Der Andrang ist groß

Stuttgarter Friseur versteigert ersten Termin nach Lockdown für 1.000 Euro

Mit Kamm und Schere werden im Co-Working-Space Nicnoa Haare geschnitten.
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Am 1. März tritt eine lang erwartete Lockerung in Baden-Württemberg in Kraft - Friseure öffnen wieder.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Trotz der wieder steigenden Infektionszahlen treten schrittweise Lockerungen in Baden-Württemberg in Kraft. Ein Stuttgarter Friseur versteigerte den ersten Haarschnitt nun für 1.000 Euro.

Stuttgart - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg müssen die Bürger im Südwesten seit einem Jahr auf viele grundlegende Dinge immer wieder verzichten. Durch den bereits seit Dezember 2020 geltenden Lockdown sind sogar alltägliche Unternehmungen wie ein Besuch beim Lieblingsitaliener, das Treffen zu einem Feierabendbier in einer Bar oder auch der Gang zum Friseur seit mehreren Monaten nicht möglich. Obwohl die Infektionszahlen aktuell wieder steigen und auch die Virus-Mutationen Sorgen bereiten, treten nach und nach erste Lockerungen in Baden-Württemberg in Kraft. Dazu zählte beispielsweise die Öffnung der Grundschulen und Kitas am 22. Februar und auch Blumenhändler und Friseure dürfen am 1. März wieder öffnen.

Die geschlossenen Friseursalons aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg führten bereits zu allerhand Memes und Karikaturen. Sie zeigen beispielsweise Männer, die aufgrund des Haarwachstums ebenso lange Haare haben wie ihre Frauen. Damit ist die am 1. März eintretende Lockerung in Baden-Württemberg sicherlich eine, auf die die Bürger mit Spannung gewartet haben. Ein Friseur aus der Landeshauptstadt Stuttgart versteigerte den ersten Termin nach der Wiedereröffnung für 1.000 Euro. Das eingenommene Geld soll allerdings für einen guten Zweck gespendet werden, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Lockerungen in Baden-Württemberg: Teurer Haarschnitt in Stuttgart - für einen guten Zweck

Durch den Lockdown aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg gerieten viele Händler und Dienstleister in dramatische finanzielle Schwierigkeiten. Durch die Lockerung für Friseure im Südwesten können viele ab Montag ihr Handwerk wieder aufnehmen und der Andrang ist entsprechend groß. „Ja klar, den Berufsstand der Friseure hat’s hart getroffen“, sagte Sezar Minasyan, der im Stuttgarter Hospitalviertel einen Friseursalon betreibt der Stuttgarter Zeitung. „Aber es gibt viele Menschen, denen es noch wesentlich schlechter geht als uns.“

Durch die monatelange Schließung hätte der Friseur die 1.000 Euro für den ersten Haarschnitt sicherlich selbst gut gebrauchen können. Er entschied sich allerdings, den Betrag an den Verein „Stelp“ („Stuttgart helps“) zu spenden und damit ein Zeichen zu setzen, wie er selbst sagt.

Durch die Lockerung in Baden-Württemberg ist der Andrang auf Termine bei den Friseursalons immens groß. Auch Sezar Minasyan hätte nicht erwartet, dass bei seinem versteigerten Termin am Montag um 10 Uhr eine solch hohe Summe rauskommt. Die Gebote hätten sich immer weiter hochgeschaukelt, berichtet der Friseur der Stuttgarter Zeitung. Am Ende habe ein Kunde, der anonym bleiben will, den Zuschlag bekommen. Ein Haarschnitt für 1.000 Euro kann bestimmt als einer der teuersten in der Geschichte der Landeshauptstadt bezeichnet werden, vielleicht sogar der teuerste überhaupt. Die Aktion, die dem Friseur von einem Freund vorgeschlagen wurde, kommt nun der Initiative von Serkan Eren und Timo Hildebrand zugute, die weltweit Menschen in Not helfen.

Lockerungen in Baden-Württemberg: Großer Andrang - Friseure bereits wochenlang ausgebucht

Vor dem Lockdown aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg war ein Friseurtermin eine völlig normale Unternehmung. Durch die monatelange Schließung der Salons herrscht nun jedoch ein großer Andrang auf die begehrten Termine. Auch der Stuttgarter Friseur vom Hospitalplatz freut sich, sein Geschäft endlich wieder öffnen zu können. Ohne die Lockerung in Baden-Württemberg hätte er nicht gewusst, ob sein Geschäft noch zu retten sei, berichtet Sezar Minasyan der Stuttgarter Zeitung. Denn auf die staatliche Hilfe wartet der Friseur noch immer. „Bisher ist nichts bei mir angekommen“, sagte er. „Ohne die finanziellen Hilfen meiner Eltern hätte mein Salon kaum überlebt.“ Einige seiner Kollegen kämen der Insolvenz dagegen immer näher.

Trotz der finanziellen Schwierigkeit in der Friseurbranche hat sich der Stuttgarter entschieden, nach der wichtigen Lockerung in Baden-Württemberg auf das Einkommen des ersten Haarschnitts zu verzichten und stattdessen ein Zeichen zu setzten. „Unsere Aktion ist gleichzeitig auch ein Appell, in harten Zeiten solidarisch zu sein, sich um andere zu kümmern“, sagte Sezar Minasyan. „Wir sollten unsere lokalen Geschäfte unterstützen und die Waren nicht immer nur bei Amazon bestellen.“

Sein erster Kunde am Montag bleibt wohl anonym. Es handelt sich wohl aber nicht um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Der Regierungschef hat nämlich bereits einen Termin nächste Woche bei seinem Lieblingsfriseur Giovanni Dell’Aquila angemeldet, der dem Landesvater bereits seit zehn Jahren die Haare schneidet.

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