Eisenmanns Job ist ein „Himmelfahrtskommando“

Landtagswahl BW: CDU-Wähler blamieren ihre eigene Partei - „ins Aus manövriert“

Winfried Kretschmann sitzt mit Mundschutz im Landtag, hinter ihm steht Susanne Eisenmann
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Landtagswahl in Baden-Württemberg: CDU-Wähler wollen lieber Kretschmann als Eisenmann
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Für einen Wahlforscher steht bereits fest, wer die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewinnen wird. Die CDU-Wähler überraschen besonders.

Stuttgart - In ungefähr zwei Wochen, am 14. März, steht die Wahl der neuen Landesregierung in Baden-Württemberg an. Die aktuelle Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordert den amtierenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) heraus. Umfragen des ZDF zeigten bereits: Die Bürger haben einen eindeutigen Favoriten.

Während Susanne Eisenmann von den Baden-Württembergern schlecht bewertet wird, brachte es der amtierende Landeschef Winfried Kretschmann auf eine deutlich höhere Zustimmung. Über den aktuellen Stand der Umfragen klärt nun ein Wahlexperte auf - und macht eine deutliche Prognose.

Matthias Jung, Chef der Forschungsgruppe Wahlen, rechnet schon jetzt mit einem Sieg der Grünen bei der baden-württembergischen Landtagswahl. „Nach dem aktuellen Meinungsbild ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Grünen stärkste Partei bleiben“, sagte der Wahlforscher aus Mannheim der Deutschen Presseagentur (dpa). Dafür sprächen vor allem zwei Gründe: „Kretschmann füllt wie kein anderer Ministerpräsident in Deutschland die Rolle des Landesvaters aus.“ Und: „Die CDU macht es Kretschmann besonders leicht, ihm bürgerliche Wählerinnen und Wähler abspenstig zu machen.“

Landtagswahl BW: CDU-Wähler wollen eigene Kandidatin nicht als Ministerpräsidentin

Laut des Wahlforschers würden sogar CDU-Anhänger lieber Kretschmann als Ministerpräsidenten behalten, anstatt mit Eisenmann jemanden aus den eigenen Reihen. „65 Prozent der CDU-Anhänger wollen Kretschmann als Ministerpräsidenten und nur 22 Prozent der eigenen Anhänger wollen Eisenmann. Das ist ein wichtiger Grund, warum die Landes-CDU deutlich schlechter dasteht als die Bundes-CDU.“

Als Kultusministerin habe Susanne Eisenmann einen schweren Stand, weil in dem Amt nur wenige Pluspunkte zu sammeln seien. „In der aktuellen Corona-Situation ist das ein Himmelfahrtskommando“, sagt Matthias Jung. „Wenn man die Schulen öffnet, ist es zu riskant, wenn man sie geschlossen lässt, finden es viele auch nicht gut.“

Im Wahlkampf für die Landtagswahl in Baden-Württemberg musste Susanne Eisenmann bereits viel Kritik für ihre Kampagne einstecken - und erntete für ihre Wahlplakate einen Shitstorm. Während ein Kommunikationsexperte die Wahlplakate der Grünen lobte, stufte er die Plakate der CDU als wenig wirkungsvoll ein. Die offenbar misslungene Werbung ist offenbar repräsentativ für den Stand der CDU: Da sogar die Wähler aus den eigenen Reihen der CDU nicht hinter Eisenmann stehen, ebnen sie den Weg für eine weitere Regierungsperiode unter dem Grünen Landesvater. Wahlexperte Matthias Jung glaubt nicht, dass sich an den Umfragewerten bis zur Wahl noch viel ändern wird. „Es haben schon so viele Briefwahl gemacht, dass die Messe zum Teil schon gelesen ist.“ Zudem sei das Interesse an einer Landtagswahl nicht so groß, dass aktuelle Themen den Trend noch stark verändern könnten.

Landtagswahl BW: „Kretschmann repräsentiert die Mitte“

Winfried Kretschmann hat laut des Wahlforschers einiges richtig gemacht und sich dabei viel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abgeschaut: „Von Merkel lernen heißt Siegen lernen: Kretschmann repräsentiert die Mitte, die eigentlich die CDU besetzten müsste.“ Im Gegensatz dazu habe sich die CDU in den vergangenen Jahren nur widerwillig gesellschaftlichen Veränderungen gestellt und sich so „immer mehr ins Aus manövriert“, so der Experte. Weder CDU-Landeschef Thomas Strobl noch Susanne Eisenmann seien dafür bekannt, „sich für eine Modernisierung der CDU stark gemacht zu haben“.

Die einzige Chance für die CDU sieht der Wahlforscher darin, sich gegen eine Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP stark zu machen und eher für eine Fortsetzung von Grün-Schwarz zu werben. In Hinblick auf die Umfragen und Einschätzung von Wahlexperten deutet also einiges darauf hin, dass eine personelle Frage die Wahl maßgeblich beeinflussen wird. Zieht man Umfragen verschiedener Forschungsinstitute heran, liegen die Grünen derzeit zwischen drei und sieben Prozentpunkte vor der CDU. Demnach führen die Grünen mit 34 Prozent, die CDU schafft es nur auf 28 Prozent.

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