Unterricht in Baden-Württemberg

„Davon halte ich gar nichts“: Wegen Gender-Schreibweise in Schulen liegen im Südwesten die Nerven blank

Schülerin meldet sich im Unterricht
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Soll in Schulen geschlechtergerechte Sprache vewendet werden? Darüber wird aktuell heiß diskutiert.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Soll die geschlechtergerechte Schreibweise auch in Schulen im Land verwendet werden? Das wird in Baden-Württemberg aktuell heiß diskutiert - und löst eine Welle der Kritik aus.

Stuttgart - Die Gender-Debatte geht in die nächste Runde. Aktuell wird diskutiert, ob das Gendersternchen auch in Schulen in Baden-Württemberg Einzug erhalten soll. Vor allem eine Äußerung von Kultusministerin Theresa Schopper sorgte in der Debatte für Zündstoff. „Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule für geschlechterneutrale Sprache sensibilisiert werden“, sagte die Grünenpolitikerin vor einigen Tagen gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Deshalb sei das Thema Geschlechtergerechtigkeit auch im Bildungsplan der baden-württembergischen Landesregierung verankert. 

Ihr Vorschlag: Lehrkräfte sollen mit Schülern eine Schreibweise zum Gender-Sternchen vereinbaren. Den Schulen im Land sei es selbst überlassen, ob sie Genderzeichen wie das Sternchen in Aufsätzen und Prüfungen zulassen wollen, so Theresa Schopper. Laut der Stuttgarter Zeitung orientieren sich Schulen im Land dabei nach wie vor am amtlichen Regelwerk für die deutsche Orthografie. Das empfiehlt die Aufnahme von Gendersternchen, Doppelpunkt und Co. bisher nicht.

Diese Äußerungen von Theresa Schopper lösten nicht nur beim Koalitionspartner harte Kritik aus. Auch aus den eigenen Reihen kamen prompt negative Stimmen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann etwa hält nichts von der gendergerechten Sprache, steht der Sache eher skeptisch gegenüber. Im Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung wurde aufs Gendern daher verzichtet.

Gendern an Schulen: Kritik aus allen Reihen - „Davon halte ich gar nichts“

Kritik hagelte es auch vom Koalitionspartner CDU, wie die Badische Zeitung berichtet. „Wir sollten keine Beliebigkeit in Wort und Schrift in unsere Schulen einziehen lassen. Wenn das Kultusministerium jetzt sagt, dass jede Schule oder gar jede Klasse das Gendersternchen handhabt, wie sie gerade möchte, entsteht ein Flickenteppich. Es gibt schließlich ein Regelwerk über die deutsche Sprache“, so CDU-Generalsekretärin Isabell Huber. „Anstatt das Trennende mit Sternchen oder Binnen-Is überzubetonen, spricht doch nichts dagegen, klassisch, schlicht und einfach beide Geschlechterformen zu nennen“, schlägt sie vor.

Ähnlich kritisch sieht es auch Hans-Ulrich Rülke, FDP-Fraktionschef und Gymnasiallehrer für Deutsch. „Davon halte ich gar nichts“, sagt er im Gespräch mit der Badischen Zeitung. „Die Energie, die die Kultusministerin hat, sollte sie darin investieren, dass die Schüler und Schülerinnen die Sprache von Goethe und Schiller erlernen – und nicht Gender-Sternchen und -Doppelpunkte“.

Inzwischen treibt die Diskussion um das Gendersternchen nicht nur die Landespolitik um. Der Philologenverband etwa bemängelt, dass die Ministerin die Schulen „ohne verbindliche Regelung im Regen stehen lässt“. Der Landesschülerbeirat hingegen begrüßt die Debatte, wünscht sich jedoch einheitliche und klare Regeln an den Schulen, so eine Sprecherin im Südwestrundfunk.

Gendersternchen an Schulen in Baden-Württemberg: Im März noch abgelehnt

Während in Baden-Württemberg die Diskussion immer hitziger wird, versteht man im Kultusministerium die Aufregung nicht. Es gebe keinen Erlass, eine Richtlinie oder sonst eine Vorgabe in dieser Sache, heißt es gegenüber der Badischen Zeitung. Selbstverständlich gelte an den Schulen das Regelwerk für deutsche Rechtschreibung und sei verbindlich, so Ministeriumssprecher Benedikt Reinhard.

Im März 2021 beschloss der Rat für deutsche Rechtschreibung noch, die verschiedenen Formen der Genderschreibweisen vorerst nicht ins Regelwerk zu übernehmen, betonte aber die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Sprache. Scheint, als sei das letzte Wort rund um das Gendersternchen noch nicht gesprochen.

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