Rückschlag im Abstiegskampf

Niederlage als Mutmacher: VfB erinnert Mislintat an die «Klopp-Zeit»

Sven Mislintat
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Der VfB Stuttgart musste gegen Borussia Dortmund erneut eine Niederlage einstecken. Sportdirektor Sven Mislintat ist trotzdem optimistisch.

Der VfB Stuttgart verliert bei Borussia Dortmund nach großem Kampf - und einem eigenen Eckball kurz vor dem Ende. Bei Sportdirektor Sven Mislintat überwiegt der Stolz die Enttäuschung. Im Kampf gegen den Abstieg werden den Schwaben Komplimente allein aber nicht reichen.

Dortmund (dpa/lsw) - Sven Mislintat wirkte regelrecht elektrisiert. «Mit dem Spirit der Meisterjahre von Borussia Dortmund» habe der VfB Stuttgart gespielt, sagte der Sportdirektor der Schwaben nach der 1:2 (0:0)-Niederlage beim BVB. «Mit anderen Saisonzielen, mit ganz vielen Widerständen, die wir vorher hatten, und in einem Stadion, das ein Widerstand ist.» Aber eben auch mit einem «Teamspirit» und einer «Arbeitsethik», die ihn an die «Klopp-Zeit» erinnerten, wie er bei Sky sagte. Mislinat war Chefscout der Borussia, als diese unter dem ihrem damaligen Trainer Jürgen Klopp 2011 und 2012 mit vielen jungen Spielern zur Meisterschaft stürmte. Beim VfB will Mislintat einen ähnlichen Geist beschwören wie einst - und das Abstiegsgespenst vertreiben.

«Wir können die Tabelle lesen, ja», sagte Mislintat nach der vierten Pflichtspielniederlage in Serie und dem Sturz auf den Relegationsrang der Fußball-Bundesliga. Aber: «Wir werden komplett bei uns bleiben und komplett auf dem aufbauen, was wir tun.» Ein «verschworener Haufen» sei das in Stuttgart, «Trainer, Mannschaft und Staff». Wenn alle ruhig blieben und die Verletzten allmählich zurückkehrten, sei sich der 49-Jährige «ziemlich sicher, dass wir unsere Saisonziele erreichen». Mindestens ein weiteres Jahr in der Liga zu bleiben.

«Stolz» verließ Mislintat den Signal Iduna Park, in dem der VfB kurz vor einem überraschenden Punktgewinn stand und sich dann selbst noch um den Lohn seiner Arbeit brachte. Das entscheidende Dortmunder Tor durch Marco Reus (85. Minute) entstand aus einem Konter - nach einem Eckball der Schwaben. «Da müssen wir da sein und dranbleiben, dass wir solche Situationen unterbinden können», sagte Torhüter Florian Müller. «Es hatte nichts mit Kontersicherung zu tun. Die Struktur hat gestimmt, das Verhalten hat nicht gestimmt», analysierte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo die Szene. «Leider haben wir es nicht geschafft, schnell sechs, sieben Mann hinter den Ball zu bekommen.»

Zuvor hatten die Stuttgarter dem BVB das Leben extrem schwer gemacht und auf den Rückstand durch einen abgefälschten Schuss von Donyell Malen (56.) eine gute Reaktion gezeigt. Im Stile eines Torjägers hatte Roberto Massimo Gegenspieler Mats Hummels umkurvt und flach zum 1:1 getroffen (63.). In so manch anderer Situation war den Gästen ihre offensive Personalnot hingegen schon wieder anzumerken - bei der vergebenen Großchance von Tanguy Coulibaly (38.) zum Beispiel. Oder bei der Einwechslung des erst 18-jährigen Alexis Tibidi, dem Matarazzo seine ersten rund 20 Bundesliga-Minuten schenkte.

Die vielen Ausfälle sind das größte Problem des VfB im bisherigen Saisonverlauf. Vor allem die der torgefährlichen Sasa Kalajdzic und Silas Katompa Mvumpa, der im Heimspiel gegen Mainz 05 am kommenden Freitag wieder dabei sein könnte, schmerzen. Aber auch viele andere Rückschläge tragen immer wieder dazu bei, dass die Stuttgarter nicht in einen vernünftigen Rhythmus finden - und infolgedessen auch nicht raus aus der Abwärtsspirale. In Dortmund gab‘s - anders als nach den schwachen Auftritten gegen die direkten Konkurrenten Augsburg (1:4) und Bielefeld (0:1) - wieder viele Komplimente für den VfB. Die machen Mut. Bringen aber nichts, wenn weiter die Punkte ausbleiben.

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