Anpassung an Einkommen

Tausende Stuttgarter müssen bald höhere Mieten zahlen

Hausdächer sind im Stuttgarter Stadtteil West zu sehen.
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Das erste Mal seit fünf Jahren wird es eine Mieterhöhung für die Wohnungen der SWSG geben.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Für die Mieter der rund 19.000 Wohnungen der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft wird das Wohnen in Zukunft teurer: Die Mieten werden erhöht - jedoch nicht für alle.

Stuttgart - Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart zählt zu den beliebtesten Städten in Deutschland: Die Wirtschaft boomt, die Metropole hat viel zu bieten. Dazu gehören nicht nur beliebte Arbeitgeber wie die Daimler AG, Bosch oder die Porsche AG, auch viele Sehenswürdigkeiten gibt es in Stuttgart.

Gerade weil so viele Menschen in Stuttgart arbeiten, möchten sie auch in der Stadt oder zumindest in der näheren Umgebung leben. Zwar geht der Trend im Allgemeinen wieder in Richtung Land, aber Stuttgart ist nach wie vor ein beliebter Wohnort. Das Problem hierbei: Wohnen in Stuttgart ist mittlerweile Luxus. Die Schwabenmetropole ist nach neusten Studien sogar die teuerste Stadt Deutschlands.

Wohnungen der SWSG: Mieten sollen künftig 20 Prozent unter dem Stuttgarter Mietspiegel liegen

Noch im vergangenen Jahr sind Experten davon ausgegangen, dass die Mieten in Stuttgart aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sinken könnten. Die Immobilienpreise steigen zwar weiterhin an, aber langsamer. Im Laufe der Jahre könnte das zu einem Abflachen der Preisentwicklung in Stuttgart kommen - das ist eine kleine Sensation.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, kommt es aber auf tausende Mieter in Stuttgart genau anders zu: Die Mieter von rund 19.000 Wohnungen der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) müssen sich auf eine Mieterhöhung einstellen. Das haben die Stadträte einer gemeinsamen Sondersitzung des Wirtschafts- und Verwaltungsausschusses mit der städtischen Wohnungsbautochter festgelegt. 2022 wird es das erste Mal seit fünf Jahren eine Mieterhöhung für die Wohnungen der SWSG geben: Die Mieten sollen künftig 20 Prozent unter dem Durchschnittswert des Stuttgarter Mietspiegels liegen.

Mietspiegel in Stuttgart: In den vergangenen Jahren gab es keine Anpassung an das Einkommen

Diese Nachricht schockt, denn die Landesregierung hat sich vorgenommen, die Mieten in ganz Baden-Württemberg bezahlbar zu machen - mithilfe von Nachverdichtung in den Städten. Auch dem Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) ist das Thema bezahlbare Miete wichtig: Laut der Stuttgarter Zeitung machte er gleich zu Beginn der Sitzung deutlich, dass er die von Linken und SPD vorgeschlagene generelle Festschreibung der SWSG-Mieten auf einem Niveau von 30 Prozent unter dem Durchschnittswert des Stuttgarter Mietspiegels nicht für sinnvoll erachte. 

Der Franktionschef der SPD, Martin Körner, kritisierte die Mieterhöhung im Allgemeinen: Der Mietspiegel in Stuttgart sei in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent gestiegen, die Einkommen der Mieter haben damit jedoch nicht ansatzweise schrittgehalten. „Was wir da beschließen, ist ein dramatischer Rückschritt für die Mieter“, so Körner. Dem stimmte Hannes Rockenbauch, Fraktionssprecher des Linksbündnisses, zu: „Wohnen ist ein Menschenrecht und darf nicht den Gesetzen des Marktes überlassen werden.“ Der Dreiklang aus sozialer Verantwortung, ökologischer Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit, den der OB zuvor als Unternehmensphilosophie der SWSG bezeichnet hatte, gerate aus dem Gleichgewicht, schreibt die Stuttgarter Zeitung.

Mieterhöhung in Stuttgart: Einkommensschwache Mieter sollen davor geschützt werden

Das Gute an der Entscheidung des Stuttgarter Stadtrats: Die Mieterhöhung gilt nicht für alle - sie soll sozial abgefedert werden. Bei einkommensschwachen Mietern soll die Erhöhung vom Verdienst abhängig sein oder gegebenenfalls sogar gedeckelt werden. Denn auch, wenn in Stuttgart viele gut verdienende Menschen leben, es gibt auch viele, die finanziell nicht ganz so gut dastehen. Eine Lösung, um günstiger zu wohnen, schien lange ein Umzug in die äußeren Stadtteile der Schwabenmetropole zu sein - denn vor allem in beliebten Stadtteilen von Stuttgart sind die Mieten enorm hoch. Doch mittlerweile zeigt sich: Das Wohnen ist in der ganzen Metropolregion Stuttgart teuer. Einer Studie zufolge soll jedoch das Wohnen im Großraum Stuttgart bis zum Jahr 2027 günstiger werden - dann zeigen sich die Auswirkungen des Endes des Immobilienbooms in München.

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