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„Corona-Gegner, ihr solltet euch schämen“: Demos vor Häusern von Politikern gehen entschieden zu weit

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Von: Nadja Pohr

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Immer wieder demonstrieren Corona-Gegner vor den Häusern der Politiker des Landes. Doch mit dieser mittelalterlichen Methode schneiden sie sich nur ins eigene Fleisch.

Stuttgart - In der vergangenen Woche zeigte sich erneut, zu welchen schrecklichen Methoden die Corona-Gegner greifen, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Vor dem Wohnhaus von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zogen 350 Menschen mit Trillerpfeifen vorbei. In Halberstadt (Sachsen-Anhalt) waren es sogar bis zu 700 Teilnehmern, die vor dem Haus des Oberbürgermeisters Daniel Szarata (CDU) aufliefen - bewaffnet mit Trommeln, Fackeln und Feuerwerk.

Schon im vergangenen Jahr wütete ein Mob mit Fackeln vor dem Haus von Petra Köpping (SPD), Gesundheitsministerin von Sachsen, und sorgte für erschreckende Bilder. „Das sind Methoden, die hat die SA erfunden“, sagte Winfried Kretschmann zu dem Vorfall von damals und meint, auch jetzt sei die rote Linie überschritten worden.

Mit den Demos vor den Wohnhäusern von Politikern erreicht ihr doch nur das Gegenteil

Die Frage, ob es den Demonstranten eigentlich bewusst ist, dass sie Grenzen überschreiten, braucht man ja gar nicht zu stellen. Diese Überzeugung, das „Richtige zu tun“, ist ekelhaft narzisstisch und gefährlich für unsere Demokratie. Bitte nicht falsch verstehen: Man muss sich nicht mit allem zufriedengeben. Die eigene Meinung zu vertreten, für etwas zu kämpfen und auf die Straße zu gehen, ist ebenfalls ein wichtiger Teil einer Demokratie.

Mensche halten eine Fackel in der Hand
Die Demonstrationen vor den Wohnhäusern der Politiker häufen sich. Die Corona-Gegner stehen mit Fackeln und Pfeifen vor den Türen (Symbolbild). © Christian Mang/IMAGO

Die Corona-Gegner fühlen sich von den Politikern und den pandemiebedingten Maßnahmen in ihrer Freiheit beraubt, vergessen jedoch dabei, dass sie selbst der Grund für einige dieser „Einschränkungen“ sind. Versammlungsverbote gab es auch, weil sich wiederholt nicht an die Auflagen gehalten wurde. Die Verbote von Aufzügen, sogenannten Spaziergängen und Kundgebungen gibt es euretwegen und nicht, weil die Politik irgendjemandem dadurch schaden will - Ihr seid zu oft zu weit gegangen.

Es wird bewusst eine Kultur der Angst durch die Demonstrationen geschaffen. Oder wie der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), meint: „Psychoterror“ betrieben. Man will sich gar nicht vorstellen, wie man sich fühlen muss, wenn man vor seinem Haus von wütenden Menschen mit Fackeln angeschrien wird. Eine Belastung nicht nur für die betroffenen Politiker, sondern auch deren Familien. In einer Demokratie muss zwischen Privat- und Amtsperson unterschieden werden können, wie auch Kretschmann sagte.

Für diesen Weg der Meinungsäußerung sollte man sich schämen

In welcher Welt leben wir, dass man glaubt, durch Aufmärsche vor Wohnhäusern könne die Meinung am besten kundgetan werden? Es ist eher ein Zustand wie im Mittelalter, dass man zu Fackeln greift und somit „Jagd“ auf Menschen macht. Die Corona-Gegner, die diese Methode für richtig halten, sollten sich einfach nur schämen.

Zwei Jahre Corona-Pandemie zehren in der ganzen Bevölkerung an den Nerven. Die Entscheidungen und Maßnahmen der Regierung waren nicht immer für jeden nachvollziehbar. Aber die Politiker unseres Landes sind ebenfalls nur Menschen, die versuchen, Lösungen zu finden, um die Katastrophe abzuwenden - und nicht tatenlos zugesehen haben.

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