Bürger starten Petition

„Urbanes Wohnen“ statt Prostitution: Stadt Stuttgart will Leonhardsviertel aufwerten - Anwohner wehren sich

Das Leonhardsviertel in Stuttgart.
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Künftig soll im Leonhardsviertel in Stuttgart die Prostitution herausgehalten werden und dafür „urbanes Wohnen“ entstehen.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Die Stadt Stuttgart möchte das Leonhardsviertel umgestalten und „urbanes Wohnen“ ermöglichen, doch die Anwohner fühlen sich bedroht von den Plänen der Stadt.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart hat viele Pläne für die Gestaltung des Wohnraums in der Region. Unter anderem soll auf dem Betriebsgelände der EnBW am Stöckach ein neues Wohnviertel entstehen. Nach Veröffentlichung des Rahmenplans zog das Projekt jedoch Kritik auf sich - einige Wohnungen seien „unbezahlbar für Normalverdiener“.

Auch das Leonhards- und Bohnenviertel in Stuttgart soll sich verändern. Durch einen neuen Bebauungsplan soll die Prostitution herausgehalten werden und dafür „urbanes Wohnen“ entstehen. Viele Anwohner sind allerdings nicht zufrieden mit dem Plan der Stadt und haben eine Petition ins Leben gerufen, bei der bereits knapp über 200 Menschen unterschrieben haben.

Bürger im Leonhardsviertel in Stuttgart fühlen sich bedroht

Auf der Petitionsseite change.org richten die Bürger des Leonhardsviertels ihre Bitte an die Politik in Stuttgart: „Bitte sprechen Sie mit uns über die laufenden Verfahren, den weiteren Planungsverlauf und den zukünftigen Umgang mit der Leonhardsvorstadt und ihren Menschen, denn wir fühlen uns bedroht.“ Weiter kritisieren die Anwohner, wie das Viertel nach Außen dargestellt werde. Beispielsweise heiße es, das Leonhardsviertel werde gemieden oder man baue eine „Erlebnis- und Kulturmeile, Platz für Menschen, die hier wohnen wollen“.

Für die Anwohner ist das allerdings bereits gegeben. „Das Leonhardsviertel ist eine über Jahrzehnte gewachsene Kulturlandschaft und nicht nur eine geografische Bezeichnung“, schreibt ein Unterstützer auf der Petitionsseite. Der Papierkünstler Clemens Schneider äußerte gegenüber der Stuttgarter Zeitung seine Angst. „Meine Hauptsorge ist die Gentrifizierung“, sagt er. Schneider habe aber auch ein Problem damit, „wenn man uns von oben diktiert, was wir gut zu finden haben.“

Stadt Stuttgart kann Kritik nicht nachvollziehen

Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte hält den Bebauungsplan hingegen für gelungen und kann die Kritik nicht nachvollziehen. Er sei das Resultat jahrelanger Diskussionen und Runder Tische, sagt sie. Für Kienzle kommt die Petition außerdem zu früh. „Es ist ja noch gar nicht alles im Detail entschieden, und man könnte seine Anliegen auch im Bezirksbeirat oder im Gemeinderat schildern“, erklärt sie.

Auch Bürgermeister Peter Pätzold verteidigt das Vorhaben für das Leonhards- und Bohnenviertel. „Insbesondere der Bebauungsplan wurde intensiv sowohl im Bezirksbeirat Mitte, als auch beim Runden Tisch Leonhardsviertel und zweimal im Unterausschuss Leonhardsviertel diskutiert“, so Pätzold. Das „Gespenst einer Gentrifizierung“ diene laut seiner Ansicht dazu, gegen die Weiterentwicklung zu wettern.

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