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Corona-Impfstoff von Novavax kommt - auch Baden-Württemberg „auf höhere Impfquote angewiesen“

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Von: Valentin Betz

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Novavax soll ein Totimpfstoff sein, auf den viele Impfskeptiker warten.
Novavax steht kurz vor der Zulassung. Am 20. Dezember gab die EU-Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht. © Tomislav Miletic / PIXSELL / Imago

Nicht alle Impf-Skeptiker sind grundsätzlich gegen die Impfung. Viele haben Bedenken wegen der mRNA-Technologie. Mit Novavax kommt nun eine Alternative.

Stuttgart - Zu Beginn der Corona-Pandemie waren Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg rar gesät. Nur im begrenzten Rahmen konnte behandelt und Symptome gelindert werden. Doch je mehr die Forschung über das Virus herausfand, desto schneller lief die Entwicklung wirksamer Impfstoffe. Deutschland spielte dabei eine wichtige Rolle, allerdings geriet der Tübinger Impfstoff von Curevac im Rennen um eine rasche Zulassung zusehends ins Hintertreffen.

Inzwischen sind gleich mehrere Präparate im Einsatz. Bei den auf der mRNA-Technologie basierenden Mitteln machten aber die Hersteller Biontech und Moderna das Rennen, Curevac nahm die wichtige Hürde der Zulassung bislang nicht. Trotz hoher Wirksamkeit haben gerade die mRNA-Impfstoffe in der Bevölkerung einen schweren Stand, da die Technologie vor der Corona-Pandemie in der Bevölkerung noch weitestgehend unbekannt war. Dieser und andere Gründe führen dazu, dass in Baden-Württemberg (Stand: 17. Dezember) nur 68,3 Prozent vollständig geimpft sind. Jetzt hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA aber grünes Licht für das Mittel des US-Herstellers Novavax gegeben. Der Impfstoff ist anders aufgebaut - und schürt Hoffnung auf eine höhere Impfbereitschaft.

Impfstoff von Novavax: EU-Arzneimittelbehörde spricht sich für Zulassung aus

Der Corona-Impfstoff von Novavax steht kurz vor der Zulassung. Am Montag, dem 20. Dezember, hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA einen wichtigen Schritt dafür eingeleitet. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hat eine zuständige Expertenkommission in einer außerordentlichen Sitzung die Empfehlung für den Impfstoff ausgesprochen. Schon länger hatte letztere die Wirkung und Risiken in einem Prüfverfahren bewertet.

Laut dpa sei der Ausschuss nun zu dem Ergebnis gekommen, dass „die EU-Kriterien zu Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität erfüllt werden“. Dem Impfstoff des US-Herstellers Novavax steht damit nur noch ein Gremium im Weg: Die EU-Kommission muss der Zulassung zustimmen. Das sei der dpa zufolge jedoch reine Formsache. Experten fiebern der Zulassung des Präparats vor allem deshalb entgegen, weil es auf keinem der Verfahren beruht, das die anderen Impfstoffe auf dem Markt nutzen. Dadurch bestehen Chancen, auch Skeptiker der Impfung noch zu überzeugen.

Novavax vor Impfstoff-Zulassung: Mittel basiert nicht auf mRNA-Technologie

Zuletzt hatte Deutschland mit ganzer Kraft versucht, die Impfquote wieder anzuheben und Skeptiker doch noch zu überzeugen. Die Mega-Kampagne „Impfen lohnt sich“ von Lidl, Mercedes und Co. sorgte aber eher für Aufregung. Zahlreiche Unternehmen, darunter auch viele aus Baden-Württemberg, änderten dafür ihre Marken-Claims.

Angesichts einer ausbaufähigen Impfquote baut auch das Gesundheitsministerium des Landes auf den weiteren Impfstoff von Novavax. „Wir sind dringend auf eine höhere Impfquote angewiesen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen“, erklärte ein Sprecher gegenüber BW24. Dabei helfen könnte die Zusammensetzung des Impfstoffs von US-Hersteller Novavax. Er besteht nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Letztere lösen im menschlichen Körper eine Immunantwort aus, wodurch Antikörper und T-Zellen gebildet werden.

Die Hoffnung ist groß, damit vor allem die Impfskeptiker zu überzeugen, die der noch ungewohnten mRNA-Technologie kritisch gegenüberstehen. Immerhin bescheinigt die Zulassungsstudie von Novavax dem Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent. Das bedeutet, unter den Probanden der geimpften Gruppe traten 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den Probanden einer Kontrollgruppe. Für diese Schutzwirkung sind zwei Dosen notwendig, die im Abstand von drei Wochen gespritzt werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hängt die Erwartungen an den Impfstoff allerdings nicht zu hoch. Wie ein Sprecher gegenüber BW24 erklärte, sei dafür der Anteil derer, die sich nur wegen Vorbehalten gegenüber anderen Impfstoffen nicht impfen ließen, zu gering. Der Effekt auf die Impfquote werde demzufolge durch das Novavax-Mittel nicht allzu hoch sein.

Novavax-Impfstoff: Auch US-Hersteller muss Mittel an Omikron anpassen

Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Novavax bezieht sich bislang zudem nur auf die Alpha-Variante des Coronavirus, das in Deutschland so gut wie vollständig von Delta verdrängt wurde. Wie auch Mittel anderer Hersteller muss das Präparat von Novavax noch an die jüngste Variante Omikron angepasst werden.

Im Netz wird der Impfstoff von Novavax darüber hinaus oft irreführend als „Totimpfstoff“ bezeichnet - was vor allem Impfskeptiker positiv bewerten, da sie dies mit Impfstoffen gleichsetzen, deren Wirkweise sie bereits kennen. Allerdings ist der Begriff nicht klar abgegrenzt. Im Grunde bedeutet er, dass die Mittel abgetötete Krankheitserreger enthalten und so die Immunabwehr beim Menschen aktivieren. Nach dieser Definition wäre Nuvaxovid gar kein Totimpfstoff, da darin nur virusähnliche Partikel enthalten sind. Vielmehr seien laut Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, alle derzeit zugelassenen Mittel Totimpfstoffe - denn in keinem seien vermehrungsfähige Erreger enthalten.

Wenn der Impfstoff von Novavax dann schließlich auf den Markt kommt, dürfte die Impfung damit schnell starten. Die EU hatte sich laut Deutscher Presse-Agentur schon im August 200 Millionen Dosen gesichert. Auch das Gesundheitsministerium von Baden-Württemberg ist zuversichtlich. Bisher bezogen Ärzte die Mittel über den Pharmagroßhandel. „Wir gehen davon aus, dass das auch bei neu zugelassenen Impfstoffen zügig funktioniert“, so ein Sprecher zu BW24.

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