Unterricht in Baden-Württemberg

Maskenpflicht in der Schule fällt - Land ignoriert Experten-Gremium

Schüler in einer Klasse sitzen nebeneinander, tragen Mundschutz und bearbeiten Schulaufgaben.
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Seit Montag müssen Schüler keine Maske mehr tragen - entgegen der Empfehlung eines Expertengremiums.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Schüler müssen keine Maske mehr im Unterricht tragen. Das hat die Landesregierung entschieden - trotz der anders lautenden Empfehlung des „Expertenkreises Aerosole“.

Stuttgart - Maske im Unterricht - das war für viele Schüler in Baden-Württemberg lange Zeit zur Gewohnheit geworden. Um das Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, musste auch die Verbreitung der Viren in den Klassenräumen verhindert werden. Seit die Inzidenzzahlen im Südwesten auf dem niedrigsten Stand wie zuletzt vor fast einem Jahr sind, treten allerdings immer mehr Lockerungen in Baden-Württemberg ein.

Auch an den Schulen gelten neue Regelungen. Für die Schüler gibt es seit Montag, 21. Juni, keine Maskenpflicht mehr im Unterricht und auf Pausenhöfen. Die Regel gilt, solange der Stadt- oder Landkreis unter einer Inzidenz von 35 bleibt und es keinen Corona-Fall an der Schule gibt. Auch andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und Bayern haben die Regel gelockert.

Maskenpflicht an Schulen sieht der Expertenkreis als „essenziellen Schutzbaustein“

Die Entscheidung wird allerdings nicht unkritisch gesehen. In Baden-Württemberg erfolgte sie offenbar auch nicht im Einklang mit der Empfehlung, welche die Landesregierung von offizieller Seite bekommen hat. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, soll der von der Regierung selbst einberufene „Expertenkreis Aerosole“ eine ganz andere Meinung vertreten. Die Experten empfehlen explizit das Tragen einer Maske im Unterricht, bezeichnen den Mund-Nasen-Schutz als „essenziellen Schutzbaustein“. „An dieser Meinung hat sich nichts geändert“, sagt ein Mitglied gegenüber der Zeitung.

Kulturministerin Theresa Schopper (Grüne) begründete den Wegfall der Maskenpflicht indes damit, dass man bei den Lockerungen auch an die Kinder und Jugendlichen denken müsse. „Sie mussten in der Pandemie zurückstecken, um die Älteren zu schützen, deswegen müssen wir sie jetzt auch bei Lockerungen berücksichtigen und ihnen Belastungen nehmen, wenn dies vertretbar ist“, so Schopper in einer Erklärung des Ministeriums. Die Schule solle aber sicher bleiben. Schüler und Lehrkräfte dürften daher „natürlich weiter freiwillig eine Maske tragen“.

Der Wegfall der Maskenpflicht an Schulen war mehrfach kritisiert worden

Die Maske sei zudem nicht die einzige Schutzmaßnahme. Nach wie vor gebe es regelmäßige Coronatests, die für die Teilnahme am Präsenzunterricht nötig seien, die bestehenden Hygienerichtlinien und Vorgaben zum Lüften. „Diese Maßnahmen sollen weiter einen möglichst sicheren Schulbetrieb gewährleisten“, so das Kultusministerium.

Die Entscheidung der baden-württembergischen Landesregierung stieß mehrfach auf Kritik und Unverständnis. Der Verband Bildung und Erziehung wies darauf hin, dass viele Kinder nicht geimpft seien und im Unterricht nicht der nötige Abstand eingehalten werden könne. Hinzu kommt die neue Delta-Mutante des Coronavirus, die sich mittlerweile in Deutschland verbreitet und auch in Baden-Württemberg angekommen ist. Zuletzt war die gefährliche Variante in einer Kita in Waiblingen ausgebrochen.

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