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Neuer Radschnellweg in Bad Cannstatt wird kaum angenommen - „Irgendwie keine Überraschung“

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Von: Nadja Pohr

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Stuttgart arbeitet weiter an der Verbesserung der Radinfrastruktur. Eine Daten-Analyse zeigte nun allerdings, dass der Radschnellweg in der Nürnberger Straße bisher keinen großen Erfolg gebracht hat.

Stuttgart – In der Landeshauptstadt Stuttgart soll die Radinfrastruktur weiter ausgebaut und verbessert werden. Immer wieder klagen Radfahrer über die Zustände der Radwege in der Stadt. Ein beispielhafter „Schandfleck“ ist für die Radfahrer unter anderem der Flughafentunnel. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) sammelte bereits einige „Horrorstrecken“ und machte Verbesserungsvorschläge.

Die Politik und die Stadtverwaltung zeigen sich bemüht und bauten unter anderem im Stadtbezirk Bad Cannstatt eine Spur an der Nürnberger Straße stadtauswärts zum Radweg aus. Sowohl die Stadt Stuttgart als auch der ADFC haben nun Daten ausgewertet, deren Ergebnis eher weniger zufriedenstellend sein dürfte.

Neuer Radschnellweg in Bad Cannstatt wird kaum angenommen

Die Daten zum neuen Radschnellweg in Bad Cannstatt sind eigentlich kaum vorhanden, beziehungsweise nicht öffentlich. Die Stadt habe daher welche vom App-Anbieter Strava gekauft, wie Sprecher Oliver Hillinger gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ) sagte. Daraus lasse sich herauslesen, dass die Nürnberger Straße im Vergleich zu den Wohnstraßen im Espan häufiger genutzt werde, heißt es. Genauere Details nannte er nicht. Der ADFC kann jedoch mehr Licht ins Dunkle bringen.

Der Radschnellweg in der Nürnberger Straße in Bad Cannstatt
Nur 52 Prozent nutzen den neuen Radschnellweg von Bad Cannstatt nach Fellbach. Das ist zwar eine leichte Verbesserung, aber wohl kaum zufriedenstellend. © LHS

Der Fahrrad-Club bezieht sich ebenfalls auf die Strava-Daten und hat die Werte von Mai 2022 stichprobenhaft mit denen von Mai 2018 verglichen. Das Ergebnis: Vor vier Jahren nahmen 55 Prozent der Strava-Nutzer lieber die Nebenstraßen und auch 2022 bleibt die Prozentzahl auf der Strecke mit 48 Prozent weiterhin relativ hoch. Nur 52 Prozent nutzen den neuen Radschnellweg von Bad Cannstatt nach Fellbach, berichtet die StZ. Auf Facebook weist der ADFC allerdings auch daraufhin, dass die Daten von Strava nicht repräsentativ seien.

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Der Radschnellweg sei zwar gut, habe aber „noch viel Luft nach oben“, so Gesine Schleth, die stellvertretende Vorsitzende des Stuttgarter ADFC. Parallelstraßen seien viel idyllischer und weniger stark befahren. In naher Zukunft sei geplant, den Radverkehr zwischen Fellbach und Bad Cannstatt auf der Waiblinger- und Nürnberger Straße stärker zu bündeln und die Radinfrastruktur noch weiter auszubauen, erklärte Stadtsprecher Hillinger.

„Verstehen, wenn Radfahrer Umwege in Kauf nehmen“: ADFC fordert weitere Verbesserung der Strecke

Auch der ADFC schlägt weiteren Handlungsbedarf zur Verbesserung der Strecke vor. Vor allem an der Waiblinger Straße oder am Tunnel vor dem Wilhelmsplatz müsse sich etwas tun. „Wir finden den Wilhelmsplatz so abschreckend, dass wir verstehen, wenn Radfahrende Umwege in Kauf nehmen“, kommentiert der Fahrrad-Club auf Twitter. Einen spürbaren Anstieg der Nutzung könne es erst geben, wenn die Strecke durchgängig gut befahrbar sei.

Im Netz sehen die Stuttgarter das ähnlich. „Der Radweg wurde schon vorher kaum genutzt. Warum auch? Ein paar hundert Meter rechts davon kommt man ganz entspannt hoch nach Fellbach“, kommentiert ein Facebook-Nutzer. „Das Ambiente ist auch nicht sehr schön, um Sonntagmittag hier lang zufahren“, äußert ein weiterer User. „Irgendwie keine Überraschung“, schreibt ein anderer. Die Hoffnung auf Besserung liegt jedenfalls im weiteren Ausbau der Strecke.

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