130 km/h auf Autobahnen

Mehrheit der Baden-Württemberger befürworten ein Tempolimit

Autos fahren über die Autobahn.
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Autos fahren über die Autobahn.

Ginge es nach einer Mehrheit der Menschen in Baden-Württemberg, gäbe es in Deutschland ein Tempolimit auf Autobahnen. Das zeigt eine neue Umfrage.

Stuttgart (dpa/lsw) - In Baden-Württemberg steht die «Wiege» des Automobils, das Bundesland ist weltbekannt als Industriestandort, die Branche einer der wichtigsten Arbeitgeber. Und dennoch unterstützen die meisten Menschen zwischen Mannheim, Ulm, Karlsruhe und dem Bodensee ein Tempolimit auf Autobahnen. Nicht schneller als 130 Stundenkilometer - das sei ein Schritt in die richtige Richtung, um Klima und Umwelt besser zu schützen, meinen 60 Prozent der befragten erwachsenen Baden-Württemberger bei einer Umfrage im Auftrag von SWR und «Stuttgarter Zeitung». 38 Prozent sehen das anders, wie die am Donnerstag veröffentlichten Ergebnisse von Infratest dimap zeigen.

Für manche sicher überraschend: Unter jüngeren Befragten fordern weniger den Tritt auf die Bremse. Laut Umfrage stimmen 74 Prozent der Befragten in der Altersgruppe der über 65-Jährigen einem Tempolimit zu, bei den 18 bis 39-Jährigen sind es nur 40 Prozent.

Der politische Dauerbrenner Tempolimit spielt derzeit auch eine Rolle bei den Sondierungen von SPD, Grünen und FDP auf dem Weg zu einer möglichen Ampelkoalition auf Bundesebene. SPD und Grüne sind für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen, die FDP lehnt dies als Symbolpolitik ab.

Klima- und Umweltschutz sollten nach Überzeugung der meisten Menschen in Baden-Württemberg zwar eine stärkere Bedeutung bekommen. Weniger klar ist dagegen das Meinungsbild, wenn es um die konkrete Umsetzung geht. So würden knapp drei Viertel der Wahlberechtigten (72 Prozent) höheren Preisen für Flugreisen zustimmen, wie die Umfrage ergab. Mit einer Anhebung des Benzinpreises wäre dagegen nur jeder Vierte (26 Prozent) zufrieden. Für höhere Energiepreise zum Beispiel für Strom und Gas ist nicht einmal ein Fünftel (19 Prozent) aller Befragten zu haben. Und auch der Umstieg vom Verbrenner auf Elektromobilität stößt bei der Mehrheit auf Widerspruch (59 Prozent).

Geht es um das Tempolimit, bleibt Deutschland bis auf weiteres ein «weißer Fleck» auf der EU-Landkarte. Auf dem Großteil der deutschen Autobahnen gilt nach wie vor freie Fahrt - auf 70 Prozent des Netzes. Dauerhafte oder zeitweise Beschränkungen mit Schildern gibt es auf 20,8 Prozent des Netzes, wie Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen für 2015 zeigen - am häufigsten sind Tempo 120 (7,8 Prozent) und Tempo 100 (5,6 Prozent). Dazu kommen variable Verkehrslenkungsanzeigen. Seit mehr als 40 Jahren gilt zudem die empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130.

Befürworter eines Tempolimits argumentieren, um die Klimaziele für 2030 zu erreichen, müsse vor allem im Verkehr massiv Kohlendioxid (CO2) eingespart werden. Und die Maßnahme mit dem höchsten Einsparpotenzial sei ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde (km/h) auf Autobahnen, 80 km/h außerorts und 30 km/h innerorts. Außerdem erhöhe ein Tempolimit massiv die Verkehrssicherheit durch weniger Unfälle.

Auch Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann hatte sich in der Debatte zuletzt wieder für ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen stark gemacht. «Die Vision Zero eines Straßenverkehrs ohne Getötete und Schwerverletzte ist selbstverständlich ein sehr wichtiges Ziel für die Verkehrssicherheit», hatte der Minister der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart gesagt. Dazu gehörten auch Geschwindigkeitsbeschränkungen wie Tempo 130 auf der Autobahn.

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