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Kommunen wollen Flüchtlingskinder in Kitas und Schulen aufnehmen

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Eine Praktikantin liest in einer Kita Kindern vor.
Die Kommunen in Baden-Württemberg wollen ukrainischen Flüchtlingskindern den Weg in Kitas und Schulen ebnen. © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Die Kommunen müssen sich auf steigende Zahl junger Flüchtlinge einstellen. Noch gelten Regelungen aus der Coronazeit für die Kitas - das müsse auch so bleiben, fordern die Städte. Die Aufnahme der Kinder in Schulen und Kitas werde ein Kraftakt.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Kommunen in Baden-Württemberg wollen ukrainischen Flüchtlingskindern den Weg in Kitas und Schulen ebnen. «Wir befinden uns in Habachtstellung und diskutieren, wie die Betreuung der Kinder vor Ort am besten gewährleistet werden kann», erläuterte der Dezernent für Familie und Soziales des Städtetages, Benjamin Lachat, am Montag in Stuttgart. Das Interesse der Flüchtlinge an den Kitas sei groß, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Unter den etwa 1000 in der Landeserstaufnahme registrierten Menschen sind auch zahlreiche Kinder.

Der Städtetag befasst sich derzeit auch mit der Frage, ob die Schüler besser in den öffentlichen Schulen integriert oder separat unterrichtet werden. «Dabei schließt das eine das andere nicht aus», sagte der Verbandsdezernent für Schulen, Norbert Brugger. Er kündigte an, die Kirchen, Musik- und Sportvereine, Museen, Büchereien sowie Volkshochschulen sollten möglichst in das Angebot für die Kinder einbezogen werden.

Rechtlich steht weder dem Kita- noch dem Schulbesuch etwas entgegen. Das Recht zum Besuch einer Schule besteht laut Kultusministerium von Anfang an. Eine Schulpflicht beginnt sechs Monate nach dem Zuzug aus dem Ausland. Sie endet mit Ende des 18. Lebensjahres. Die verzögerte Schulpflicht trägt möglichen Traumata der Kinder Rechnung. Sie sollen Zeit haben, sich in ihrem neuen Umfeld zu orientieren und die Erlebnisse der Flucht zu verarbeiten.

Das Kultusministerium erinnerte daran, dass zu Zeiten der großen Zuwanderung in den Jahren 2015/16 die Vorbereitungsklassen für allgeinbildende und berufliche Schulen gute Dienste geleistet hätten.

Eine Option für die Kita- und Schulkinder aus der Ukraine sei auch, Flüchtlingsfrauen einzusetzen, so der Städtetag. Auch ukrainische Mitarbeiter hätten sich für die Unterstützung im schulischen Bereich gemeldet. Denkbar sie ebenfalls, Pensionäre wieder zu reaktivieren, sagte Brugger.

Kita-Experte Lachat forderte, die corona-bedingten Erleichterungen für die Kitas fortzusetzen - ansonsten werde die Integration der Flüchtlingskinder kaum zu stemmen sein oder das Angebot werde drastisch reduziert werden müssen. So sollten Kita-Gruppen weiterhin deutlich vergrößert werden. Überdies müsse es weiter möglich sein, erfahrenes, aber nicht formal qualifiziertes Personal einzustellen, ohne dass es auf den Personalschlüssel angerechnet werden muss.

Da die Mittel für die Kitas vielerorts mangels Mitarbeiterinnen nicht ausgeschöpft würden, könnten diese für solche Kräfte verwendet werden. Unter anderem seien Russinnen und Ukrainerinnen gefragt. Es gebe Überlappungen zwischen der ukrainischen und russischen Sprache, erläuterte Lachat. Aber solche Sprachmittlerinnen, zumal für im Krieg traumatisierte Kinder, gebe es nicht häufig.

Es brauche keine großen Programme des Kultusministeriums, obwohl das Land die Kommunen insgesamt unterstützen sollte, sagte Lachat. «Wir müssen darauf vertrauen, dass die Bürgermeister und Oberbürgermeister im Land pragmatische Entscheidungen fällen.»

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