Nach Angriff bei Corona-Demo

Stuttgart: Unheimliche Szenen auf dem Dach des DGB-Gebäudes wecken Erinnerung an Nazi-Zeit

DBG hat mitgeschossen, steht auf dem Plakat, dass mutmaßlich Rechtsextreme auf dem Vordach der DBG-Zentrale in Stuttgart anbrachten.
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Rechtsextreme brachten in Stuttgart auf dem Vordach der DBG-Zentrale ein Banner an.
  • Marleen van de Camp
    vonMarleen van de Camp
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In Stuttgart hat die Polizei die Besetzung der DGB-Zentrale durch mutmaßlich Rechtsextreme beendet. Rechte rufen seit dem Angriff auf Teilnehmer einer Corona-Demo zu Gewalt gegen Gewerkschafter auf.

  • Die Polizei Stuttgart hat am 30. Mai die Besetzung der Zentrale des DBG durch mutmaßlich Rechtsextreme beendet.
  • Rechtsextreme Gruppen rufen seit einem lebensgefährlichen Angriff am Rande der Corona-Demo am 16. Mai zu Gewalt gegen Funktionäre der Gewerkschaft auf.
  • Die IG Metall Stuttgart soll durch „Hetze“ den Angriff auf die drei Männer verursacht haben.

Stuttgart – Die Polizei der Landeshauptstadt Stuttgart hat am vergangenen Samstag die Besetzung der Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbundes DBG durch mutmaßlich Rechtsextreme beendet, wie die Deutsche Nachrichtenagentur berichtet. Fünf mutmaßliche Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung waren zu Beginn der Corona-Demo in Stuttgart auf das Dach des Willi-Bleicher-Hauses gelangt.

Dort hatten die mutmaßlichen Rechtsextremen am Vordach ein Banner mit der Aufschrift „DGB hat mitgeschossen“ angebracht. Die Polizei holte die Aktivisten mit Hilfe der Feuerwehr Stuttgart vom Dach des DGB-Hauses. Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs. 

Besetzung der Stuttgarter DGB-Zentrale: Polizei hält Täter für Rechtsextreme

Die Polizei hält die Aktivisten für Rechtsextreme, da ein Foto der Plakat-Aktion am Gebäude des DBG in Stuttgart auf dem Twitter-Account der rechtsextremen Identitären Bewegung gepostet wurde. Vor der Gewerkschaftszentrale sind rote bengalische Feuer zu sehen, die die Aktivisten angezündet hatten. Der Hintergrund der Besetzung der DGB-Zentrale ist wohl ein Angriff auf Corona-Demonstranten in Stuttgart am 16. Mai.

Eines der Opfer schwebte in Lebensgefahr, die Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem am Rande der Corona-Demo in Stuttgart schwer Verletzten um einen Gewerkschafter der rechten Gewerkschaft „Zentrum Automobil“, der bei der Daimler AG tätig sein soll, wie die Stuttgarter Nachrichten melden. Die Angreifer kamen mutmaßlich aus dem linksextremen Spektrum. 

Nach Corona-Demo in Stuttgart: Rechtsextreme rufen zu Gewalt gegen DGB-Funktionäre auf

Die Polizei Stuttgart hatte am Tatort nahe der Corona-Demo in Bad Canstatt eine Gaspistole gefunden. Bisher ist den Ermittlern zufolge allerdings unklar, ob sie abgefeuert wurde. Die rechte Gewerkschaft Zentrum Automobil behauptet, die Angreifer hätten ihrem Gewerkschaftsmitglied mit der Gaspistole in den Kopf geschossen, so die Stuttgarter Nachrichten.

Die alternative Gewerkschaft werfe dem DGB vor, die Schuld an dem Vorfall zu tragen. Rechtsextreme riefen auf Blogs zu Gewalt gegen Gewerkschaftsfunktionäre auf. Der Gewerkschaft IG Metall (Interessengemeinschaft Metall) Stuttgart, die Mitglied des DGB ist, werde vonseiten des Zentrums Automobil „jahrelange Hetze“ vorgeworfen. 

Gewaltaufruf durch Rechtsextreme gegen DGB ruft Erinnerungen an Nationalsozialismus wach

Der DGB soll den Angriff auf den Gewerkschafter vor der Corona-Demo in Stuttgart provoziert haben, behaupten Rechtsextreme. Eine Sprecherin der IG Metall sagte der Zeitung, die Gewerkschaft habe das Gefühl, dass der Überfall politisch instrumentalisiert werde.

Der Vorfall in Stuttgart weckt düstere Erinnerungen. Die Nationalsozialisten hatten im Jahr 1933 Gewerkschaftshäuser der DGB-Vorgängers gestürmt, da die freien Gewerkschaften mächtig waren und die Machtergreifung Hitlers politisch nicht mittrugen. Die Besetzung der DGB-Zentrale in der Landeshauptstadt lief zwar gewaltfrei ab, dass die Polizei Rechtsextreme aus einem Gewerkschaftsgebäude abführen muss, ruft jedoch unwillkürlich die historischen Ereignisse ins Gedächtnis. 

Am Donnerstag, den 2. Juni kam es zu Razzien in mehreren Städten in Baden-Württemberg. Die Polizei und die SEK sind nach der versuchten Tötung eines Daimler-Betriebsrats einem radikalen Netzwerk auf der Spur. Sie durchsuchten Wohnungen von neun Tatverdächtigen. Ein 21-Jähriger wurde festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt.

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