E-Mail-Panne in Stuttgart

„Ist mir rausgerutscht“: FDP-Politiker stellt sich mit falscher E-Mail an „Fridays for Future“ bloß

„“#KeinGradWeiter - FridaysforFuture““ steht beim globalen Klimastreik der Klimaschutzbewegung Fridays for Future auf einem großen Banner geschrieben.
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Mit der fälschlicherweise weitergeleiteten Antwort hätte die Stuttgarter „Friday for Future“-Gruppe sicher nicht gerechnet.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Am 14. März findet die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt. Einem Kandidaten der FDP unterlief nun ein peinlicher Fauxpas in einer E-Mail.

Stuttgart - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sind die Politiker im Südwesten deutlich mehr gefordert als in normalen Zeiten. Die Bevölkerung verspricht sich eine klare Führung, genaue Ansagen und eine gewisse Kontrolle über das Pandemiegeschehen von den Amtsträgern im Land. Da die Politiker aber eben auch Menschen sind, kann es schon mal zu Fehlern kommen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sorgte im vergangenen Jahr beispielsweise mit Verwirrung über die Corona-Warn-App für Gelächter. Als Journalisten den Landesvater fragten, ob er die App des Bundes bereits auf seinem Handy installiert habe, musste sich Kretschmann Hilfe suchend an seine Berater wenden.

Die Verwirrung von Winfried Kretschmann bei der Pressekonferenz im vergangenen Jahr sorgte für Erheiterung und tat der Beliebtheit des Landesvaters keinen Abbruch. In Bezug auf die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg, bei der die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) den amtierenden Regierungschef herausfordert, haben die Bürger bereits einen klaren Favoriten. Einem Kandidaten der FDP unterlief jedoch nun wenige Tage vor der Wahl ein Fauxpas, der mehr als nur peinlich ist, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Landtagswahl in Baden-Württemberg: FDP-Kandidat schickt falsche Antwort an Klimaaktivisten

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg finden immer wieder Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz statt. Daneben ist jedoch auch die „Fridays for Future“-Bewegung im Südwesten sehr stark und veranstaltete in der Vergangenheit jeden Freitag Demonstrationen in der Landeshauptstadt Stuttgart. In Bezug auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg wandte sich die Stuttgarter Gruppe der Bewegung unter anderem auch an den FDP-Kandidaten Thilo Scholpp. Ende Januar verschickten sie einen Fragebogen zur Klimapolitik mit der Bitte um eine rasche Beantwortung an den Politiker.

Die Klimapolitik der Kandidaten der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist eines der wichtigsten Themen neben dem Management der Corona-Pandemie. Die Antwort aus Thilo Scholpps Büro in Stuttgart an die Klimaaktivisten ließ demnach nicht lange auf sich warten - tatsächlich kam sie bereits vier Minuten nach Eingang des Fragebogens. Dem Politiker unterlief jedoch ein fataler Fehler. Statt des ausgefüllten Fragebogens kam eine interne Reaktion an einen Mitarbeiter zurück, die der FDP-Politiker versehentlich an die Stuttgarter „Fridays for Future“-Gruppe sandte. „FFF Fragebogen mit Deadline 3.2. was für Arsch...“, schreibt Scholpp darin und spielt damit auf die wohl seiner Meinung nach deutlich zu geringe Zeit zur Beantwortung des Fragebogens an.

Peinlicher Fehler vor Landtagswahl in Baden-Württemberg - „Reaktion steht exemplarisch“

Falsch weitergeleitete Nachrichten sind wohl oftmals eine peinliche Angelegenheit. Wenn man sich beispielsweise aus Frust bei einem Freund über den verflossenen Ex-Partner auslässt und diese Nachricht versehentlich an eben diesen weiterleitet, ist das schon peinlich. Als Politiker, der in der Öffentlichkeit steht, nimmt ein solches Versehen jedoch deutlich größere Dimensionen an - vor allem kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. „Sollen wir da ähnlich dem anderen antworten? Flapsig...“, heißt es laut der dpa in der von Thilo Scholpp fälschlicherweise weitergeleiteten Nachricht an die Klimaaktivisten weiter.

Die Stuttgarter Gruppe der „Fridays for Future“-Bewegung hätte mit Sicherheit nicht mit einer solchen Antwort gerechnet. „Die Reaktion von Herrn Scholpp lässt uns betroffen zurück, steht jedoch exemplarisch“, sagte Klimaaktivistin Cosima Rade von der Gruppe zu der E-Mail-Panne. „Wir bezweifeln, dass Menschen, die derartig respektlos auf das zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen reagieren, im Landtag sachliche, gerechte und wissenschaftlich-fundierte politische Entscheidungen treffen werden.“

Der FDP-Kandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg bedauert den Vorfall nach eigener Aussage. „Ich hab etwas unflätig reagiert“, sagte Thilo Scholpp am Dienstag der dpa. „Das ist mir rausgerutscht“. Er habe sich über die in seinen Augen deutlich zu kurze Zeit zur Beantwortung des Fragebogens geärgert. „Ich muss mich entschuldigen“, so der Politiker. Er habe auch kein Problem mit der „Fridays for Future“-Bewegung, seine Tochter sei ebenfalls in der Gruppe aktiv. Die Stuttgarter Klimaaktivisten veranstalten wohl auch aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht mehr jeden Freitag Protestaktionen. „Wir streiken wieder, aber nicht mehr jeden Freitag“, heißt es auf dem offiziellen Internetauftritt. Die nächste Demonstration ist für den 19. März angesetzt.

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