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„Man verzweifelt“: Stuttgarterin wartet seit sechs Monaten auf ihren Koffer

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Von: Sina Alonso Garcia

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Vor rund einem halben Jahr ging auf einem Flug von Stuttgart über München nach Rom der Koffer einer 16-Jährigen verloren. Noch immer wartet die junge Frau auf das abhanden gekommene Gepäckstück.

Stuttgart - Für Flugpassagiere ist es die Horrorvorstellung schlechthin: Man fliegt in den Urlaub und der Koffer kommt nicht am Zielflughafen an. Was viele Reisende fürchten, musste eine 16-Jährige aus Stuttgart nun am eigenen Leib erfahren. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, flog die Teenagerin in den Pfingstferien gemeinsam mit anderen Firmlingen der katholischen St.-Hedwigs-Gemeinde aus Stuttgart-Möhringen von Stuttgart über München nach Rom. Auf ihren Koffer sowie eine Entschädigung wartet sie seither vergeblich.

„Man verzweifelt ein bisschen, vor allem, weil Lufthansa sich nicht mehr meldet“, so die 16-Jährige. Was sie weiß: Der Koffer ging bereits in München verloren und war auf dem Flug nach Rom gar nicht mehr an Bord. Das hatte ihr die Lufthansa in Rom am Tag des Flugs mitgeteilt. Nachdem die Stuttgarterin Mitte Juni eine Verlustanzeige samt Gepäcklabel, Buchungsnummer, Kofferinhaltsliste und Foto des Koffers aufgegeben hatte, musste sie zunächst einen ganzen Monat auf eine Rückmeldung warten.

Koffer am Flughafen verloren: Lufthansa spricht von einer „außergewöhnlichen Situation“

Mitte Juli sicherte der Kundenservice der Lufthansa der Betroffenen eine „umgehende Entschädigung“ zu. Danach hieß es in einer weiteren Mail, dass die Bearbeitung des Falls noch „einige Zeit“ in Anspruch nehmen könne. Obwohl die 16-Jährige sich per Mail und telefonisch mehrmals bei der Lufthansa erkundigt hat, wartet sie noch immer auf eine Rückmeldung. Die Begründung der Lufthansa über die Hotline: Die Fluggesellschaft befinde sich noch in einer „außergewöhnlichen Situation“.

Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung äußerte sich jetzt ein Verbraucherschützer zu dem Koffer-Debakel. Oliver Butler, Abteilungsleiter bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält die lange Wartezeit für nicht zumutbar. „Ein halbes Jahr muss man nicht warten“, sagt er. „Verlorenes Gepäck muss sieben Tage nach dem Verlust schriftlich bei der Airline gemeldet werden. Ist es 21 Tage nach dem Flug nicht auffindbar, gilt es offiziell als verloren.“ Laut des Experten kann eine Entschädigung maximal knapp 1.500 Euro pro Passagier betragen. Es gebe aber auch Fälle, bei denen die Geschädigten mit der Lufthansa über den Wert des Gepäckstücks diskutieren müssten.

Koffer verloren - was tun? Verbraucherschützer aus Baden-Württemberg gibt Tipps

Für diejenigen, deren Koffer am Flughafen verloren geht, empfiehlt der Verbraucherschützer, Druck auf die Airline aufzubauen, eine Frist von sieben bis 14 Tage zu setzen und schriftlich eine Zahlungsaufforderung als Einwurfschreiben an den Geschäftssitz der Fluggesellschaft zu senden. Falls das alles nichts hilft, können die Betroffenen einen Mahnbescheid veranlassen - etwa über www.online-mahnantrag.de. Alternativ könne man auch die kostenlose Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr kontaktieren (www.soep-online.de).

Der Grund für den Gepäckverlust im Falle der jungen Frau aus Stuttgart war laut Lufthansa ein „erheblicher Druck“ aufgrund von Personalmangel. Wie eine Pressesprecherin der Stuttgarter Zeitung mitteilte, sollte es eigentlich nicht zu einer so langen Wartezeit für den Fluggast kommen.

Koffer geht verloren: So kann man sich vor Gepäckverlust schützen

Wer sich vor einem Kofferverlust am Flughafen schützen will, kann sich an 5 Tipps halten, mit denen das Gepäck nicht so leicht verloren geht. So kann man sich etwa durch die Wahl eines Koffers in knalligen Farben vor Verwechslung schützen und sollte rechtzeitig beim Check-In sein. Komplett davor gefeit, seinen Koffer zu verlieren, ist aber niemand. Wann die 16-Jährige aus Stuttgart über den Verbleib ihres Gepäckstückes erfahren wird, ist weiter unklar.

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