Petition gestartet

Stuttgart will Kult-Eisverkäuferin verbannen - „Connys Eiswägele muss bleiben“

Cannstatterin Conny Probst in ihrem Eiswägele in Stuttgart
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Seit über 40 Jahren betreibt Conny Probst ihr Eiswägele in Stuttgart. Weil dieser laut dem Stadtrat nicht mehr ins Stadtbild passt, soll er verschwinden.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Conny Probst und ihr Eiswagen gehören seit Jahrzehnten zu einer der beliebtesten Anlaufstellen in Stuttgart, wenn es um gutes Eis geht. Doch die Stadt will sie vertreiben.

Stuttgart - Conny und ihr Eiswägele sind eine Institution in Stuttgart. Sie gehört für viele fest zum Stadtbild. Doch nun soll Conny Probst samt Wagen aus der Innenstadt verschwinden. In einer E-Mail teilte die Stadtverwaltung der 60-Jährigen den Beschluss mit. Der Grund: Der Gemeinderat wünscht sich ein „geordnetes Stadtbild“. Und in dieses passt der Eiswagen der Cannstatterin offenbar nicht.

Doch so einfach gibt sich Conny Probst nicht geschlagen. Mit einer Petition will sie gegen den Verweis vorgehen - und wird dabei von vielen Stuttgartern unterstützt.

Stuttgart: Conny Probst und ihr Eiswagen müssen weichen - für ein geordnetes Stadtbild

Es ist nicht das erste Mal, dass Conny Probst und ihr Eiswagen weichen müssen. Früher verkaufte sie aus ihrem Wagen im Mittleren Schlossgarten. Als 2011 dort die Arbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21* begannen, musste ihr Eiswagen weichen. Später verkaufte sie daher am Hirschbuckel in Stuttgart-Mitte. Nach Protesten durfte sie jedoch in den Schlossgarten zurückzukehren. Doch nur ein Jahr später musste sie dort erneut fort, zog in die Königsstraße um.

Dass sie ihren Verkaufsstand ab 2023 gar nicht mehr aufstellen darf, ist für die passionierte Eisverkäuferin ein Schock. „Diese Mitteilung hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Eisstand ist mein Leben“, sagte sie der Bild. „Viele Kunden, die jetzt mit ihren Kindern zu mir kommen, waren bei ihrem ersten Besuch selbst noch Kind“, erzählt sie weiter.

Dabei wollte sich Conny Probst sowieso bald zur Ruhe setzen. Fünf Jahre wollte sie noch Kinderherzen höher schlagen lassen, ehe sie in den wohlverdienten Ruhestand geht. Dass bereits zum kommenden Jahr alles vorbei sein soll, schmerzt sie sehr. „Es bedrückt mich, dass ich angeblich nicht mehr ins Stadtbild passe“, sagt sie.

Stuttgarter stehen hinter Cannstatterin: „Conny ist einfach eines: Kult“

Unterstützung erhält Conny Probst wieder einmal von ihrer Kundschaft. Im Internet wurde die Petition „Connys Eiswägele muss bleiben“ gestartet. Innerhalb von drei Tagen kamen dort bereits über 1.100 Überschriften zusammen (Stand 29. März 2022). Auf der Petitionsseite von change.org reihen sich die Kommentare. „Conny gehört mehr zu Stuttgart als dieser Stadtrat“, schreibt ein Unterstützer. Viele sind über das Vorgehen sauer, bringen ihren Ärger im Netz zum Ausdruck. „Das gibts auch nur in Stuttgart, dass ein Eiswagen nicht mehr ins Stadtbild passt! Vielleicht passt aber auch einfach der Gemeinderat nicht mehr ins Stadtbild“, kommentiert ein weiterer verärgert.

„Warum muss alles Schöne, Kleine, Individuelle, Nostalgische kaputt gemacht werden? Ich bin 70 Jahre und denke heute noch gerne an den Eiswagen zurück, der uns in Kindertagen glücklich machte. Eisdielen gibt es überall, Eiswagen fast nirgendwo mehr“, so eine Frau. „Conny ist einfach eines: Kult“, stimmt ihr ein Mann zu. Auch in einem anderen Teil von Baden-Württemberg* ist Hilfe gefragt: Der Bietigheimer Christian sammelt Spenden für einen speziellen Rollstuhl (BW24* berichtete). *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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