Ein Stück Automobilgeschichte

„Durchbruch gelungen“: Auto von Mercedes-Benz darf vollautonom auf Autobahn fahren

Demonstration des „Drive Pilots“ in einer Mercedes S-Klasse.
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Mercedes-Benz erhielt als erster Autobauer der Welt die Freigabe für das vollautonome Fahren.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Mercedes-Benz AG erhielt als erster Autobauer der Welt die Level 3-Freigabe für den Autopiloten. Die S-Klasse kann damit vollautonom auf der Autobahn fahren.

Stuttgart - Als die Daimler AG im vergangenen Jahr die neue Mercedes S-Klasse vorstellte, war auch Formel 1 Weltmeister und Mercedes AMG-Petronas Pilot Lewis Hamilton virtuell vor Ort. Er demonstrierte, wie die Luxuslimousine selbstständig ein- und ausparken und zu einem im Vorfeld festgelegten Punkt zurückkehren kann. Seitdem hat sich bei dem weltbekannten Unternehmen mit dem Stern einiges getan. Die Daimler AG, als Konzern, wie man ihn bisher kannte, ist Geschichte. Stattdessen fungiert die weltbekannte Pkw-Sparte nun als Mercedes-Benz AG. Doch auch im Bereich des autonomen Fahrens haben die Schwaben gewaltige Fortschritte gemacht.

Mercedes-Benz setzt inzwischen stark auf die E-Mobilität und steht damit im direkten Konkurrenzkampf mit Tesla. Im Bereich des autonomen Fahrens könnte Mercedes Tesla dagegen weit überlegen sein, hieß es bereits zu Beginn des Jahres. Damals verkündete der Autobauer, in der zweiten Jahreshälfte 2021 die S-Klasse mit dem Level-3-autonomen „Drive Pilot“ ausstatten und auf die deutschen Autobahnen bringen zu wollen. Als „Level 3“ werden Autos bezeichnet, die zeitweise und in bestimmten Bereichen das Steuer übernehmen können.

Für dieses System erhielt Mercedes-Benz nun als weltweit erstes Automobilunternehmen die Freigabe, heißt es in einer Pressemitteilung. Damit kann die S-Klasse auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde vollkommen autonom und ohne Eingreifen des Fahrers fahren.

Mercedes-Benz erhält Freigabe für den „Drive Pilot“ - „Pionierleistung beim automatisierten Fahren“

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilte der Mercedes-Benz AG die Freigabe, den vollautonomen „Drive Pilot“ mit Level 3-System international anbieten zu können. „Seit vielen Jahren arbeiten wir daran, unsere Vision vom automatisierten Fahren zu verwirklichen“, sagte Markus Schäfer, Chief Technology Officer der Mercedes-Benz AG. „Mit der Behördengenehmigung ist uns nun ein Durchbruch gelungen: Als erster Hersteller geht bei uns hochautomatisiertes Fahren in Deutschland in Serie.“ Eine rechtliche Freigabe für das Level 3-System auf den deutschen Straßen wurde per Gesetz bereits im Jahr 2017 erteilt. Bislang konnte aber kein Autobauer eine solche Technik anbieten.

Im Vergleich mit dem Tesla-Autopiloten, bei dem der Fahrer immer wieder in das Geschehen eingreifen muss, kann der Autopilot von Mercedes-Benz vollkommen autonom fahren. Das ist auch für den Traditionskonzern aus Stuttgart ein denkwürdiger Moment, da das Unternehmen in seiner Geschichte stets Autos gebaut hat, die von Fahrern gesteuert werden. „Erstmals in 136 Jahren Automobilgeschichte übernimmt das Fahrzeug unter bestimmten Voraussetzungen die dynamische Fahraufgabe“, sagte Markus Schäfer laut der Pressemitteilung. „Mit diesem Meilenstein beweisen wir einmal mehr unsere Pionierleistung beim automatisierten Fahren und leiten zudem einen radikalen Paradigmenwechsel ein.“

Mercedes-Benz: System soll auch auf unerwartet auftretende Verkehrssituationen reagieren können

Der „Drive Pilot“ von Mercedes-Benz wird bereits seit einiger Zeit von Fahrern des Unternehmens auf den Straßen getestet. Durch die Freigabe kann nun jedoch theoretisch jeder Besitzer einer aktuellen Mercedes-S-Klasse mit eingebautem Autopiloten von der Technik Gebrauch machen. Auf geeigneten Autobahnabschnitten und bei hohem Verkehrsaufkommen übernimmt der Autopilot, wenn er aktiviert ist, automatisch die Kontrolle. „Aktiviert der Fahrer DRIVE PILOT, regelt das System Geschwindigkeit und Abstand und führt das Fahrzeug souverän innerhalb der Spur“, schreibt Mercedes in der Mitteilung. „Streckenverlauf, auftretende Streckenereignisse und Verkehrszeichen werden ausgewertet und berücksichtigt.“

Autofahrer sollten bei der Fahrt besonders aufmerksam sein, da das Verhalten der anderen Fahrer nicht immer vorhersehbar ist und sich auch die Straßenführung beispielsweise durch Baustellen, Umleitungen und Co. verändern kann. Laut der Mercedes-Benz AG soll „Drive Pilot“ auch auf unerwartet auftretende Verkehrssituationen reagieren können. Mit der Freigabe des Autopiloten von Mercedes-Benz ist das autonome Fahren demnach auch für Privatpersonen erlebbar. Zunächst wird der Autopilot in der S-Klasse nur auf den deutschen Straßen zum Einsatz kommen, die Freigabe durch das Kraftfahrtbundesamt ermöglicht zukünftig aber auch, das System im Ausland anzubieten.

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