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Geplante Medien-Akademie in Stuttgart droht zu scheitern

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Die Auflagen der Tageszeitungen in Baden-Württemberg sanken im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 1,58 Millionen. Die digitalen Reichweiten der Zeitungen stiegen im Gegenzug um über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Archivbild). © Tom Weller/dpa

Erst Corona, dann der Krieg: Die Zeitungsbranche leidet unter den Folgen der großen Krisen. Um für Nachwuchskräfte wieder attraktiver zu werden, hoffen die Verlage auf Hilfe vom Land. Doch bisher warten sie vergeblich.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die geplante Medien-Akademie zur Aus- und Fortbildung von Journalistinnen und Journalisten in Baden-Württemberg droht zu scheitern. Die Landesregierung gebe dafür bisher keine Mittel frei, sagte der Geschäftsführer des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV), Holger Paesler. Er forderte Grün-Schwarz dazu auf, die Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen und den Journalismus im Land zu unterstützen.

Die geplante Akademie in Stuttgart ist ein gemeinsames Projekt mit dem Deutschen Journalisten-Verband. Vorbild ist die Akademie der Bayerischen Presse in München, die vom Freistaat mit mehr als 500 000 Euro im Jahr unterstützt wird.

Zeitungsbranche leidet weiterhin unter den Folgen der Corona-Pandemie

Nach Angaben des VSZV-Vorsitzenden Valdo Lehari jr. leidet die Zeitungsbranche weiter unter den Folgen der Corona-Pandemie. Weil der Einzelhandel sich noch nicht wieder erholt habe, sei der Anzeigenmarkt weiter rückläufig. Die Landesregierung müsse alles dafür tun, dass in den Innenstädten neue Geschäfte entstehen können. Auch die drastisch gestiegenen Papier- und Energiepreise sowie die Erhöhung des Mindestlohns für Zusteller setzten die Zeitungsverlage unter Druck.

Zudem gibt es immer wieder Streit mit dem Südwestrundfunk und den Amtsblättern von Städten und Gemeinden. Der Verlegerverband wirft dem öffentlich-rechtlichen Sender und den Kommunen vor, mit einer flächendeckenden kostenlosen Lokalberichterstattung das Geschäftsmodell der Zeitungen zu gefährden. «Einzelne Gratis-Angebote beim SWR oder in Städten und Gemeinden verstoßen gegen das Verbot der Presseähnlichkeit und das Gebot der Staatsferne der Presse und damit gegen gesetzliche Vorgaben», kritisierte Paesler. Dies sei ein großes Ärgernis.

Branche müsse gemeinsam gegen große Plattformanbieter vorgehen

Bei der VSZV-Jahrestagung am Dienstag (31. Mai) in Stuttgart will Lehari seine Kolleginnen und Kollegen dazu aufrufen, sich nicht auseinandertreiben zu lassen. Statt einzelne Geschäfte mit Internet-Riesen wie Google zu machen, müsse die Branche gemeinsam gegen die großen Plattformanbieter vorgehen, die mit Inhalten der Zeitungen den digitalen Werbemarkt unter sich aufteilten.

Die Auflagen der Tageszeitungen in Baden-Württemberg sanken im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 1,58 Millionen. Die digitalen Reichweiten der Zeitungen stiegen im Gegenzug um über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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