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Mercedes-Benz stellt 1.000 neue Ingenieure ein - für weniger Geld als Bestandsmitarbeiter

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Von: Julian Baumann

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Eine Mercedes-Mitarbeiterin bei der Produktion der E-Limousine EQS in Sindelfingen.
Die Mercedes-Benz AG sucht für das Zukunftswerk Sindelfingen 1.000 neue Ingenieure. Für langjährige Mitarbeiter ist ein Wechsel wenig lukrativ. © Mercedes-Benz AG - Global Communications

Mercedes-Benz sucht für das Zukunftswerk in Sindelfingen 1.000 neue Ingenieure. Für die eigenen Mitarbeiter sind die Tarifkonditionen wenig verlockend.

Stuttgart - Im vergangenen Jahr stellte die Daimler AG, der Konzern, den es in dieser Form nicht mehr gibt, die neue Version der S-Klasse vor. Bei der Weltpremiere wurde zeitgleich auch das Zukunftswerk, die Factory 56, in Sindelfingen eröffnet. Dort wird neben der Verbrenner-S-Klasse auch das elektrische Pendant EQS produziert. In Sindelfingen plant das inzwischen eigenständige Unternehmen, die Mercedes-Benz AG, zu Beginn des kommenden Jahres die Entwicklung des hauseigenen Betriebssystems „MB.OS“. Dieses System soll künftig alle Softwareanwendungen in den Modellen von Mercedes-Benz steuern.

Für den Zukunftsstandort in Sindelfingen nahe der Landeshauptstadt Stuttgart sucht die Mercedes-Benz AG 1.000 neue Software-Ingenieure. Laut der Stuttgarter Zeitung hat das Unternehmen bereit 500 solcher Spezialisten eingestellt. Für die eigenen Ingenieure, die bereits lange bei dem Konzern mit dem Stern angestellt sind, ist ein Wechsel aufgrund der Tarifkonditionen dagegen wenig verlockend.

Mercedes-Benz AG: Betriebsvereinbarung bietet Ingenieuren mehr Flexibilität und Eigenverantwortung

Für die Entwicklung des Betriebssystems MB.OS errichtet die Mercedes-Benz AG einen großen Software-Campus am Standort in Sindelfingen, der zu Beginn des kommenden Jahres den Betrieb aufnehmen soll. Neben den 1.000 neuen Stellen für Software-Ingenieure am Standort, entstehen im Rahmen des Projekts auch 2.000 weitere Arbeitsplätze weltweit. Laut dem Unternehmen laufe die Personalsuche gut, was zeige, „dass das Angebot attraktiv ist“, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Die im Sommer 2021 verhandelte Betriebsvereinbarung soll den Ingenieuren mehr Flexibilität und Eigenverantwortung ermöglichen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Mercedes-Benz AG am Standort Sindelfingen, Ergun Lümali, sagte, man habe bereits mehr als 500 Neueinstellungen und auch interne Versetzungen erreicht. „Die Begeisterung, hier voranzukommen, besteht weiterhin – und es ist nicht so, dass wir Probleme hätten, die richtigen Software-Experten für das Unternehmen zu finden“, sagte er laut der Stuttgarter Zeitung. Bei dem Unternehmen mit dem Stern zu arbeiten sei „schon noch eine Ehre – und die Spezialisten, die zu uns kommen, können die Automobilwelt ein Stück weit verändern, sodass unsere Marke die Besten anziehen wird“.

Mercedes-Benz AG will Mitte 2022 Zielzahl erreichen - doch die Wechselbereitschaft ist gering

Von Anfang an sei es nicht geplant gewesen, die 1.000 zu besetzenden Stellen am Standort in Sindelfingen mit einem Schlag zu besetzen, sagte der Betriebsratsvorsitzende. Er gehe aber davon aus, dass die Zielzahl bis Mitte 2022 erreicht sei. Die Wechselbereitschaft der eigenen Mitarbeiter sei dagegen vergleichsweise gering. „Der Anteil wird nicht sehr groß sein“, sagte Lümali laut Stuttgarter Zeitung. Das liege daran, dass die langjährigen Beschäftigten in diesem Bereich bereits ein hohes Entgelt erhalten würden. Dieser Lohnbestandteil würde bei einem Wechsel zunächst deutlich niedriger ausfallen.

Dem Ruf der Mercedes-Benz AG, als Software-Ingenieur für das Betriebssystem MB.OS einzusteigen, folgen laut Ergun Lümali demnach hauptsächlich jüngere Beschäftige, die noch kein so hohes Entgelt erreicht haben. Manche älteren Mitarbeiter seien aber doch bereit für einen Wechsel. „Es gibt ein paar langjährige Kollegen, die das in Anspruch nehmen, weil Flexibilität und persönliche Freiheit immer wichtiger werden“, sagte Lümali. „Aber tendenziell ist festzustellen, dass die Erfahrenen eher im bekannten System bleiben und ihren Aufgaben weiter nachgehen.“

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