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Mercedes-Benz entwickelt Batterien, die Reichweite von E-Autos verdoppeln könnten

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Von: Julian Baumann

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Darstellung der Feststofftechnologie für Batteriezellen.
Die Feststofftechnologie von Mercedes-Benz und ProLogium soll die Reichweite von E-Autos fast verdoppeln können. © Mercedes-Benz AG - Global Communications

Die Mercedes-Benz AG treibt die Produktion von E-Autos weiter voran. In Kooperation mit ProLogium entstehen Batteriezellen der nächsten Generation. 

Stuttgart - Zu Beginn der groß angelegten Transformation zur E-Mobilität hat die Daimler AG bei der Produktion von eigenen Batteriezellen noch gezögert. Die ersten E-Autos des Autokonzerns aus Stuttgart, die SUVs EQA und EQC, welche auf einer umgebauten Verbrenner-Architektur basierten, wurden mit Batteriezellen von externen Zulieferern angetrieben. Als wirklicher Startpunkt für die Wandlung zum E-Autobauer kann aber die Weltpremiere der elektrischen Luxuslimousine EQS im vergangenen Jahr bezeichnet werden. Seitdem hat die inzwischen wirtschaftlich eigenständige Mercedes-Benz AG die eigene Batteriefertigung deutlich ausgebaut. Mercedes plant 8 Gigafabriken als „Zentrum der Autoindustrie“.

In Kooperation mit dem Unternehmen ProLogium, einem führenden Hersteller für Batteriezellen, will die Mercedes-Benz AG die Produktion auf ein neues Level heben. Laut einer Pressemitteilung des Stuttgarter Autobauers sollen Feststoff-Batteriezellen der neuen Generation gebaut werden. Diese sollen unter anderem einen Aspekt der E-Autos ausmerzen, der noch immer von Autofahrern kritisiert wird: die vergleichsweise geringe Reichweite.

Mercedes-Benz AG beschleunigt Entwicklung von Feststoffbatterien - „Effizienz und Reichweite“

Dass die Mercedes-Benz AG die Entwicklung von leistungsstarken Batteriezellen für ihre E-Auto-Flotte beschleunigen will, kommt nicht von ungefähr. Ziel des schwäbischen Traditionskonzerns ist es, ab Ende des Jahrzehnts ausschließlich batteriebetriebene Autos zu bauen. Bereits ab 2025 sollen alle Mercedes-Modelle auch in einer elektrischen Version verfügbar sein. Die Kooperation mit ProLogium soll schnelle Fortschritte in der Batterietechnologie erzielen und den Zugang zu den neuesten Technologien absichern, heißt es in der Pressemitteilung. Mercedes-Benz beteiligt sich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag an dem Batteriehersteller aus Taiwan und erhält einen Sitz in dessen Board of Directors.

Das Konzeptauto Vision EQXX von Mercedes-Benz. Das Modell soll zeigen, wie sich die Stuttgarter die Zukunft der E-Autos vorstellen.
Die effizienten Feststoffbatterien sollen in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in ausgewählten E-Auto-Modellen von Mercedes-Benz zum Einsatz kommen. © Mercedes-Benz AG – Communications

Ziel der Technologiepartnerschaft zwischen Mercedes-Benz und ProLogium ist die „Entwicklung von Batteriezellen der nächsten Generation.“ Diese Feststoffbatterien werden bereits in den kommenden Jahren in Testfahrzeugen von Mercedes zum Einsatz kommen. Die neuen Batterien sollen gleich mehrere Probleme der bisherigen E-Autobatterien lösen können. „Effizienz und Reichweite sind die neuen Branchenmaßstäbe für Elektroautos“, macht Daimler- und Mercedes-Benz-Entwicklungschef Markus Schäfer deutlich. „Die Feststofftechnologie hat das Potenzial, Größe und Gewicht der Batterie deutlich zu reduzieren.“

Auch Vincent Yang, CEO und Gründer von ProLogium, ist von den Früchten der Zusammenarbeit mit dem weltbekannten Autobauer überzeugt. „Gemeinsam mit Mercedes-Benz wollen wir am effektiven Einsatz unserer sicheren und leistungsstarken Festkörperbatteriezellen und an der Erfüllung der Standards für die Mercedes-Benz Spitzenqualität arbeiten“, sagt er.

Mercedes-Benz AG und ProLogium: Technologie soll elektrische Reichweite fast verdoppeln

Ein noch immer häufig genannter Kritikpunkt an den E-Autos ist die vergleichsweise geringe Reichweite pro Akkuladung, die auch mit der noch vergleichsweise schlecht ausgebauten Lade-Infrastruktur einhergeht. Die Mercedes-Benz AG hat mit dem Flaggschiff EQS und dem bald auf den Markt kommenden „kleinen Bruder“ EQE aber Modelle mit einer hohen Reichweite im Angebot. Der EQS schafft mit einer Akkuladung, je nach Fahrweise, eine Strecke von rund 780 Kilometern, der kleinere EQE soll immerhin auf eine Reichweite von 660 Kilometern kommen. Dennoch will der Konzern in Kooperation mit ProLogium die Reichweite der E-Auto-Modelle nochmal deutlich steigern.

Bislang kommen bei den E-Autos vor allem Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Mit der Feststofftechnologie von ProLogium sollen sich Kosten, Skalierbarkeit und Energiedichte neu definieren lassen. In der Pressemitteilung von Mercedes-Benz wird erläutert, dass der Festkörperelektrolyt die Verwendung von Materialien mit hoher Speicherkapazität, hoher ionischer Leitfähigkeit und einer höheren chemischen Stabilität ermöglicht. „Die innovativen Materialien und das Design von Feststoffbatterien haben das Potenzial, die Reichweite der heutigen konventionellen Li-Ionen-Batteriezellen nahezu zu verdoppeln.“

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der Mercedes-Benz AG und ProLogium wurden Meilensteine festgelegt. Demnach soll eine Integration der Feststofftechnologie in ausgewählte Mercedes-Modelle innerhalb der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erfolgen. ProLogium will mithilfe der Stuttgarter die Produktion aber bereits vor 2025 starten. „Wir freuen uns darauf, unser neues Werk bis Ende 2022 hochzufahren und gemeinsam mit unseren Kunden auf eine erfolgreiche Massenproduktion hinzuarbeiten“, sagt Vincent Yang.

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