog Automobilwirtschaft BW“ nebeneinander.
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Porsche könnte gemeinsam mit Audi zahlreiche Supercharger in Deutschland aufbauen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Weil es in Deutschland an Schnellladestationen für E-Autos mangelt, planen Audi und die Porsche AG, ein Netz aus 150-Kilowatt-Ladestationen aufzubauen.

Ingolstadt/Stuttgart - Die Automobilindustrie in Deutschland steckt mitten im Wandel zur Elektromobilität. Damit passen Hersteller wie die Daimler AG sich an klimapolitische Entscheidungen an, denn sogar die Europäische Union (EU) plant bereits ein Verbrenner-Verbot. Bislang mangelt es in Deutschland jedoch noch immer an Ladesäulen. Der Ausbau der Infrastruktur für die E-Mobilität lief lange schleppend und ist auch heute noch nicht zufriedenstellend: Gerade einmal 200 Ladepunkte entstehen bundesweit pro Woche. Eigentlich müssten es rund 2.000 sein, schätzt der Verband der Automobilindustrie.

Nun plant Audi einen Vorstoß in Sachen Ladeinfrastruktur: Der Autobauer will eine Milliarde in Schnelllader investieren und so ein Supercharger-Netz für die eigenen Fahrzeuge aufbauen. Auch die Porsche AG könnte an dem Projekt beteiligt sein, heißt es im Konzern.

Die Porsche AG würde von der Kooperation mit Audi nur profitieren. Denn auch der Autobauer mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart stellt in den nächsten zehn Jahren fast vollständig auf E-Mobilität um. Porsche schafft den Verbrenner früher als gedacht ab: Bereits 2030 sollen alle Porsche-Fahrzeuge elektrisch werden - mit Ausnahme des 911. Dieser soll ein Verbrenner bleiben, jedoch mit synthetischen Kraftstoffen fahren - einen völlig neuen Antrieb, den Porsche derzeit entwickelt. 15 Milliarden Euro will Porsche-Chef Oliver Blume in den kommenden fünf Jahren in elektrische Antriebe investieren, wie er der Bild am Sonntag mitteilte. So dürfte der Stuttgarter Autobauer ebenfalls großes Interesse am Ausbau der Ladestationen im Land haben.

Porsche AG könnte Teil des Supercharger-Projekts werden: Exklusiv für E-Autos von Porsche und Audi

„Wir wollen nicht, dass der Verkauf unserer Fahrzeuge am Mangel an Ladesäulen scheitert“, sagte Audi-Chef Markus Duesmann dem Handelsblatt. „Deshalb prüfen wir, ob wir eine eigene Premium-Ladeinfrastruktur in großen Städten aufbauen.“ Vorgesehen seien zunächst rund 200 bis 300 Stationen mit jeweils sechs oder zwölf Ladepunkten. Mit einer geplanten Ladeleistung von mindestens 150 Kilowatt würde Audi die Leistung gewöhnlicher öffentlicher Ladesäulen bei Weitem übertreffen. Diese sind mit elf oder 22 Kilowatt in der Regel zu schwach, um leistungsstarke Autos schnell zu laden. Audi würde mit seinem Supercharger-System, das dem von Tesla ähnelt, eine Schnellladung von 15 bis maximal 20 Minuten ermöglichen.

Unter der Marke Ionity baut der VW-Konzern bereits mit Daimler und BMW ein weitläufiges Lade-Netz an den Autobahnen. Audi-Chef Markus Duesmann schwebt vor, ein solches Netz exklusiv für Audi und Porsche in jeder Metropole Deutschlands aufzubauen, so das Handelsblatt. Er wolle nicht darauf vertrauen, dass die Politik oder die Energiewirtschaft ein Schnellladenetz bauen. Mit seiner Entscheidung setzt sich Audi von Daimler und BMW ab, die in diese Richtung bisher keine Pläne haben.

E-Autos: Kretschmann will Baden-Württemberg zum Vorbild machen

Derweil wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, den Ausbau der öffentlichen Ladesäulen für E-Autos voranzutreiben. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) möchte hier eine Vorreiterrolle einnehmen: Ein neuer Zukunftsplan soll Baden-Württemberg zum Vorbild für E-Mobilität machen.

Stand heute gibt es in den deutschen Städten insgesamt 33.000 Ladestationen. Bis zum Jahr 2030 sollen es nach Plan bereits eine Million sein. Mit seinem Supercharger-Projekt will Audi vermeiden, dass sich aufgrund eines zu langsamen Ausbaus des Ladenetzes seine eigenen Autos nicht mehr verkaufen. Immerhin sollen schon bis 2025 20 Audi-Stromer auf dem Markt sein und in Europa mindestens 30 Prozent aller Autos elektrisch fahren. Audi sucht für sein Vorhaben nun Infrastrukturpartner wie Gastronomen, Handelspartner oder Betreiber von Coworking-Spaces.

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