Coronavirus in Baden-Württemberg

Kretschmann: „Einschränkungen für Geimpfte heben wir in großen Teilen auf“

Bereits am Freitag soll Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegen das Coronavirus geimpft werden.
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Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht im Impfen eine „Bürgerpflicht“.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Am Dienstag findet erneut eine Corona-Konferenz statt. Dabei soll es auch um Lockerungen für Geimpfte gehen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bereits Erwartungen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg beschäftigt weiterhin die Menschen im Land. Die Inzidenzen steigen seit Juli wieder an. In Baden-Württemberg liegt die Sieben-Tage-Inzidenz heute bei 17,2. Die höchste Inzidenz weist der Main-Tauber-Kreis mit einem Wert von 34 auf. Gleichzeitig steigt aber auch die Impfquote im Land: Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden bisher 6.711.825 Menschen in Baden-Württemberg geimpft (Stand 9. August). Davon haben 91,92 Prozent durch die zweite Impfung den vollen Impfschutz. Das sind also 55,60 Prozent der Bevölkerung.

Wie es in der Coronapolitik weitergehen soll, beraten am Dienstag die 16 Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen mit der Kanzlerin per Videokonferenz. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte der Stuttgarter Zeitung, dass er eine Aufhebung von Beschränkungen zugunsten Geimpfter und Genesener erwartet.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Die Maske bleibt“

In die Konferenz geht der Grünen-Politiker mit einer eindeutigen Forderung: „Wir brauchen Klarheit für den Herbst“, sagt er der Stuttgarter Zeitung. Dabei sei es richtig, mit dem Fortschreiten der Impfquote zu einem neuen Umgang mit Freiheiten und Beschränkungen zu kommen, so Winfried Kretschmann. Die Einschränkungen bei Geimpften und Genesenen werden wir zu großen Teilen aufheben“, verspricht er.

Ungeimpfte müssen hingegen mit Einschränkungen rechnen. „Für die Nichtgeimpften werden wir den Zugang weiter an Bedingungen knüpfen müssen. Denn sie haben ein vielfach höheres Risiko, sich selbst und andere anzustecken“, erklärt der Ministerpräsident. Eines wird uns aber trotz allem noch lange begleiten: die Maskenpflicht. „Grundsätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie zum Beispiel das Masketragen im ÖPNV werden wir sicher erst mal beibehalten.“

Winfried Kretschmann verteidigt gegenüber der Stuttgarter Zeitung das Ende der kostenlosen Tests für Ungeimpfte. Ab Mitte Oktober werden dann Gebühren für Coronatests fällig. Ihm sei durchaus bewusst, dass dies für Ungeimpfte auch eine finanzielle Belastung bedeutet. Aber: „Im Mittelpunkt steht das Impfangebot. Es ist ein großes Privileg, dass wir jetzt in der komfortablen Situation sind, dass Impfungen für alle zur Verfügung stehen. Und die Impfung ist kostenlos“, sagt er und betont weiter: „Impfen ist bisher der einzige Weg aus der Pandemie. Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich, sondern auch andere.“

Winfried Kretschmann will nicht so hart durchgreifen wie Söder und Spahn

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn gehen in Sachen Zugangsbeschränkung für Ungeimpfte noch weiter: Sie fordern, dass Ungeimpfte - abgesehen von Einrichtungen der Grundversorgung - keinen Zutritt zu Discos, Stadien oder ähnlichem bekommen sollen - selbst mit Test. Ihr Vorschlag: Ein 2-G-Prinzip, also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. Davon hält Winfried Kretschmann nichts. Er will am 3-G-Prinzip (geimpft, genesen, getestet) festhalten. „Ein 2-G-Prinzip ist in der Praxis im Übrigen auch schwer umsetzbar, beispielsweise weil sich die Grundversorgung von anderen Lebensbereichen nur schwer abgrenzen lässt“, sagt er.

Der Ministerpräsident sieht impfen als ein Zeichen der Solidarität und Verantwortung. „Wenn es zu Einschränkungen für Nichtgeimpfte kommt, ist das die selbst gewählte Konsequenz aus der freien Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen“, so Winfried Kretschmann. Für ihn ist impfen eine „Bürgerpflicht“. „Wir tragen als Gemeinschaft eine große Verantwortung gerade auch für jene, die nicht durch eine Impfung geschützt werden können – also zum Beispiel für die Kinder unter zwölf Jahren, für die es bislang schlicht keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Sie haben unsere Solidarität als Gemeinschaft verdient.“

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