Gebäude mit 700 bis 800 Wohnungen geplant

„Unbezahlbar für Normalverdiener“: Neues Wohnviertel auf dem EnBW-Areal am Stöckach in Stuttgart in der Kritik

Viele Geldscheine vor dem Stadtbezirk Stuttgart-Ost
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Mit dem neuen Wohnungsviertel in Stuttgart-Ost sollen 700 bis 800 Wohnungen auf dem EnBW-Areal entstehen. Nach aktuellen Plan seien diese teilweise aber kaum bezahlbar für Normalverdiener.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Das Wohnungsbauprojekt der EnBW am Stöckach begeistert den Stadtrat in Stuttgart, aber es gibt auch Kritik. Dabei stehen vor allem die sehr teuren Mietpreise im Fokus.

Stuttgart - Im Stuttgarter Osten am Stöckach soll das Wohnungsbauprojekt der Energie Baden-Württemberg (EnBW) entstehen. Im vergangenen Jahr wurden hierzu die ersten Planungen vorgestellt. Das Besondere an dem Projekt: Es soll nicht nur ein zukunftsweisendes Stadtquartier werden, sondern auch mithilfe der Bürger entstehen. Hierzu gab es vielfältige Formen der Bürgerbeteiligung. Rund ein Jahr später ist der Rahmenplan für das EnBW-Projekt fertig.

Der Stadtrat zeigt sich weitestgehend zufrieden mit dem, was für das neue Wohnungsviertel in Stuttgart vorgesehen ist. Auf dem EnBW-Areal am Stöckach sollen Gebäude mit 700 bis 800 Wohnungen entstehen. Für den Raum zwischen den Bauten sind Natur und Pflanzen vorgesehen. Die SPD, das Linksbündnis und die Fraktionsgemeinschaft Puls sehen dennoch einen Haken bei dem Projekt.

Mietpreise bei neuem Wohnungsviertel am Stöckach seien unbezahlbar für Normalverdiener

Der SPD-Fraktionschef Martin Körner warnte vor einem gefährlichen Kontrast zwischen 40 Prozent geförderten Mietwohnungen und 60 Prozent frei finanzierten Wohnungen. Letztere seien mit Mietpreisen von circa 20 Euro pro Quadratmeter unbezahlbar für Normalverdiener. Denn: das Ziel der EnBW und Stadt war es ursprünglich ein „sozial gerechtes“ Stadtviertel zu schaffen, in dem es ausgewogenere Bevölkerungsverhältnisse gibt.

Die Mietpreise in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg sind ohnehin sehr hoch. Wer allerdings günstigere Mieten anbietet, kann vom Finanzamt bestraft werden. Die EnBW äußerte sich zu den Mietpreisen noch nicht. Martin Körner fordert indessen, zu prüfen, ob das Energieunternehmen zusätzlich bezahlbare Wohnungen für bestimmte Berufsgruppen wie Erzieherinnen anbieten könnte - wenn die Stadt dafür zusätzliche Fördermittel bereitstelle.

Viele Diskussionen um das Wohnungsbauprojekt der EnBW am Stöckach

Da die EnBW als Aktiengesellschaft auf Rendite ihres Anlagevermögens bedacht sein müsse, sei eine Kluft von geförderten und überteuerten Wohnungen fast unvermeidbar. Die Diskussion unter den Stuttgarter Politikern über das Wohnungsbauprojekt am Stöckach ist daher groß. Wenn die früheren Betriebsgrundstücke durch den neuen Bebauungsplan zu wertvolleren Wohnungsbaugrundstücken werden, wachse auch die Rendite der EnBW durch einen Planungsgewinn auf eine Größenordnung von 100 bis 150 Millionen Euro, so der SPD-Fraktionschef.

Kritik gibt es auch aus der SÖS-Partei, da der Bau der Immobile in Stuttgart das Klima weiter belasten werde. Am Stöckach seien zudem eine Menge Abbruch von Bestandsbauten und zu viel Neubau geplant. Man befürchtet bei SÖS und Puls außerdem, dass das EnBW-Projekt ein Modell für die Transformation des größeren Grundstücks des Energieunternehmens am Neckar und an der Uferstraße B10/14 sein könnte. Für Freie Wähler, CDU und FDP ist es auch nicht verwerflich, dass der Planungsgewinn an ein Unternehmen geht. Vor allem, da die EnBW einen wichtigen Teil der Wirtschaft in Baden-Württemberg bilde und sich für die Energiewende einsetze.

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