Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart

Stuttgart: „Peinliche Ego-Show“ seiner Gegner könnte Nopper jetzt zum neuen OB machen

  • Anna-Lena Schüchtle
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Frank Nopper (CDU) hat gute Chancen, die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart zu gewinnen - Grund ist die „unfassbare Ego-Show“ seiner Gegner.

Stuttgart - Von allen wahlberechtigten Bürgern der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg zog es 49 Prozent am Sonntag, dem 8. November 2020, an die Urnen. Entschieden ist die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart damit jedoch noch nicht - keiner der Kandidaten konnte die absolute Mehrheit der Stimmen gewinnen. Bis zum 29. November steht daher nochmal ein harter Wahlkampf der OB-Kandidaten bevor.

Nach dem ersten Urnengang der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart deutet sich jedoch bereits eine Überraschung in der Politik der Landeshauptstadt an. Nach siebenjähriger Schaffenszeit von Fritz Kuhn (Grüne) könnte nämlich ein parteipolitischer Machtwechsel bevorstehen. Aktuell liegt der CDU-Kandidat Frank Nopper mit 31,8 Prozent der Stimmen in Führung - und zwar deutlich.

Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart: Gute Chancen für Frank Nopper wegen Gegner-Fehler

Bei den Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart hat CDU-Kandidat Frank Nopper wegen eines Fehlers der Konkurrenz nun gute Chancen.

Die zweitplatzierte Veronika Kienzle, die als potenzielle grüne Nachfolgerin von Amtsinhaber Fritz Kuhn bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart ins Rennen gegangen war, erhielt mit 17,2 Prozent der Stimmen gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Ausbeute ihres CDU-Konkurrenten Frank Nopper. Ähnlich bescheiden sahen die Ergebnisse von SPD-Politiker Marian Schreier (15 Prozent), der jedoch parteilos angetreten war, sowie von dem Kandidaten der kommunalen öko-sozialen Wählergruppe SÖS Hannes Rockenbauch (14 Prozent) aus.

Trotz der großen Unterschiede bei den Stimmanteilen könnten jedoch gerade diese drei Kandidaten für Frank Nopper bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart nochmal gefährlich werden. Denn: Die OB-Bewerber aus dem linken Lager verhandelten in den vergangenen Tagen über ein mögliches gemeinsames Bündnis, mit dem Ziel, gegen CDU-Bewerber Frank Nopper eine Mehrheit zu erwirken.

Am gestrigen Mittwochabend dann jedoch das ernüchternde Ergebnis: Zwar konnten sich Veronika Kienzle, Marian Schreier und Hannes Rockenbauch für die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart auf ein öko-soziales Programm einigen, in dem nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten (StN) unter anderem Ziele zur Klimapolitik, zum Wohnungsbau und Verkehr formuliert worden waren - die Verhandlungen scheiterten am Ende jedoch trotzdem.

Grund war die fehlende Übereinstimmung bei der Personalfrage. Obwohl Veronika Kienzle ihre Kandidatur für die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart zurückgezogen hatte, um dadurch die Chancen für das verhandelte öko-soziale Bündnis zu erhöhen, halten sowohl Marian Schreier als auch Hannes Rockenbauch an ihrer OB-Bewerbung fest.

Frank Nopper profitiert von Uneinigkeit der Konkurrenz - Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart

„Im Interesse einer konsensualen Lösung waren Hannes Rockenbauch und ich bis zum Schluss der Gespräche offen, gesprächsbereit und sogar bereit, einem anderen den Vortritt zu lassen“, erklärt Veronika Kienzle in einem Statement zu der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart, und weiter: „Marian Schreier beharrte dagegen nach der überraschenden Wende des SPD-Kreisverbandes, jetzt in Marian Schreier doch ihren Kandidaten zu erkennen, schlussendlich auf seiner Kandidatur.“

Hintergrund dessen ist, dass seine eigene Partei den 30-jährigen SPD-Politiker Marian Schreier ursprünglich von einer Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart hatte abhalten wollen. Nachdem der vorgeschlagene OB-Bewerber der Sozialdemokraten Martin Körner mit nur 9,8 Prozent der Stimmen am Ende jedoch ein weit schlechteres Ergebnis vorzuweisen hatte, beschloss die SPD bereits am Dienstagabend, beim zweiten Wahlgang nun doch den Youngster zu unterstützen.

Zwischen dem Dritt- und dem Viertplatzierten des ersten Wahlgangs der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart herrscht jedoch bereits bei den Verhandlungen in Bezug auf das gemeinschaftliche Programm Uneinigkeit. Wie Hannes Rockenbauch gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) erklärte, sei es bei den Gesprächen nicht gelungen, die Inhalte verbindlich in Form festzuhalten.

Aus diesem Grund und, wie Veronika Kienzle in ihrem Statement des Weiteren erklärt, in Folge von Marian Schreiers Beharren auf dessen Bewerbung bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart habe auch Hannes Rockenbauch doch beschlossen, erneut zu kandidieren - obwohl er sich bereits zu einem Verzicht bereit erklärt hatte.

„Peinliche männliche Ego-Show“: Marian Schreier und Hannes Rockenbauch treten beide an

„Ich [...] will das Feld der öko-sozialen Wählerschaft nicht noch weiter zersplitten“, erklärt Veronika Kienzle in ihrem Statement zu der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart, und weiter: „Deswegen ziehe ich meine Kandidatur zurück.“ Sie habe in den Gesprächen von Beginn an vertreten, dass sie Politik nie nur auf persönliche Siege reduzieren werde und gehofft habe, einen neuen Stil politischer Verständigung zu organisieren.

Genau dieser Punkt scheint vielen Beobachtern der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart in Bezug auf Marian Schreier und Hannes Rockenbauch nun ebenfalls unangenehm aufzustoßen. „Man hätte es ja auch völlig verrückt die Frau machen lassen können“, kommentiert ein User auf Twitter zynisch und fasst zusammen: „Am Ende ist es einfach nur eine unfassbar peinliche männliche Ego-Show.“

Eine weitere Nutzerin vertritt auf Twitter eine ähnliche Meinung zu der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart: „Auch wieder bezeichnend, dass die einzige, weibliche Kandidatin nach einem mäßigen Wahlergebnis, bereit ist, ihre Kandidatur zurückzuziehen, während die Herren gar nicht dran denken.“ In einem weiteren Tweet heißt es in Bezug auf Veronika Kienzles Verzicht: „Respekt! Dieser Schritt beweist Größe, an der es bei anderen leider oft mangelt.“

Viele User sehen aufgrund dessen, dass nun sowohl Marian Schreier als auch Hannes Rockenbauch nochmal bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart antreten, die Chancen auf einen OB aus dem öko-sozialen Lager schwinden. „Frank Nopper lacht sich ins Fäustchen. Habt ihr wirklich klasse hingekriegt“, heißt es etwa in einem Tweet. Ein weiterer kommentiert: „Die Frau, die vermutlich die besten Chancen gehabt hätte, ist die einzige Vernünftige, die zurückzieht. Sehr, sehr schade für Stuttgart!“

Rubriklistenbild: © Fotomontage: Sebastian Gollnow/dpa, Tom Weller/dpa, Sebastian Gollnow/dpa, picture alliance / dpa

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